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LUZERN: Lokale Geschäfte profitieren in der Altstadt von sinkenden Mieten

Nach vier Jahren am Weinmarkt schliesst das Juweliergeschäft Sokolov seine Türen – unter anderem wegen des Onlinehandels. Für kleinere Läden wird die Altstadt hingegen wieder attraktiver.
Die Sokolov-Filiale am Luzerner Weinmarkt. (Bild: Robert Bachmann (26. August 2017, Luzern))

Die Sokolov-Filiale am Luzerner Weinmarkt. (Bild: Robert Bachmann (26. August 2017, Luzern))

Das Juweliergeschäft Sokolov verlässt nach vier Jahren die Stadt Luzern. Grund dafür soll eine zu grosse Mietfläche sein. «Zudem gewinnt der Onlinevertrieb für unser Geschäft zunehmend an Bedeutung», heisst es bei Sokolov Jewelery Schweiz auf Anfrage.

Dass eine Bijouterie die Stadt Luzern verlässt, ist ungewöhnlich. In den vergangenen Jahren wurden neue Läden eröffnet oder bestehende ausgebaut. Die Schliessung von Sokolov sei weder ein Zeichen in die eine noch in die andere Richtung, sagt Marco Fuhrer von der Beratungsfirma Fuhrer & Hotz AG. Diese hat im Jahr 2016 im Auftrag der Stadt Luzern eine Studie verfasst, welche die Entwicklungen im Detailhandel untersuchte. Damals war das Fazit: Luzern ist in einer komfortablen Lage, was den Branchenmix angeht. Die Situation sei auch heute noch unverändert, sagt Fuhrer. Klar würden in der Altstadt Kleider-, Uhren- und Schmuckläden dominieren. «Der Anblick, der sich einem auf dem Schwanenplatz bietet, spiegelt aber keineswegs die wirkliche ­Situation wider.»

Steigende Nachfrage dank Touristen

Die Gegebenheiten auf dem Platz zeigen aber: Der Uhrenmarkt ist ziemlich ausgereizt. Marco Fuhrer kann in dieser Hinsicht Entwarnung geben: «Es ist keine Trendwende des Luzerner ‹Uhren-Phänomens› zu beobachten.» Zunehmende Touristenzahlen und die dadurch steigende Nachfrage würden das grosse Angebot ausgleichen, das in Luzern besteht. Der Markt sei aber dabei, sich für kleinere Geschäfte in positiver Weise zu verändern.

Die Standortattraktivität ist von vielen Kriterien abhängig. Gibt es Parkmöglichkeiten in der Nähe? Wie weit ist der Bahnhof entfernt? Wo ist die nächste Bushaltestelle, und nicht zuletzt welche Geschäfte hat man als Nachbarn? Sämtliche Punkte würden Auswirkungen auf die Kundenströme haben. Und davon seien schliesslich die Mietzinsen abhängig. «Laufen mehr Leute durch die Strassen, so steigen auch die Mietkosten», sagt ­Fuhrer. An Toplagen wie dem Schwanenplatz seien die Preise deshalb nach wie vor sehr hoch. Nur die ganz grossen Player würden sich diesen Standort leisten können. Das werde auch in Zukunft so bleiben, sagt Fuhrer.

Geht man jedoch wenige Meter in die verwinkelten Gassen der Altstadt hinein, so sei die Situation eine andere. «Die Mieten an den sogenannten B-Lagen sinken stetig und könnten dies auch in Zukunft tun», sagt Fuhrer. Dies bestätigt das Juweliergeschäft Les Ambassadeurs, das 2015 am Kapellplatz seinen fünften Standort in der Schweiz eröffnet hat. «Die Mietzinsen haben teilweise ein ungesundes Niveau erreicht, die Preise bewegen sich jedoch langsam wieder gegen unten», sagt CEO Joachim Ziegler. Das Unternehmen habe seinen Standort ganz bewusst ausgesucht, um auch individuell reisende Touristen und lokale Kunden anzusprechen.

Markt passt sich an Folgen des Onlinehandels an

Grund für die sinkenden Mietzinsen ist gemäss Fuhrer das Kaufverhalten der Kunden, das sich vermehrt in Richtung Internet verschiebt. Darauf reagiert der Markt. Für viele kleinere und lokale Geschäfte sei das eine Chance, die sich so schnell nicht mehr bieten würde. «Sie können die Gunst der Stunde nutzen und sich für einen zahlbaren Mietzins an interessanter Lage in der Altstadt etablieren», sagt Fuhrer.

Am Weinmarkt 8 ist das traditionelle Kleidergeschäft Gränicher der Nachfolger des Juweliergeschäfts Sokolov. Seine erste Filiale hat es 1891 ebenfalls am Weinmarkt gegründet. Die Traditionsmarke soll im Dezember an ihren Gründungsort zurückkehren. Sogenannte Local Heroes würden sich in Luzern sehr gut behaupten können, sagt Fuhrer. «Ein Familienunternehmen ist einfach mit mehr Herzblut bei der Sache als grosse Ketten.»

Oliver Schneider

stadt@luzernerzeitung.ch

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