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LUZERN: Lo & Leduc: Die schöne Seite des Schweizer Pops

Im Rahmen von «Jeder Rappen zählt» gaben Lo & Leduc am Montag im KKL ein starkes Konzert. Die Berner präsentierten Pop, der funktioniert.
Lo & Leduc sorgten im KKL für ausgelassene Stimmung. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. Dezember 2017))

Lo & Leduc sorgten im KKL für ausgelassene Stimmung. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. Dezember 2017))

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Seien wir ehrlich: Lo & Leduc sind in der jüngeren Schweizer Pop-Landschaft eine Ausnahmeerscheinung. Da stimmt so vieles, was andernorts oft grauenhaft schiefgeht. Die Berner funktionieren ab Platte und – mittlerweile wichtiger – live, die vielköpfige Band beherrscht Mitmachspiele und kann trotzdem mal wieder etwas Relevantes glucksen und die Songs fahren gleichermassen in Bein und Herz. Und alles an ihnen ist so schampar ehrlich: Die Freude der Truppe auf der Bühne ist ansteckend, da wird gespielt und experimentiert und gelacht. So auch am Montagabend im KKL.

So spielt es auch gar keine Rolle, dass vieles musikalisch oft an der Oberfläche bleibt. Natürlich: Alles ginge besser, vertrackter, tiefer. Aber da würde wohl viel vom Feuer ausgehen, dass diese Musik ausmacht. Die dunkel-warmen Bläser würzen die sprachverliebten Texte und die Band wird zuweilen zu einem schwer-groovenden Monster. Eines, dass auch von reichlich unnötigen Autotune-Effekten nicht gebodigt werden kann. Eindrücklich-schön waren die beiden Versionen vom «Vampir». Einmal klassisch zum Start und einmal balkan-swiniging zum Ausklang. Alleine das war facettenreicher als das gesamte Repertoire von Trauffer.

Es dauert keine Minute und Lo & Leduc haben das ausverkaufte KKL im Sack. Alle drehen sich auf Kommando, alle gehen in die Knie, es wird bis weit nach hinten im Saal getanzt. «Denkt dran, es ist Montag», sagt Lo. «Wenn ihr immer so seid, ist es wohl gesünder, wenn wir euch gar nie an einem Wochenende sehen», ergänzt Leduc. Und natürlich: Da ist viel Schmeichelei dabei, aber auch das will gelernt sein.

Rasant bis routiniert führen Lo & Leduc durch ihre Songs. Machen Ausflüge in ihre «Update»-Anfänge und kochen am Schluss gemeinsam mit dem Saal ein (noch unveröffentlichtes) «Risotto». Und das ist ein Gericht, dass ganz gut zu den Bernern passt: Nichts wirklich Weltbewegendes, aber gut gekocht halt doch ein Hochgenuss.

Und der Auftritt im KKL hatte viele gute Zutaten. Einmal mehr höchst überzeugend war der Freestyle von Lo. Er musste die Worte «Schneeballschlacht», «Bleistift», «Steigeisen», «Fasnacht» und «Ferien» zu einem halbwegs sinnvollen Text spontan zusammenreimen. Da kann man im Publikum live miterleben, wie es denkt und rappt. Und Lo denkt in horrendem Tempo. Imposant. Auch wenn aus «Schneeballschlacht» im Rap-Gewitter das «Schneeballsystem» wird. Vielleicht zeigt das aber auch auf, dass Lo & Leduc bei allem musikalischen Pop die Relevanz nicht vergessen. «Pluto», im KKL leider ohne den fantastischen James Gruntz gesungen (Sängerin Julia Portmann vertritt ihn aber mehr als würdig) ist einer der cleversten Schweizer-Pop-Songs der letzten Jahre. Die Botschaft, die im Lied steckt ist unüberhörbar aber doch unaufdringlich.

Die Kunst von Lo & Leduc ist, wie das Ganze verpackt wird. Es gibt in den 100 Konzertminuten keine wirkliche Langeweile. Auch in den seichteren Songs, wie dem mittlerweile doch arg todgespielten «Jung verdammt», lässt die Dynamik von Band und Rapper nicht nach. Und im Zugabeblock erhält das Konzert eine Jam-Note. Da groovt und wackelt dann wirklich alles. Das ist Pop, der passiert, weil er passieren muss und nicht, weil er in irgendeinem Studio aufgrund allerlei Berechnungsformeln passend gemacht wurde. Das ist Pop, der ganz einfach funktioniert.

Draussen versinkt die Spendenorgie «Jeder Rappen zählt», in dessen Geist das Konzert vom KKL organisiert wurde, derweil im allgemeinen Glühweinrausch und Allerweltsgedudel. Auch das ist Pop. Irgendwie. Drinnen hat er uns besser gefallen.

Im Rahmen von «Jeder Rappen zählt» gaben Lo & Leduc ein Konzert im KKL. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. Dezember 2017))

Im Rahmen von «Jeder Rappen zählt» gaben Lo & Leduc ein Konzert im KKL. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. Dezember 2017))

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