LUZERN: Luzerner Fall von Frauenhandel

Eine 45-jährige Ungarin ist gestern vor dem Kriminalgericht gestanden. Sie soll zwei junge Frauen zur Prostitution gezwungen haben.

Lena Berger
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45-Jährige ist wegen Frauenhandels vor Gericht. (Symbolbild / Neue LZ)

45-Jährige ist wegen Frauenhandels vor Gericht. (Symbolbild / Neue LZ)

Der Beschuldigten wird vorgeworfen, die zum Zeitpunkt der Einreise noch Minderjährigen in ihrem Etablissment in Luzern aufgenommen zu haben – obwohl sie wusste, dass eine von ihnen unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Schweiz gelockt worden war. Weiter soll sie als Puffmutter die beiden Frauen ständig kontrolliert und ihnen bis ins Detail vorgeschrieben haben, wie und zu welchem Preis, sie sich zu prostituieren hätten. Die Einnahmen – zusammen rund 8000 Franken monatlich – habe sie ihnen abgenommen. Die Hälfte sei in ihr Portemonnaie gewandert, die andere Hälfte sei an die Zuhälter gegangen. Den Frauen habe sie lediglich ein Taggeld von 15 und 20 Franken bezahlt.

Einer der Frauen war vor der Einreise ein Job als Küchenhilfe versprochen worden. In Wahrheit landete sie in dem Bordell, das von der Beschuldigten geführt wurde. 2010 gelang den beiden Frauen die Flucht.

Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, sowie eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Franken. Die Hälfte davon soll sie absitzen, der Rest sei bedingt auszusprechen. Die Verteidigerin widersprach der Darstellung der Staatsanwaltschaft. Die Beschuldigte habe selber als Prostituierte gearbeitet und die Räume an Berufskolleginnen vermietet. Das sei nicht strafbar. Die Frauen seien in ihrer Angst vor den Zuhältern gefangen gewesen. Das sei aber nicht der Beschuldigten anzulasten. Sie habe sich selber vor den Zuhältern gefürchtet. Eingeräumt wird, dass eines der Mädchen unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Schweiz gelockt wurde – und die Beschuldigte davon wusste. Die Verteidigung beantragt daher wegen Menschenhandels in einem Fall eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr und die erwähnte Geldstrafe. Das Urteil steht noch aus.