Basler Bischof spricht ein Machtwort: Katholiken aus Luzern und Littau müssen kooperieren

Zehn Jahre nach der Fusion Luzern-Littau kommen sich jetzt auch die Katholiken näher. Sie sollen künftig einen gemeinsamen Pastoralraum bilden. Ist das der erste Schritt zur Fusion der Kirchgemeinden?

Robert Knobel
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Die Pfarreien Littau (links) und Reussbühl (rechts) schliessen sich dem Pastoralraum Stadt Luzern an (in der Mitte die Hofkirche).

Die Pfarreien Littau (links) und Reussbühl (rechts) schliessen sich dem Pastoralraum Stadt Luzern an (in der Mitte die Hofkirche).

Bild: PD

Die rund 100 katholischen Pfarreien im Kanton Luzern sollen sich zu insgesamt 25 «Pastoralräumen» zusammenschliessen. Das bedeutet: Die Seelsorge wird innerhalb eines Pastoralraums von allen Pfarreien gemeinsam verantwortet. Dies ist Teil einer umfassenden Strukturreform des Bistums Basel. Inzwischen ist das Grossprojekt – wenn auch mit einigen Jahren Verspätung – grösstenteils umgesetzt.

Doch in der Stadt Luzern gibt es noch immer einen weissen Fleck auf der Pastoralraum-Landkarte. Es handelt sich um die Pfarreien Littau und Reussbühl. Sämtliche Bestrebungen, die beiden Pfarreien zu einem Pastoralraum zusammenzuschliessen, sind bisher am Widerstand von Reussbühl gescheitert. Denn dort war man der Ansicht, dass es wenig Sinn macht, nur mit Littau zusammenzuarbeiten. Vielmehr wünschte man sich einen einzigen Pastoralraum für die ganze Stadt Luzern.

Ganze Stadt Luzern wird ein einziger Pastoralraum

Dieser Wunsch der Reussbühler wird jetzt erfüllt. Das Bistum Basel hat seine Pläne für einen separaten Pastoralraum Littau-Reussbühl aufgegeben und fordert die beiden Pfarreien jetzt auf, sich dem bestehenden Pastoralraum Stadt Luzern anzuschliessen. Dieser existiert seit 2009 und umfasst das alte Stadtgebiet. Ziel ist, die beiden Pfarreien Littau und Reussbühl per 1. Januar 2022 zu integrieren. Damit wird der Pastoralraum Stadt Luzern neu zehn Pfarreien umfassen.

Wie genau die Zusammenarbeit innerhalb des Pastoralraums organisiert wird, müsse nun zuerst diskutiert werden, sagt Urban Schwegler, Mediensprecher der Kirchgemeinde Luzern. Er betont: «Wir stehen noch ganz am Anfang des Prozesses.»

Nach wie vor unabhängig bleiben hingegen die drei katholischen Kirchgemeinden Luzern, Littau und Reussbühl. Ob die jetzt geplante Zusammenarbeit der Pfarreien der erste Schritt in Richtung einer Fusion der Kirchgemeinden ist, bleibt offen. Für Eligius Emmenegger, Präsident des Kirchenrats Reussbühl, ist klar: Eine Fusion wäre die logische Folge. «Die Stadt Luzern ist eine einzige politische Gemeinde, da wäre eine einzige Kirchgemeinde nur sinnvoll.» Der gemeinsame Pastoralraum sei dabei ein wichtiger Zwischenschritt. Für Emmenegger sprechen vor allem praktische Gründe für eine möglichst enge Zusammenarbeit innerhalb der Stadt: So ist etwa die städtische Volksschule die erste Ansprechpartnerin in Sachen Religionsunterricht –egal, ob der Unterricht nun in Reussbühl oder im Würzenbach stattfindet. Gleiches gilt für die Altersseelsorge (Viva) oder die Jugendarbeit.

Bistum Basel ändert die Meinung

Genau diese Argumente haben letztlich auch das Bistum Basel überzeugt. «Die ersten Pläne für einen Pastoralraum Littau-Reussbühl gab es noch vor der politischen Fusion», erklärt Hanspeter Wasmer, als Bischofsvikar für den Kanton Luzern zuständig. Inzwischen seien Littau und Luzern immer mehr zusammen gewachsen. «Deshalb haben wir die Situation nochmals analysiert und sind zum Schluss gekommen, dass ein gemeinsamer Pastoralraum mehr Sinn machen würde.» Mit rund 45000 Katholiken wird der künftige Pastoralraum Stadt Luzern mit grossem Abstand der grösste im Kanton sein. Dieses Ungleichgewicht war der Grund, weshalb das Bistum Basel lange skeptisch war und bis vor kurzem dafür plädierte, die Stadt Luzern in zwei Pastoralräume aufzuteilen. Doch das Argument der politischen Einheit war letztlich stärker.

Bischofsvikar Wasmer wird den Prozess für die Schaffung des neuen Pastoralraums beratend begleiten. Eine allfällige Fusion der Kirchgemeinden wäre hingegen alleinige Sache von Luzern, Littau und Reussbühl, wie Wasmer betont. Das Konzept der Pastoralräume wird im gesamten Bistum Basel umgesetzt. Der erste Pastoralraum wurde 2009 in der Stadt Luzern errichtet. Kürzlich konnte der jüngste, der Pastoralraum Werthenstein, eröffnet werden. Noch offen sind sechs geplante Pastoralräume, etwa im Entlebuch oder im Seetal.