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LUZERN: Listige Schwäne belästigen Passanten

Weil Touristen die Tiere am Schwanenplatz oft füttern, verlieren diese ihre natürliche Scheu – und belästigen Passanten.
Lena Berger
Festschmaus für Schwäne: Touristen füttern die Tiere mit Brot aus den umliegenden Bäckereien - und tragen dazu bei, dass die Tiere immer frecher werden. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Festschmaus für Schwäne: Touristen füttern die Tiere mit Brot aus den umliegenden Bäckereien - und tragen dazu bei, dass die Tiere immer frecher werden. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Sie sind ein beliebtes Fotomotiv: die weissen Schwäne im Luzerner Seebecken. Zwischen einem Besuch im Uhrenladen und der Weiterfahrt zum Löwendenkmal versuchen sich deshalb viele Touristen am perfekten Schnappschuss am Schweizerhofquai. Mit Brot aus den nahe gelegenen Bäckereien locken sie die Tiere an, um mit ihnen zu posieren.

Das hat auch negative Auswirkungen. So kommt es vor, dass Passanten, die auf der Seeseite auf den Bus warten, von den Schwänen regelrecht bedrängt werden – vor allem wenn sie die charakteristischen Tüten der Bäckereien dabeihaben. «Die Luzerner Schwäne werden immer frecher gegenüber den Fütterern», bestätigt Urs Petermann, Präsident der Ornithologischen Gesellschaft Luzern. Es bestehe die Gefahr, dass ein Schwan zuschnappe, wenn er sich bedroht fühle. «Die Tiere haben zudem gewaltige Kraft in den Flügeln, mit denen sie einem Kleinkind im Extremfall den Arm brechen könnten.» Er würde es begrüssen, wenn Hinweistafeln auf Englisch Touristen vor der Fütterung warnen würden. «Sie können mit den bestehenden Kampagnen bislang kaum erreicht werden.»

Schwäne können aggressiv werden

Auch Sibylle Gerardi, Sprecherin von Luzern Tourismus, hat schon beobachtet, dass ausländische Gäste am Schwanenplatz die Tiere füttern. Sie sieht derzeit jedoch keinen Handlungsbedarf: «Es ist klar, dass die Schwäne auch aggressiv werden können. Wir haben bislang aber keine Meldungen bekommen, dass Touristen angegriffen worden sind», sagt sie. Bei Stadtführungen würden die Teilnehmer denn auch darauf aufmerksam gemacht, dass zu den Schwänen Abstand gehalten werden sollte.

Gemäss Michael Schaad, Biologe bei der Vogelwarte Sempach, sind die Schwäne durch das Verhalten der Fütterer wohl inzwischen darauf konditioniert, dass sie auf dem Trottoir Nahrung finden. «Die Essensbeschaffung ist zentral für die Tiere. Sie sind diesbezüglich sehr lernfähig. Ob sie nun auf die Farbe der Säcke reagieren oder allenfalls auf das Knistern – das müssten Untersuchungen zeigen. Dass sie auf Passanten zugehen, ist aber mit Sicherheit ein angelerntes Verhalten.» In der Regel seien solche Begegnungen nicht gefährlich. «Die Schwäne signalisieren mit Schnauben und Flattern deutlich, wenn man ihnen zu nahe kommt. Wichtig ist, dass der Fluchtweg Richtung See offen gehalten wird», so der Experte.

Ratten und Kot

Die Fütterungen haben aber weitere unangenehme Nebenwirkungen. «Liegen gebliebene Brotreste ziehen auch Ratten an und lassen deren Population ansteigen», sagt Stefan Herfort, stellvertretender Leiter der städtischen Umweltschutzstelle. Und auch die Schwäne selbst hinterlassen Spuren, die es kaum auf Urlaubsbilder schaffen: «Wir waschen täglich Schwanenkot vom Trottoir», sagt Rolf Stocker, Leiter Unterhalt und Betrieb beim städtischen Strasseninspektorat. «Die hölzernen Stangen am Ufer sollten die Tiere eigentlich davon abhalten, ans Ufer zu klettern. Wenn sie aber von Passanten mit Futter gelockt werden, überwinden sie dieses Hindernis.» Dieses Problem bestehe am Schwanenplatz, aber auch im Bereich der Schifflände.

Brutale Kämpfe ums Territorium

Die Fütterung beziehungsweise das Nahrungsüberangebot hat gemäss dem Ornithologen Petermann einen Anstieg der Schwanenpopulation zur Folge. «Eine aktuelle Zählung hat ergeben, dass derzeit 154 Schwäne im Luzerner Seebecken leben.» Das könne Territorialkämpfe zur Folge haben, wenn dominante Schwäne aufeinander losgehen. «Ein Schwanenpaar braucht in der Brutzeit eine Uferstrecke von ungefähr 500 Metern. Allerdings nisteten letztes Jahr beispielsweise im Gebiet Ufschötti drei Paare mit einem Abstand von rund 50 Metern», erklärt Petermann.

Dominik von Ah, Jagdaufseher im Kanton Luzern, bestätigt den Populationsanstieg. «Wir befinden uns auf einem hohen Level. Das könnte ein Problem werden – zumal Schwäne geschützt sind und ihr Bestand nicht einfach durch Abschüsse reduziert werden darf.» Derzeit bestehe aber kein Handlungsbedarf. Er hofft darauf, dass die Antifütterungskampagnen fruchten und Einheimische sowie Touristen künftig auf Fütterungen verzichten.

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