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LUZERN: Liebe trieb einen Staatsdiener ins Sexmilieu

Ein ranghoher Kantonsangestellter soll seiner Geliebten geholfen haben, ein Sexbusiness aufzubauen – obwohl sie keine Arbeitserlaubnis hatte. Jetzt hat er ein Strafverfahren am Hals und ist seinen Job los.
Lena Berger
Dem Abteilungsleiter wurde die Liebe zu der Ausländerin zum Verhängnis. (Symbolbild: Dominik Wunderli)

Dem Abteilungsleiter wurde die Liebe zu der Ausländerin zum Verhängnis. (Symbolbild: Dominik Wunderli)

Gerade er hätte es besser wissen müssen. Als Abteilungsleiter beim Amt für Migration kannte sich der Mann aus mit dem Ausländergesetz. Das bewahrte ihn aber nicht davor, sich in eine Situation zu manövrieren, die ihn letztlich seine Arbeit und seine Reputation kostete.

Diese Woche musste er sich vor dem Bezirksgericht wegen «Erleichterung des rechtswidrigen Aufenthaltes in der Schweiz» und widerrechtlichen Besitzes von Waffen verantworten. «Mein Leben ist auf den Kopf gestellt worden, ich bin ein gebrochener Mann», sagte er an der Verhandlung.

Was war passiert? Vor zwei Jahren war die Welt für den Mann eigentlich noch in Ordnung. Eigentlich. Denn seit längerem fühlte er sich einsam. Seine Frau arbeitete im Ausland. «Wir lebten praktisch seit Jahren getrennt. Ich war unglücklich.» Da lernte er eine andere Frau kennen – deutlich jünger, exotisch, aufregend. «Es hat sofort eingeschlagen. Liebe auf den ersten Blick. Ich wollte mit ihr zusammen sein, eine Familie gründen.»

Damit nahm das Doppelleben des Mannes seinen Anfang. Heimlich mietete er eine Wohnung – unter dem Namen der Firma, die ihm zusammen mit seiner Ehefrau gehört. Er meldete seine Freundin bei einer Sprachschule an. Unter dem Namen seiner Frau, damit keine verräterische Korrespondenz in seinem Briefkasten landete. Wann immer er konnte, übernachtete er bei seiner Geliebten. Er ging sogar so weit, ihr seine Bankkarte zu übergeben.

Was er angeblich nicht wusste: Seine neue Freundin hatte nicht vor, künftig vom Einkommen eines Staatsangestellten zu leben. Sie schaltete auf einer einschlägigen Website ein Inserat, um sexuelle Dienste anzubieten. «Ich bin heiss auf Sex und scharf auf europäische Männer», ist da zu lesen. Und weiter: «Du wirst von meinen tiefen Zungenküssen und geilen Girlfriendsex begeistert sein.»

Ein Opfer seiner Naivität?

War er also auf der Suche nach der grossen Liebe, und sie hat ihn gnadenlos ausgenutzt? So stellte es der Beschuldigte vor Gericht zumindest dar. Er habe keine Ahnung gehabt, dass sie hinter seinem Rücken einen Escort-­Service habe aufbauen wollen. Es sei ein «absoluter Schock» gewesen, als er davon erfahren habe. Während sie erste Kontaktaufnahmen von Freiern beantwortete, habe er eine Aufenthaltsbewilligung beantragt. Er wollte sie als Familiennachzug in die Schweiz holen – nicht ganz einfach, wenn man mit einer anderen Frau verheiratet ist.

«Es ist offensichtlich, dass sie den Service organisierte, ohne dass mein Mandant davon Kenntnis hatte», betonte der Verteidiger. Kann das stimmen? Die Frau konnte kaum Deutsch, irgendwer muss ihr geholfen haben, das Inserat zu schreiben. «Ich habe ihr manchmal einzelne Wörter übersetzt», gab der Beschuldigte zu. Er habe aber nicht ahnen können, wozu sie dies nutzte.

Ist er nur ein Opfer seiner Naivität? Dazu ist zu sagen, dass sich die Geliebte offenbar keine Mühe gegeben hat, ihr Vorhaben zu verheimlichen. So wurden auf ihrem – wohlgemerkt gemeinsam genutzten – Handy Nachrichten von Freiern gefunden. Die will der Beschuldigte nie gesehen haben. Ein weiteres Indiz lässt Zweifel aufkommen: Es war der Beschuldigte höchstselbst, der dem Betreiber der Sexinserate-Website 600 Franken für die Gebühren überreichte. Er habe aber nicht gewusst, dass das Geld diesem Zweck gedient habe – sagt er dazu. Er hat also einem Wildfremden eine grössere Menge Bargeld überreicht, ohne zu wissen, wieso? Ob das glaubwürdig ist, werden die Richter entscheiden müssen.

Der Verteidigter zerpflückte in seinem Plädoyer die Aussagen der Frau, die inzwischen die Ex-Freundin seines Mandanten ist, als «wirr und widersprüchlich». Nur auf eines könne man sich voll und ganz verlassen: Ihre Beteuerung, dass ihr Liebster nichts von dem Sexbusiness wusste, das sie aufbauen wollte. Entscheidend sei, dass es nie zum Verkehr mit Freiern gekommen sei. Wenn mit einem Geschäft kein Geld gemacht werde, handle es sich auch nicht um eine Erwerbstätigkeit. Entsprechend habe sein Mandant auch keine Beihilfe geleistet.

Waffenarsenal im Keller

Doch das ist nicht der einzige Vorwurf, der dazu führte, dass der Kanton als Arbeitgeber den Beschuldigten erst freistellte und dann entliess. Er soll auch eine unzulässiger Menge eines Medikaments aus dem Ausland bestellt haben. Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei ihm zwei Maschinengewehre, eine Pistole, zwölf Schmetterlingsmesser und ein Schlagstock gefunden. Der Beschuldigte gab an, die Schusswaffen vor der Einführung der Waffenscheinpflicht gekauft und dann vergessen zu haben. Woher die Messer stammen, wisse er nicht. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Busse von 6500 Franken und eine bedingte Geldstrafe. Die Verteidigung dagegen verlangt einen Freispruch. Das Urteil steht noch aus.

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