LUZERN: Legendäres U-Boot erstrahlt in neuem Glanz

Das Verkehrshaus ist eine Attraktion reicher. Die «Auguste Piccard» wurde am Donnerstag vor 450 Gästen eingeweiht. Das U-Boot wurde in den letzten neun Jahren aufwändig restauriert. An den Feierlichkeiten teil nahm auch Bertrand Piccard, Enkel des Erfinders.

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Das U-Boot «Auguste Piccard» nach seiner äusserlichen Restaurierung im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. (Bild: PD)

Das U-Boot «Auguste Piccard» nach seiner äusserlichen Restaurierung im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. (Bild: PD)

«Das Unmögliche möglich zu machen», sei es, was Projektleiter Daniel Geissmann an Bertrand Piccard so bewundere. Ein bisschen hatte er damit wohl auch sich selbst gemeint, dass er es nämlich mit seinem Team geschafft hat, das marode U-Boot – zumindest aussen – originalgetreu zu restaurieren.

Die «Auguste Piccard» ist in den letzten 9 Jahren aufwändig restauriert worden. «Eines der wichtigsten technischen Kulturgüter der Schweiz aus der Nachkriegszeit konnte damit dem Verrottungsprozess entrissen werden», wie Martin Bütikofer, Direktor des Verkehrshauses betonte.

Schliesslich zeigte sich Bertrand Piccard, oben angesprochener Abenteurer und Enkel von Auguste Piccard sichtlich gerührt. Er bedankte sich bei den vielen Leuten, die mit viel Herzblut das vermeintlich verlorene U-Boot wieder auf Vordermann brachten. Mit Piccard waren auffällig viele Gäste aus der Westschweiz zur Einweihung des ehemaligen Touristenattraktion der Expo 1964 angereist, unter anderem weitere Mitglieder der Forscher- und Abenteurerfamilie.

Bertrand Piccard an der Einweihung der Auguste Piccard. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
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Der Erbauer war sein Grossvater. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
Piccard sichtlich gerührt. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
Auch Direktor Martin Buetikofer und Projektleiter Daniel Geissmann freuen sich über den neuen Star im Verkehrshaus. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
Rede von Martin Buetikofer, Direktor des Verkehrshauses. (Bild: KEYSTONE)
Rund 450 Personen waren zur Einweihung gekommen. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
Darunter auch weitere Mitglieder der Familie Piccard. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
Die Schweizer Fahne wird gehisst. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ
Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ
Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ
Das U-Boot war die Attraktion an der Expo 1964. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
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«Originalrost» (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)
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Gaeste beim Apero. (Bild: KEYSTONE)
Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ

Bertrand Piccard an der Einweihung der Auguste Piccard. (Bild: Urs-Ueli Schorno/Neue LZ)

Minimale Mittel und 28'000 Arbeitsstunden

Seit 2005 leistete das Verkehrshaus der Schweiz für die plangetreue äusserliche Restaurierung zusammen mit Freiwilligen über 28‘000 Arbeitsstunden. Das U-Boot «Auguste Piccard» (Mésoscaphe PX-8) wurde mit minimalen finanziellen und personellen Mitteln sowie zahlreichen Projektpartnern restauriert, heisst es in einer Medienmitteilung des Verkehrshauses der Schweiz. Die Nachfahren des U-Boot-Konstrukteurs Jacques Piccard feierten am Donnerstag mit zahlreichen Gästen den Abschluss der aufwändigen Restaurierung im Verkehrshaus der Schweiz.

Anhand von Originalplänen aus dem Musée du Léman konnten die Umbauten rückgängig gemacht und das äusserliche Erscheinungsbild des U-Boots Stand Expo 64 wieder hergestellt werden. Den Einstiegsturm bauten die Lernenden der Ruag nach, während der Kiel von den Lernenden der Firma Schindler neu erstellt wurde. Für den Nachbau der Antriebs- und Steuereinheit waren die Ateliers des Verkehrshauses verantwortlich.

Nach 50 Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich

Das U-Boot «Auguste Piccard» ist gemäss Mitteilung eine Ikone der Schweizer Industriegeschichte und ein kulturgeschichtliches Denkmal für den Pioniergeist und die Innovationsfähigkeit der Schweiz. Vor 50 Jahren tauchte es an der Expo 64 in Lausanne zum letzten Mal im Genfersee. Nun wird das Objekt als wichtiger  Botschafter der französischen Schweiz, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Neu erleben die Verkehrshaus-Besucher im ersten Stock der Halle Schifffahrt auch die Geschichte der Forscherfamilie Piccard. Hochwertige Modelle dokumentieren die Geschichte der berühmten Schweizer Tauchboote.

Schweizer Ingenieurskunst

Jacques Piccard, der mit dem U-Boot Trieste auf 10‘916 Metern am tiefsten Punkt dieser Erde war, konstruierte für die Expo Lausanne von 1964 das grösste, zivile U-Boot der Welt. Bei der Abnahme der Betriebsfähigkeit kam es zum Eklat, da die Schweiz nicht über die entsprechende Erfahrung mit Tauchbooten verfügten. Den Argumenten von Piccard wurde kein Vertrauen geschenkt und so wurde er vom Projekt ausgeschlossen. Trotzdem wurde die Fahrt mit einem Unterwasserboot zum Höhepunkt der Expo 64. Über 33'000 Passagiere nutzten die Chance für damalige 40 Franken, sich auf eine 25-minütige Fahrt 150 m unter den Seespiegel zu begeben.

Tauchen in den Weltmeeren

Nach dem Einsatz an der Landesausstellung wurde das U-Boot nach Kanada verkauft, um dort 1976 Küstenvermessungsarbeiten für eine amerikanische Offshore-Erdölfirma durchzuführen. Später tauchte es vor San Diego für ein geologisches Institut und die Navy. Durch den Panamakanal gelangte die Mésoscaphe PX-8 nach Mobile, Alabama. Von dort aus begab sich das U-Boot auf Schatzsuche in den Karibischen Gewässern. Höhepunkt war 1981 der Fund der Spanische Galeone San José, die 1708 von der britischen Flotte vor der Küste Kolumbiens versenkt wurde. An Bord soll sich tonnenweise Gold, Silber und Edelsteine befinden, weshalb die kolumbianische Regierung das Bergungsrecht verweigerte. Später beschädigte ein Wirbelsturm in Texas das an Land eingelagerte U-Boot so schwer, dass es nicht mehr betriebsfähig war.

pd/zim/uus