LUZERN: Luzerner Museumsnacht bangt um Oldtimer-Attraktion

Der Gratis-Oldtimer-Shuttle-Betrieb ist an der Museumsnacht der Publikumsrenner. Doch nach dem Stauchaos im letzten Jahr fehlen nun noch 20 Fahrzeuge.

Roger Rüegger
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Die Oldtimer-Gratisfahrten an der Luzerner Museumsnacht, im Bild ein Ford T mit Jahrgang 1915, sind beliebt. (Archivbild Philipp Schmidli)

Die Oldtimer-Gratisfahrten an der Luzerner Museumsnacht, im Bild ein Ford T mit Jahrgang 1915, sind beliebt. (Archivbild Philipp Schmidli)

In stolzen Oldtimern durch Luzern gondeln – dieser Gratisservice ist bei den Besuchern der Luzerner Museumsnacht beliebt, jeweils viele Besucher nutzen das Angebot. Wann ergibt sich schon Gelegenheit, in einem Thunderbird, einem Cadillac oder einem Rolls-Royce von einem Museum zum anderen chauffiert zu werden? Klar, dass bei rund 4000 Besuchern eine stattliche Fahrzeugflotte zur Verfügung stehen muss.

Und hier liegt das Problem: Etliche Oldtimer-Besitzer meiden seit dem letzten Jahr die Veranstaltung, wie Ruedi Müller, seit 2008 Oldtimer-Verantwortlicher der Museumsnacht, sagt. «Es ist zum Haareraufen. Weil vor einem Jahr eine Katastrophenübung durchgeführt wurde, bei der es zum Verkehrschaos kam, fehlen uns nun am Freitag rund 20 Fahrzeuge.»

Stau schadet den Fahrzeugen

Das Problem ist, dass Oldtimer Stau nicht ertragen. «Die Motoren überhitzen, es gibt Probleme mit den Kupplungen, und den Maschinen mit 6-Volt-Elektrik geht der Saft aus», erklärt Müller, der selber Oldtimer besitzt und die Schwierigkeiten nur zu genau kennt. Mit den Auswirkungen der letztjährigen Katas-trophenübung im Sonnenbergtunnel hat er nun zu kämpfen. «Der Ruf der Museumsnacht und auch der Stadt Luzern hat bei einigen Oldtimer-Besitzern gelitten. Auf persönliche Anfragen haben etliche geantwortet, dass sie ihre Freizeit nicht opferten, um im Stau zu stehen.»

So muss Müller Überzeugungsarbeit leisten, um den Fahrern klarzumachen, dass heuer keine Überraschungen zu erwarten sind – mit mässigem Erfolg. Ziel sind 100 Oldtimer. Doch bis dato haben sich erst 79 Fahrzeughalter angemeldet. Das sind zwar nicht wenige, doch angesichts der Besucherzahl ist Müllers Ziel nachvollziehbar.

Julia Furrer, Projektleiterin der Luzerner Museumsnacht: «In den Vorjahren wurden jeweils 4000 Museumspässe verkauft. Man geht davon aus, dass jeder Besucher an diesem Abend zwei bis drei Museen besucht.» Dass sie in den sechs Stunden dauernden Museumsnacht nicht auf Wartezeiten eingestellt seien, liege auf der Hand. Doch viele würden sich in der Innenstadt bewegen und seien nicht auf den Shuttle angewiesen. Die Kapazität der Sitzplätze sei zudem dank einiger alter Feuerwehrautos, die organisiert werden konnten, gleich hoch wie im letzten Jahr.

Busspur als Alternative?

Dass Oldtimer-Besitzer zögern, hat zudem damit zu tun: Auch ohne Katastrophenübung fliesst der Verkehr vom Verkehrshaus in die Stadt am frühen Abend oft zäh. Müller würde seinen Oldtimer-Kollegen gerne die Busspuren anbieten. Ein Gesuch hat er aber nicht eingereicht. Andreas Heller, Abteilungsleiter Verkehrstechnik bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, sagt: «Weil kein Gesuch eingegangen ist, haben wir uns nicht damit befasst. Doch Busspuren sind für den ÖV ausgelegt. Wenn eine Ausnahmebewilligung erteilt würde, müsste diese einen Sicherheitsgewinn bieten. Das ist bei den Oldtimern bestimmt nicht der Fall.»

Christian Bertschi, Mediensprecher der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL), sagt auf Anfrage: «Busspuren wurden erstellt, um den öffentlichen Verkehr zu beschleunigen. Deshalb haben wir keine Freude daran, wenn der Zweck der Busspuren umgestaltet wird.» Die VBL lehnten deshalb eine Benützung durch Reisecars oder Extrafahrten wie die der Oldtimer an der Museumsnacht ab. «Würden wir die Benützung durch einen Veranstalter unterstützen, so würde dies ein Präjudiz schaffen auch für Begehren von anderen Veranstaltern.»