LUZERN: Landfriedensbruch: FCL-Chaot vor Kantonsgericht

Ein Fan des FC Luzern soll sich an Krawallen beteiligt haben. An Details könne er sich nicht mehr erinnern, sagt er nun vor Gericht.

Christian Hodel
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Bild: Manuela Jans

Bild: Manuela Jans

Kurz, aber heftig soll die Auseinandersetzung gewesen sein. Es war der 23. August 2012, als der FC Luzern das Euro-Qualifikationsspiel gegen den belgischen Verein KRC Genk bestritt. Zuvor kam es bei der Luzerner Reussbrücke in der Krongasse, nahe dem Luzerner Regierungsgebäude, zu Krawallen. Rund 60 Belgier standen gut einem Dutzend Luzerner gegenüber – nach kurzer Zeit ergriffen die FCL-Anhänger die Flucht Richtung Bahnhofstrasse.

Bereits mit Stadionverbot belegt

An viele Details könne er sich nicht mehr erinnern, sagte ein 23-jähriges Mitglied der Luzerner Fangruppierung United Supporters gestern im Berufungsverfahren vor dem Kantonsgericht. Er wird des Landfriedensbruchs und der Hinderung einer Amtshandlung beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 90 Franken. Das Urteil steht noch aus.

Im erstinstanzlichen Entscheid wurde der Mann – der während der Tat bereits mit einem Stadionverbot belegt war und nun erneut eines hat – freigesprochen. Doch die Staatsanwaltschaft zog den Fall weiter. Grund: Der Entscheid sei «lebensfremd», wie die zuständige Staatsanwältin gestern sagte. Denn der Beschuldigte, der, vermummt und auf der Flucht vor den belgischen Fans, direkt einem Polizisten in die Arme lief, habe sich mit Gewalt gegen seine Verhaftung gewehrt. Der Beschuldigte wiederum gab zu Protokoll, dass er an besagtem Nachmittag vor einem Restaurant in der Nähe des Luzerner Theaters war und während der Schlägerei in Richtung Franziskanerplatz gelaufen sei. Er habe dies nicht so in Erinnerung, dass er, nachdem er von einem in Zivil gekleideten Polizisten festgehalten worden sei, versucht habe, sich mittels Schlägen zu befreien.

1,2 Promille und Schürfwunden

An den Aussagen der Polizisten dürfe man nicht zweifeln, weil diese nicht widersprüchlich seien, sagte hingegen die Staatsanwältin. Doch genau dies tat der Anwalt des Beschuldigten. Die Polizei habe bei der Festnahme «möglicherweise etwas mehr getan, als nötig gewesen wäre», sagte er. Der Beschuldigte zog sich wohl bei der Festnahme leichte Blessuren zu, weil sein Kopf laut eigenen Angaben gegen die Mauer des Luzerner Regierungsgebäudes prallte. Nach der Festnahme wurde er ärztlich versorgt. Neben einem Alkoholgehalt von über 1,2 Promille seien «minime Erosionen» mit leichten Schwellungen an der Stirn und Nasenbluten festgestellt worden.

Doch warum war der Beschuldigte überhaupt zugegen, wenn er mit einem Stadionverbot belegt war und das Spiel sowieso nicht besuchen durfte, fragte eine der Richterinnen. Er habe «viele Kollegen» in der Szene und habe «mit diesen etwa trinken wollen», antwortete der Beschuldigte. Was waren das für Leute? «Einige von ihnen hatten auch Stadionverbot.»

Es fehlen Beweise

Ob der Mann tatsächlich an den Auseinandersetzungen beteiligt war, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft konnte keine stichhaltigen Beweise vorlegen. Ebenso in der Schwebe steht, was sich zwischen den Fans an diesem Nachmittag im August 2012 genau zugetragen hat. Den Behörden liegen weder Anzeigen wegen Körperverletzung noch wegen Sachbeschädigung vor. Es seien Mutmassungen, auf die sich die Staatsanwaltschaft stütze, sagte der Verteidiger des Beschuldigten. Fotos oder sonstige Beweise von der Auseinandersetzung würden nicht vorliegen. Die Staatsanwältin wiederum spricht von einem herumfliegenden Kartenständer eines nahe gelegenen Geschäfts. Ebenso sei ein Feuerlöscher in der Nähe gestanden. Wie dieser dahin kam und ob damit Gewalt ausgeübt wurde, bleibt unklar.

Chaoten wüteten auch im Rückspiel

Nach den Ausschreitungen in Luzern kam es eine Woche später, beim Rückspiel des FCL gegen den KRC Genk, erneut zu wüsten Szenen. FCL-Anhänger randalierten auf einer deutschen Raststätte – zündeten Pyros, verschmierten Wände. Ebenso bedienten sich die Randalierer im Tankstellenshop, ohne zu bezahlen. Es entstand ein Sachschaden von 12 000 Franken. Die Täter konnten nie gefunden werden. Auch darum, weil die Chaoten die Überwachungskameras zugeklebt hatten. Die Ermittlungen wurden eingestellt (Ausgabe vom 12. 9. 2013).