LUZERN: Luzerner «Kinderparadies» im Kreuzfeuer

Gegen Heidi Rothens Kinderparadies Altstadt werden Vorwürfe laut. Sie verteidigt sich, nimmt aber auch Anpassungen vor.

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Pausenlos klingelte am Donnerstag das Telefon in der Kinderbetreuungsstätte Kinderparadies Altstadt. Eltern, die ihre Kinder hier in Betreuung geben, wollten die als «Stadtmutter» bekannte Heidi Rothen sprechen. Sie führt die Einrichtung. Grund für die Anrufe ist ein Beitrag in der Sendung «Rundschau» von SF 1 am Mittwoch. Eine ehemalige Mitarbeiterin des Kinderparadieses zieht mit happigen Vorwürfen gegen die Institution ins Feld. Das Essen werde zu lange aufbewahrt, das Personal sei ungenügend ausgebildet und schlecht bezahlt – die Betreuung der Kinder sei folglich mangelhaft.

Löhne werden erhöht
Mit der Kritik konfrontiert, zeigt sich Rothen enttäuscht: «Die betroffene Mitarbeiterin hat im Kinderparadies sehr viel Unterstützung während einer schwierigen Lebensphase erhalten. Ich kann mir die Vorwürfe nicht erklären, und es tut mir sehr weh.» Trotzdem hat sie sich Gedanken gemacht, welche der Anschuldigungen allenfalls zutreffen. Grundsätzlich betont sie aber: «Die Kinder werden hier optimal versorgt.»

Das Essen etwa sei gut. «Es wird von einem Hotel geliefert. In unserer Küche ist kein Platz, Essen länger zu lagern», sagt Rothen, während sie demonstrativ den kleinen Kühlschrank öffnet.

Rothen sagt, dass Kinder nie mit ungelernten Betreuerinnen alleine seien. Einige der Praktikantinnen hätten den Kurs von IG Spielgruppen Schweiz zur Spielgruppenleiterin absolviert. Ab 9 Uhr, wenn vermehrt Kinder eintreffen, sei immer eine von ihnen oder eine ausgebildete Leiterin anwesend.

Bezüglich der Löhne nimmt sie aber Anpassungen vor. Sie will den Praktikantinnen künftig über 200 Franken mehr Lohn pro Monat bezahlen. Ihr sei zu wenig bewusst gewesen, dass Angestellte mit dem Lohn nicht zufrieden gewesen seien. Aber sie gibt auch zu, dass ihre günstigen Tarife nur so möglich seien. Preiserhöhungen wird es indes keine geben.

Ein weiteres Problem des Kinderparadieses betrifft die Betreuungszeiten. Die Institution ist keine Kindertagesstätte, sondern ein Hütedienst. Dies bedeutet, dass Kinder nur sporadisch und maximal einen halben Tag betreut werden dürfen. Im Kinderparadies wurden diese Auflagen in der Vergangenheit nicht immer eingehalten. Heidi Rothen gibt an dieser Stelle Fehler zu: «Ich weiss, dass wir Kinder länger betreut haben. Jedoch wollte ich keine Eltern abweisen, die nicht wussten, wo sie ihre Kinder sonst hinbringen könnten.» Diese Praxis werde aber ab sofort geändert.

Olivia Steiner

Den ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden Sie am 1. Oktober in der «Neuen Luzerner Zeitung».