LUZERN: Luzerner Pfarreien rennt die Zeit davon

Nur 8 von 25 Pfarrei-Regionen sind in Betrieb. Bis im Sommer 2016 muss die neue Organisation stehen – für viele Pfarreien ein unrealistisches Ziel.

Christian Hodel
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Pastoralräume im Kanton Luzern. (Bild: Grafik: Oliver Marx)

Pastoralräume im Kanton Luzern. (Bild: Grafik: Oliver Marx)

Christian Hodel

Die Einführung der Pastoralräume geht im Kanton Luzern nur schleppend voran. Derzeit sind nur deren 8 von rund 25 errichtet – weitere 4 sind in Planung (siehe Grafik). Wann die weiteren Pastoralräume entstehen sollen, sei «noch nicht abzusehen», sagt Bischofsvikar Ruedi Heim im «Luzerner Kirchenschiff», dem Informationsmagazin der katholischen Kirche im Kanton Luzern.

Bistum korrigiert Zahlen nach unten

Doch die Zeit drängt. Bis Sommer 2016 sollen sich alle 100 Pfarreien im Kanton Luzern zu rund 25 Pastoralräumen zusammenschliessen. «Bischof Felix hält an diesem Termin fest», sagt Fabian Berz, Personalverantwortlicher des Bistums Basel, auf Anfrage.

Mit den Pastoralräumen soll das Personal effizienter eingesetzt werden. Sie sind Teil des pastoralen Entwicklungsplans des Bistums Basel, der 2006 entwickelt wurde. Bereits im Frühling 2014 hat Bischof Felix Gmür den Zeitraum für die Errichtung der Pastoralräume verlängert.

Ursprünglich hätten die Pfarreien bereits Ende 2014 mit der neuen Organisationsstruktur arbeiten sollen. Geplant waren damals 26 Pastoralräume im Kanton Luzern und deren 111 im gesamten Bistum. Doch diese Zahlen wurden nun korrigiert. «Es hat sich gezeigt, dass einige Pastoralräume zu klein angedacht worden sind», sagt Berz. Derzeit sei in den zehn Bistumskantonen die Errichtung von 103 Pastoralräumen vorgesehen – deren 32 bestehen bereits, 17 sind in der Projektphase.

Definitive Zuteilung wird abgeklärt

Im Kanton Luzern gehe das Bistum zurzeit von 25 Pastoralräumen aus, sagt Berz. «Es geht dabei nicht darum, aus zwei bisher geplanten Räumen einen zu machen. Vielmehr muss die Zuteilung einzelner Pfarreien noch einmal diskutiert werden», so Berz.

Neue Einteilungen werden derzeit im Raum Willisau diskutiert. Der ursprünglich angedachte Pastoralraum mit sechs Pfarreien (Willisau, Menznau, Menzberg, Hergiswil, Gettnau, Geiss) soll um drei erweitert werden (Werthenstein, Wolhusen, Ruswil). «Jetzt müssen alle involvierten Pfarreien die Ausgangslage neu beurteilen», sagt Evelyne Huber, Kirchenratspräsidentin in Willisau.

Der Vorschlag für die Erweiterung sei vom Bistum gekommen. Dies, weil man im Pastoralraum Willisau das Modell des Typs A einführen möchte (siehe Kasten). Bei diesem Modell wären vier Personen für die Leitung der Pfarreien vorgesehen, sagt Huber. «Aufgrund der knappen personellen Ressourcen können wir dieses Modell nur einführen, wenn wir unseren Raum vergrössern.» Denkbar könnte auch sein, dass man den Pastoralraum in Richtung Hinterland erweitere. «Das steht aber noch in den Sternen.»

Niemand will Führung übernehmen

Nur wenig weiter ist man in den Pfarreien rund um Sursee. Dieser Pastoralraum soll in drei Einheiten aufgeteilt werden (Knutwil und Geuensee; Oberkirch und Nottwil; Sursee) mit je einem Leitungsteam und einem Gesamtleiter. Das Problem: Bis dato fehlt ein solcher. «Die Vorarbeiten sind angedacht. Was wir jetzt brauchen, ist eine Person, die die Leitung übernimmt», sagt Thomas Arnet, Kirchenratspräsident der Pfarrei Knutwil/St. Erhard.

Erst danach könne man weitermachen. «Der Projektleiter und designierte Leiter des Pastoralraums muss durch die Leitung der Pfarreien zuhanden des Bischofsvikars vorgeschlagen werden», sagt Arnet. Die Kirchenräte wiederum müssen diesem Vorschlag zugestimmt haben. «Wir als Kirchgemeinde sind nicht befugt, einen Leiter einzusetzen.» Klar ist: Die derzeitigen Pfarrer der fünf involvierten Gemeinden wollen die Leitung im Moment nicht übernehmen. «Einige stehen kurz vor der Pension und wollen die Aufgabe nicht mehr annehmen», so Arnet. In Sursee wiederum seien der Gemeindeleiter und der Priester erst seit Sommer 2014 im Amt und möchten sich zuerst in ihren neuen Kirchgemeinde einarbeiten. «Und unser Pfarrer in Knutwil kommt aus Indien. Wie lange er bei uns wirken kann, ist darum ungewiss.»

Eine Frage des Personals

Dass viele Pastoralräume noch nicht bestehen, habe unterschiedliche Gründe, sagt Berz. Einerseits sei in gewissen Orten noch keine «geeignete Person für die Projektleitung» gefunden worden. Andererseits wollen die Mitarbeiter in leitenden Funktionen nicht versetzt werden. Berz: «Obwohl diese Personen in anderen Pastoralräumen dringend benötigt würden, wollen sie die Stelle nicht wechseln.» Ebenso seien in einigen vorgesehenen Pastoralräumen die Grenzen noch nicht klar fixiert, oder das Führungsmodell stehe noch nicht fest.

Doch was passiert mit jenen Pfarreien, die bis im Sommer 2016 das Ziel nicht erreichen? «Das kann ich nicht verallgemeinert beantworten, da die Ursachen für die Verzögerungen sehr verschieden sind.» Der Bischof habe aber Vertrauen in seine Mitarbeiter, dass «diese sein Anliegen aufnehmen und konstruktiv an der Errichtung der Pastoralräume mitarbeiten». Ob dies klappen wird, ist allerdings fraglich. Für Thomas Arnet aus Knutwil ist klar: «Dass es bei uns bis im Sommer 2016 einen Pastoralraum gibt, ist eher unwahrscheinlich.»

Zwei Modelle sind vorgesehen

Das Bistum Basel sieht bei den Pastoralräumen zwei Modelle vor und wie diese geleitet werden sollen. Beim Typ A – so wird es etwa im Pastoralraum Luzern Stadt gehandhabt – leitet eine Person den Pastoralraum. Mindestens drei weitere Personen sind für die Führung der Pfarreien zuständig. «Die Seelsorgeteams der meist grossen Pfarreien werden weiterhin durch eine eigene Leitung geführt», sagt Fabian Berz, Personalverantwortlicher des Bistums Basel. Die Leitung des Pastoralraumes wiederum hat die Aufgabe, für die Zusammenarbeit innerhalb des Pastoralraumes zu sorgen.
Beim Führungsmodell B geht die Leitung des Pastoralraumes einher mit der Leitung aller Pfarreien – so wird es etwa im Pastoralraum Malters/Schwarzenberg oder Mittleres Entlebuch gemacht.