LUZERN: Lehrer wegen Kinderpornos verhaftet

Hausdurchsuchung und U-Haft: Ein Lehrer steht unter Verdacht, sich Kinderpornos angeschaut und sie anderen zugänglich gemacht zu haben. Der Beschuldigte räumt Fehler ein.

Lena Berger und Thomas Heer
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Der Lehrer lud kinderpornografisches Material nicht nur herunter, sondern stellte solches auch «halbbewusst» zum Download zur Verfügung. (Bild: Keystone)

Der Lehrer lud kinderpornografisches Material nicht nur herunter, sondern stellte solches auch «halbbewusst» zum Download zur Verfügung. (Bild: Keystone)

Die in warmen Farben gestrichene Wohnung des Ehepaars Schmid* macht einen überaus freundlichen Eindruck. Ein bunt bemaltes Schild heisst die Besucher des Mehrfamilienhauses in einer Luzerner Landgemeinde herzlich willkommen. Doch am hölzernen Tisch in der kleinen Küche herrscht gedrückte Stimmung. Frau Schmid, eine zierliche Frau mit modischem Haarschnitt, sitzt gefasst, aber mit nachdenklichem Gesichtsausdruck neben ihrem Gatten. Es fällt den beiden nicht leicht, mit Journalisten über das Vorgefallene zu sprechen. Verständlich: Das laufende Jahr hat für die Schmids denkbar schlecht begonnen. Vor einigen Wochen hat das Ehepaar überraschenden Besuch von der Polizei erhalten. Herr Schmid wurde für mehrere Tage in Untersuchungshaft gesetzt. Ein traumatisches Erlebnis.

Was war geschehen? «Aktuell läuft gegen die betreffende Person ein Verfahren wegen verbotener Pornografie», sagt dazu Urs Wigger, Sprecher der Luzerner Polizei. Die Rede ist von Kinderpornografie. Doch was heisst das konkret? Hat Schmid etwa Kinder geschändet? Oder als Produzent selber kinderpornografisches Material hergestellt? Mit Filmen gehandelt? Wigger kann aufgrund des laufenden Verfahrens keine detaillierten Auskünfte geben. Nur so viel: «Die Vorwürfe stehen in keinem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Lehrer.» Und: «Selbst erstellte Bilder oder Videos mit Kinderpornografie wurden nicht gefunden.»

Bund kam ihm auf die Schliche

Unsere Zeitung wollte vom Betroffenen wissen, was an den Vorwürfen dran ist. «Wenn es wirklich happig gewesen wäre, würde ich jetzt nicht hier sitzen», sagt die Ehefrau zu Beginn. Ihr Mann habe sich zu der Zeit in einer «Lebenskrise» befunden, die wohl jeder Mensch einmal durchlebe. Anders als andere begann er aber weder zu trinken, noch verfiel er der Spielsucht. Schmids Frustabbau mündete darin, dass er auf seinem Computer mit kinderpornografischem Material jonglierte. Er lud die Filme nicht nur herunter, sondern stellte sie «halbbewusst», wie er sagt, auch anderen Usern zum Download zur Verfügung. Damit wiederum machte er die nationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität KOBIK (siehe Kasten) auf sich aufmerksam. Über die IP-Adresse des Computers ist es dieser möglich, Daten zurückzuverfolgen – so nahm die Polizei die Fährte auf.

«Heftige Zeit»

Die Verhaftung fühlte sich für die ­Familie an, als wäre ein Tsunami über sie hereingebrochen. Schmid hat seinen Job verloren. «Das war für mich eine heftige Zeit», erinnert er sich.

Auch für die Schulleitung dürfte die ­Situation schwierig gewesen sein. Aus Persönlichkeits- und Datenschutz­gründen nehmen die Verantwortlichen zum Fall keine Stellung. Martin Huber, Präsident des Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter der Volksschulen des Kantons Luzerns, erklärt jedoch das allgemeine Vorgehen: «Wenn eine längere Strafuntersuchung gegen eine Lehrperson läuft, die ihre Tätigkeit berührt, ist es üblich, dass die Eltern darüber informiert werden.» Was der Lehrperson vorgeworfen wird, erfahren sie allerdings nicht. «Darüber werden auch die Schulleitungen von den Strafuntersuchungsbehörden nicht aufgeklärt», betont Huber.

Die Polizei gebe aber dem kantonalen Bildungs- und Kulturdepartement Bescheid, wenn sich die Vorwürfe auf Kinderpornografie oder Kindsmissbrauch bezögen. Diese Stelle entscheidet im Falle einer Verurteilung auch über ein Berufsverbot.

Die Schulleitung allerdings – auf Gemeindeebene für die Führung der Lehrpersonen verantwortlich – muss selber recherchieren, wenn sie wissen will, worum es im Strafverfahren geht. Sie wird nur informiert, wenn tatsächlich Schulkinder Opfer eines Verbrechens wurden. «Erfährt die Schulleitung durch eigene Quellen, dass der betroffenen Lehrperson Kinder­pornografie oder Kindsmissbrauch vorgeworfen wird, hat sie die Möglichkeit, diese freizustellen», sagt Huber. Dies solle immer in Absprache mit dem Rechtsdienst und den politischen Verantwortlichen geschehen.

Wie auch immer das Verfahren ausgeht, Schmid muss sein Leben jetzt neu ausrichten. Bei einer Verurteilung droht ihm laut Gesetz eine Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder eine Geldstrafe – und ein Berufsverbot. «Für mich ist klar, dass ich nach alledem nie mehr als Lehrer arbeiten werde. Aber das habe ich mir selber eingebrockt», sagt Schmid selbstkritisch. Immerhin kann er auf den Rückhalt seiner Familie zählen. Keine Selbstverständlichkeit.

Ermittler beim Bund

Kobik ber. Die nationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) sucht aktiv nach kriminellen Websites. 2013 wurden aufgrund ihrer Ermittlungen 423 Anzeigen erstattet. Als zentrale Anlaufstelle wurden ihr zudem 1414 Websites gemeldet, die Kinderpornografie anboten. Die Meldungen werden nach einer ersten Datensicherung an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.>

Hinweis

*Namen geändert. Es gilt die Unschuldsvermutung.