LUZERN: Luzerner Agglo expandiert aufs Land

Neu zählt der Bund auch ländliche Gemeinden zur Agglomeration Luzern. Der Kanton sieht dies anders und hält an seiner Definition fest.

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Die Agglomeration Luzern im Überblick. (Bild: Quelle: BFS / Grafik: Janina Noser (Neue LZ))

Die Agglomeration Luzern im Überblick. (Bild: Quelle: BFS / Grafik: Janina Noser (Neue LZ))

Christian Hodel

Woher kommen Sie, von der Stadt, vom Land oder von der Agglomeration? Diese Frage ist seit einigen Tagen nicht mehr so einfach zu beantworten. Gemäss der neuen Agglomerations- und Stadtdefinition des Bundesamts für Statistik (BFS) umfasst die Agglomeration Luzern 18 Luzerner Gemeinden (inklusive der Stadt Luzern) sowie Hergiswil NW. 223 000 Einwohner hatte dieses Gebiet Ende 2013. Neu zur Agglo hinzugekommen sind die sieben Gemeinden Eschenbach, Inwil, Rain, Malters, Schwarzenberg, Hildisrieden und Neuenkirch.

Orientierung nach Zug und Zürich

Während der Bund nun plötzlich die Agglomeration um sieben ländliche Gemeinden erweitert, rechnet er die bisherigen Agglo-Gemeinden Gisikon, Hon­au oder Root nicht mehr ausschliesslich zur Agglo Luzern. Neu bezeichnet er diese Gemeinden sowie Ballwil, Greppen, Weggis und Küssnacht SZ als «mehrfach orientierte Gemeinden», die sich sowohl nach Luzern wie auch nach Zug oder gar Zürich orientieren. Als «mehrfach orientierte Gemeinden» zählen Dörfer, in denen mindestens ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung in mehreren Agglomerationszentren arbeitet.

Heutzutage seien die einzelnen Gemeinden eng miteinander verbunden, sagt Kurt Sidler. Er ist Geschäftsführer des Regionalen Entwicklungsträgers Luzern Plus, dem die umliegenden Gemeinden der Stadt Luzern angehören, unter anderem auch die ausserkantonalen Gemeinden Küssnacht und Hergiswil. Für Sidler ist klar: «Die Wirtschaft macht nicht vor Kantonsgrenzen Halt. Dies wussten wir schon, bevor es die neue Definition des Bundes gab.» Für den Verband bewirke die neue Einteilung der Gemeinden keine Veränderungen.

Die BFS-Definition, was Stadt und was Agglomeration ist, geht auf eine neue Messmethode zurück. Der Bund nimmt bei seiner Definition des Agglomerationsgürtels nicht mehr auf strukturelle Aspekte Rücksicht etwa die Lage einer Gemeinde –, sondern stützt sich im Wesentlichen auf die Pendlerströme. Die neue Definition ist laut BFS präziser. Sie stösst aber auch auf Kritik. Die Begriffe würden die «Verständlichkeit» erschweren, hält der Schweizerische Städteverband in einer Medienmitteilung fest.

Definition ist noch unverbindlich

Doch was bedeutet die neue Agglomerations- und Stadtdefinition für den Kanton Luzern? Muss nun der kantonale Richtplan mit den neuen Begriffen versehen werden? Bekommen die grossen Infrastrukturprojekte wie der Bypass und die Spange Nord mit einer erweiterten Agglomeration frischen Aufwind? «Im Moment ändert sich gar nichts», sagt Sven-Erik Zeidler, Leiter der Dienststelle Raum und Wirtschaft des Kantons Luzern. Die neuen Begriffe seien rechtlich unverbindlich und würden vorerst nicht im kantonalen Richtplan verwendet. «Auch auf die aktuellen Agglomerationsprogramme hat die BFS-Definition keine Auswirkungen», sagt Zeidler. Dies habe der Bund so bestätigt. Will heissen: Die Projekte des Agglomerationsprogrammes der dritten Generation mit einem Umsetzungshorizont bis ins Jahr 2022 werden laut Zeidler nicht betroffen sein. Und alle Projekte aus dem Agglomerationsprogramm der zweiten Generation, etwa die Spange Nord oder der Bypass, wurden vom Bund bereits nach dem «bisherigen Agglomerationsperimeter beurteilt». Doch was passiert nach 2022? «Dass der Bund für die weiteren Agglomerationsprogramme die neue Definition einfliessen lässt, ist möglich», sagt Zeidler. Dies bestimme aber nicht das BFS, sondern das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE). Dessen Mediensprecher, Philippe Bovet, teilt auf Anfrage mit: «Für die dritte Generation der Agglomerationsprogramme» werde die alte Definition des BFS beibehalten. Was danach passiere, werde jetzt angeschaut.

Das sind die Chancen

Es ist also möglich, dass der Bund künftig für die Agglomerationsprogramme die neue Definition anwendet. Welche Auswirkungen dies für Luzern haben könnte, kann Zeidler zum heutigen Zeitpunkt nicht sagen. Klar ist: Gemäss der BFS-Definition gehören etwa Malters, Hildisrieden, Rain oder Neuenkirch neu zu einer Gürtelgemeinde von Luzern und somit zur Agglo. «Würden diese Richtlinien einst verbindlich gelten, hätten diese Gemeinden etwa das Recht, für die Agglomerationsprogramme Projekte einzureichen», sagt Zeidler. Doch dies ist im Moment noch in weiter Ferne. Die neue Definition des BFS sei eine «rein statistische Rechengrösse und hat politisch keine Bedeutung», sagt Ludwig Peyer, Geschäftsführer des Verbandes der Luzerner Gemeinden (VLG). Es gebe im Kanton Luzern keine rechtliche Definition, was Agglomeration und was Landschaft sei. «Die neue Definition des Bundes zeigt aber einmal mehr, wie wichtig in unserem Land heutzutage die Städte und die Agglomerationen sind.»