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LUZERN: Langzeitgymi: Abschaffung kommt teuer

Aus Spargründen will die Regierung erneut prüfen, Langzeitgymnasien zu schliessen. Befürwortern und Gegnern geht es aber um weit mehr als nur ums Geld.
Christian Hodel
Symbolbild Neue LZ (Archiv) / Pius Amrein

Symbolbild Neue LZ (Archiv) / Pius Amrein

Christian Hodel

Ein Machtspiel um die Besten ist entfacht. An einem Podium in Willisau warfen sich Vertreter des Gewerbes und der Gymnasien kürzlich vor, mittels gezielter Werbekampagnen einander die stärksten Schüler abzuwerben. Das Buhlen um Talente ist härter geworden, auch angesichts des derzeitigen Lehrlingsmangels. Es geht um die entscheidende Frage: Welchen Weg des dualen Bildungssystems sollen die Besten unter den Schülern einschlagen – Gymnasium oder eine Lehre mit Berufsmaturität?

Um ihre Interessen durchzubringen, setzen Gewerbevertreter nicht nur auf gezielte Werbekampagnen, sondern auch auf die Schwächung des Gegners. So steht im Kanton Luzern die Abschaffung des Langzeitgymnasiums abermals zur Diskussion (siehe Kasten). Im Rahmen des aktuellen Sparprogramms hat der Luzerner Kantonsrat in der morgen beginnenden Session darüber zu entscheiden, ob die Regierung die «Strukturen des Gymnasialangebots» überprüfen soll.

Massive Verlagerung der Kosten

«Wer sich nach der 6. Primarklasse für das Gymi entscheidet, ist für die Lehre verloren», sagt Gaudenz Zemp, Direktor des Gewerbeverbands und FDP Kantonsrat. Er gehe deshalb davon aus, dass sich Langzeitgymnasien negativ auf die Berufsmaturaquote auswirken. Derzeit entscheiden sich 18,5 Prozent der Luzerner Jugendlichen für den gymnasialen Weg –das sind leicht weniger als der Schweizer Durchschnitt, der bei 19,9 Prozent liegt. Luzern belegt in der Statistik der Kantone damit Rang 12. Nur Rang 19 resultiert aber, wenn man die Berufsmaturitätsquote hinzuzählt.

Die Gretchenfrage dreht sich jedoch nicht um Quoten – sondern ums Geld. Sie lautet: Was würde bei einer Abschaffung des Langzeitgymnasiums finanziell passieren? «Es gebe eine erhebliche Verlagerung der Kosten», sagt Aldo Ma­gno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung des Kantons Luzern. «Der Kanton hätte Mehrkosten zwischen 5 und 9 Millionen Franken.» Die 83 Gemeinden wiederum könnten gemeinsam zwischen 6 und 8 Millionen Franken sparen. «In der Summe würde die öffentliche Hand, je nach Szenario, Mehrkosten von einer Million Franken oder im besten Fall eine Einsparung desselben Betrags haben.»

Doch bei den einzelnen Gemeinden gibt es Unterschiede betreffend finanziellen Auswirkungen. Magno fasst zusammen: «Grosse Gemeinden wären eher belastet, während kleine und mittlere Gemeinden deutlich entlastet würden.» Betroffen sind vor allem Zentrums- und Wachstumsgemeinden wie etwa Luzern, Kriens, Emmen und Sursee, weil diese wegen der Klassengrösse die Untergymnasiasten nicht in die bestehenden Schulklassen integrieren könnten. Die Gemeinden müssten in den Sekundarschulen neuen Raum für 1500 bis 1800 Schüler schaffen. Bei den Gymis wiederum fielen wegen des Wegfalls von Klassen rund 115 Vollzeitstellen weg. Ein Sozialplan müsste her. Auf dem Land und in der Stadt würde mindestens je ein Gymnasiumstandort geschlossen. Magno: «Eine Abschaffung stellt das ganze Schulwesen im Kanton auf den Kopf. Das ist unzumutbar.»

«Abschaffung wäre fataler Fehler»

Die Schliessung der Langzeitgymnasien hätte einen «riesigen Umstrukturierungsprozess» zu Folge, sagt auch Remo Herbst, Präsident des Verbands Luzerner Mittelschullehrerinnen und Mittelschullehrer. Aus pädagogischer Sicht gehe dies mit einer Qualitätseinbusse einher. «Ausgebildete Gymnasiallehrer werden kaum an einer Sekundarschule unterrichten», sagt Herbst. «Das Langzeitgymnasium abzuschaffen, wäre ein fataler Fehler.»

Gewerbeverband misstraut Zahlen

Die pädagogischen Vorteile eines Langzeitgymnasiums sieht auch Gaudenz Zemp vom Gewerbeverband. Allerdings nur für jene Schüler, die es später in die Wissenschaft und Forschung ziehe. «Das ist aber ein sehr kleiner Teil.» Die Mehrheit der Schweizer Kantone beweise längst, dass es auch ohne Langzeitgymnasium gehe.

Doch warum etwas abschaffen, das sich bewährt hat und laut neuesten Zahlen des Kantons nicht mal zu einer finanziellen Entlastung führt? Zemp misstraut den Berechnungen und sagt: «Es wird behauptet, es gäbe keine Spareffekte. Man löst aber Doppelspurigkeiten auf. Es scheint unlogisch, dass dies nicht zu Einsparungen bei der Verwaltung und den Schulleitungen führt.»

Die Mehrheit der Kommission Erziehung, Bildung und Kultur des Luzerner Kantonsrats, in der auch Zemp Einsitz nimmt, sieht dies anders. Sie will das Langzeitgymnasium nicht antasten und lehnt eine Überprüfung der Strukturen ab. Den definitiven Entscheid wird nun der Kantonsrat fällen müssen – zum wiederholten Mal.

Angriff auf Gymi: Ein Dauerbrenner

Langzeitgymnasium chh. Die Mehrheit der Schweizer Kantone bietet heute nur noch das Kurzzeitgymnasium an. Dieser Weg zur Matura, der nach der 2. oder 3. Sekundarschule eingeschlagen wird, ist vor allem im westlichen Landesteil stark ausgeprägt. Nicht so aber in der Zentralschweiz – ausser Schwyz führen alle Kantone Langzeitgymnasien, meist in Kombination mit Kurzzeitgymnasien.

Nidwalden macht Kehrtwende
Allerdings ist der Verbleib der sechsjährigen Ausbildung bis zur Matura beinahe überall umstritten. In Zug wird derzeit geprüft, welche finanziellen Auswirkungen eine Abschaffung hätte. In Nidwalden hat die Regierung eine solche Idee im Herbst 2015 wieder beerdigt, und in Luzern war die Schliessung der Langzeitgymnasien ein Jahr zuvor bereits Thema. Dies, nachdem es schon 2012, 2004 und 1998 Diskussionen gab. Die Regierung liess vor 12 Jahren eine Studie erstellen. Das Fazit: Die Kosteneinsparungen sind marginal.

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