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LUZERN: Luftballons statt Raketen? Gemeinden heizen Debatte an

In einigen Gemeinden sind private Feuerwerke zur Bundesfeier unerwünscht. Das führt zu Trotzreaktionen – und ärgert einen Hersteller.
Gabriela Jordan
«Unerwünscht» oder ein toleriertes «Ventil»: Einzelne Gemeinden empfehlen ihren Bürgern, auf private Feuerwerke zu verzichten (Symbolbild). (Bild: Keystone)

«Unerwünscht» oder ein toleriertes «Ventil»: Einzelne Gemeinden empfehlen ihren Bürgern, auf private Feuerwerke zu verzichten (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Farbenfrohes Lichtspektakel oder nervtötendes Knallkonzert? Wenn es um das Abbrennen von Feuerwerkskörpern geht, dann scheiden sich die Geister – und ebenso die Luzerner Gemeinden, wie unsere Umfrage anlässlich des Nationalfeiertages zeigt. Während einige selbst nach den Streichhölzern greifen und für ihre Bürger eine Bundesfeier inklusive Raketen organisieren, empfehlen andere, ganz auf die Knallkörper zu verzichten. Einen Nationalfeiertag ohne Feuerwerk wünscht sich etwa Udligenswil, wie «20 Minuten» kürzlich berichtete.

Auf ihrer Webseite rät die Gemeinde ihren Einwohnern – wie bereits im Vorjahr –, Feuerwerke durch «andere Aktionen zu ersetzen». Denn: «Nicht alle Menschen und Tiere erfreuen sich an lauten Knalleffekten von Feuerwerken. Sie können sogar Angst und Panik auslösen.» Stattdessen könnten die Udligenswiler Lichterschlangen, Girlanden, Luftballons oder Fahnen aufhängen. Diese würden ebenfalls zu einer schönen Feier beitragen, aber weder Lärm verursachen noch die Umwelt verschmutzen. Wer nicht ganz auf ein Feuerwerk verzichten wolle, soll sich auf Feuerwerksartikel ohne Knalleffekte wie Vulkane oder Sonnen beschränken.

Aufruf zum Ungehorsam

An dieser Empfehlung scheint sich allerdings so mancher zu stören, wie Hunderte Reaktionen auf den Artikel zeigen. Ein Leser ruft beispielsweise dazu auf, in Udligenswil erst recht ein Feuerwerk «in die Luft zu jagen».

Ist das Vorgehen von Udligenswil kontraproduktiv? Gemeindeschreiber Reto Schöpfer findet: Nein. «Wir wollen das Feuerwerk nicht verbieten, sondern lediglich zur Rücksicht mahnen.» Die Gemeinde habe durchwegs positive Rückmeldungen bekommen. Schöpfer betont: «Letztlich kann jeder selbst entscheiden, ob er den 1. August mit oder ohne Raketen feiern will.»

Horw: «Alternativen» zu Feuerwerk

Auch Emmen, Kriens und Horw wollen möglichst wenig private Feuerwerke. Die Gemeinden raten zwar nicht direkt von der Pyrotechnik ab, versuchen ihre Einwohner aber ebenfalls «für das Problem zu sensibilisieren». In Horw ist das Zünden von Feuerwerk laut einem Merkblatt der Gemeinde «grundsätzlich unerwünscht». Für den 1. August und die Neujahrsfeier gelte dies nicht, sagt Gwen Bessire von der Gemeinde. Dennoch will die Gemeinde die Horwer «für Alternativen zum lauten Feuerwerk motivieren». Dazu wird sie dieses Jahr erstmals Plakate aufhängen. Gleich wie in Udligenswil sind diese Alternativen etwa Finnenkerzen oder Zuckerstöcke. Die offizielle Feier wird in Horw ohne Feuerwerk stattfinden.

Kriens hat bereits vor einigen Jahren versucht, das Problem beim Schopf zu packen, und handelte mit lokalen Läden einen Verzicht auf den Verkauf dieser Produkte aus. Das funktionierte laut Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne) aber nicht wirklich. «Die Leute kauften ihr Feuerwerk einfach anderswo, und irgendwann hielten sich die Läden nicht mehr daran.»

Wiget sieht die 1.-August-Feier nunmehr eher als «Ventil»: «Wenn es einmal richtig ‹chlöpft› und es dafür im Rest des Jahres ruhig ist, wäre das der gangbarere Weg.» Die Realität sieht leider nicht selten anders aus, meint Wiget. «Man hat das Gefühl, dass bei jedem runden Geburtstag Raketen in die Luft fliegen müssen.»

Emmen: «Hang zum Übertreiben»

Auch in Emmen hat Christoph Odermatt, Leiter des Departements Sicherheit und Sport, den Eindruck, dass «jedes Jahr mehr in die Luft geht». «Es ist schon so, dass wir einen gewissen Hang zum Übertreiben haben.» Mit entsprechenden Hinweisen auf der Website und auf Facebook will die Gemeinde dagegenhalten.

Hersteller: «Wir sind enttäuscht»

Ob Verbot oder Empfehlung – die Gemeinden stossen damit nicht nur ihren Bürgern vor den Kopf, sondern auch der Bugano AG in Nottwil, welche Feuerwerk herstellt. «Wir sind enttäuscht, denn mit solchen Aktionen wird ein ganzer Wirtschaftszweig bedroht», sagt Inhaber und Geschäftsführer Toni Bussmann – auch mit Blick auf die vielen kleinen Feuerwerk-Verkaufsstände.

Nach dem «sehr grossen Verlust» im letzten Sommer hofft er nun auf ein gutes Geschäft. Grund für den letztjährigen Verlust: Wegen des trockenen Sommers herrschte bis kurz vor der Feier vielerorts ein Feuerwerksverbot.

Hoffnung kann die Bugano AG aus anderen Orten schöpfen, wo man nicht auf die Tradition verzichten will. In Sempach und Ebikon zum Beispiel werden zur Feier des Tages Tausende von Franken in die Luft gejagt. In Ebikon wird das Feuerwerk von der Rotsee-Badi und dem Quartierverein Schachers organisiert. Auch in Hasle und Marbach­egg finanzieren und organisieren Private ein Lichtspektakel. In Sempach ist es die Gemeinde selbst. «Das Feuerwerk am See hat bei uns Tradition», sagt Stadtschreiber Adrian Felber. «Das Fest soll vor allem Freude bereiten, und das wollen wir nicht einschränken.» Vor dem Feuerwerk wird es dort allerdings noch etwas lauter: Es ist Brauch, 23 Kanonenschüsse auf der Seeallee abzufeuern.

Gabriela Jordan

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