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LUZERN: Luzerner SP fliegt nach 56 Jahren aus der Regierung

Schwarzer Sonntag für die Sozialdemokraten im Kanton Luzern. Die Partei verliert nach 56 Jahren ihren Sitz in der Kantonsregierung. Die Luzernerinnen und Luzerner haben den parteilosen Marcel Schwerzmann bestätigt und SVP-Kandidat Paul Winiker gewählt. SP-Kandidatin Felicitas Zopfi ging leer aus.
Die neue Luzerner Regierung (von links): Robert Küng (FDP, bisher), Marcel Schwerzmann (parteilos, bisher), Reto Wyss (CVP, bisher), Guido Graf (CVP, bisher) und Paul Winiker (SVP, neu). (Bild: bac)

Die neue Luzerner Regierung (von links): Robert Küng (FDP, bisher), Marcel Schwerzmann (parteilos, bisher), Reto Wyss (CVP, bisher), Guido Graf (CVP, bisher) und Paul Winiker (SVP, neu). (Bild: bac)

Die zwei freien Sitze in der fünfköpfigen Luzerner Kantonsregierung wurden am Sonntag bei einer rekordtiefen Wahlbeteiligung von 37,2 Prozent vergeben. Das beste Resultat erzielte der bisherige parteilose Regierungsrat Marcel Schwerzmann mit 65'708 Stimmen. Er kann somit seine dritte Amtszeit in Angriff nehmen. Ebenfalls gewählt wurde SVP-Kandidat Paul Winiker mit 54'500 Stimmen. SP-Kandidatin Felicitas Zopfi blieb mit 37'154 Stimmen deutlich abgeschlagen zurück.

Der SP ist es somit nicht gelungen, ihre abtretende Regierungsrätin Yvonne Schärli durch Felicitas Zopfi zu ersetzen. Selbst in der Stadt Luzern liegt Zopfi nur an zweiter Stelle, hinter Marcel Schwerzmann.

Nach 28 Jahren keine Frau mehr

Die Sozialdemokraten stellen erstmals nach 56 Jahren keine Vertretung mehr in der Luzerner Exekutive. Zudem gehört dem Gremium erstmals nach 28 Jahren in der nächsten Amtsperiode keine Frau mehr an. Luzern ist nach dem Tessin der zweite Kanton neu ohne weibliche Regierungsmitglieder.

Mit dem 59-jährigen Paul Winiker kehrt die SVP nach achtjähriger Abwesenheit in die Regierung zurück. Er ist Gemeindepräsident und Finanzdirektor von Kriens und sitzt seit 2007 im Luzerner Kantonsparlament, wo er Mitglied der Finanz- und Planungskommission ist. Die SVP verlor vor 8 Jahren ihren Sitz an den heutigen Finanzdirektor Marcel Schwerzmann.

Der wiedergewählte 50-jährige Schwerzmann war 2007 als erster Parteiloser in die Exekutive gewählt worden. Er ersetzte damals SVP-Regierungsrat und Finanzdirektor Daniel Bühlmann, der seine Wiederwahl nicht geschafft hatte.

Im ersten Wahlgang waren die drei bisherigen Regierungsräte Guido Graf und Reto Wyss (CVP) und Robert Küng (FDP) gewählt worden. Mit dem Einzug der SVP und dem Ausscheiden der SP ändert die parteipolitische Zusammensetzung der Luzerner Regierung nach 2007 erneut. Sie setzt sich neu wie folgt zusammen: 2 CVP, 1 FDP, 1 SVP und 1 Parteiloser.

Die neue Luzerner Regierung (von links): Robert Küng (FDP), Marcel Schwerzmann (parteilos), Reto Wyss, Guido Graf (beide CVP) und Paul Winiker (SVP). (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Die neue Luzerner Regierung (von links): Robert Küng (FDP), Marcel Schwerzmann (parteilos), Reto Wyss, Guido Graf (beide CVP) und Paul Winiker (SVP). (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Daumen hoch bei Paul Winiker mit Ehefrau nach seinem Sieg. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Daumen hoch bei Paul Winiker mit Ehefrau nach seinem Sieg. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
FDP-Präsident Peter Schilliger gratuliert Marcel Schwerzmann zu seiner Wahl. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)FDP-Präsident Peter Schilliger gratuliert Marcel Schwerzmann zu seiner Wahl. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Beide wurden am Sonntag gewählt: Der bisherige Marcel Schwerzmann und der neugewählte Paul Winiker. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Beide wurden am Sonntag gewählt: Der bisherige Marcel Schwerzmann und der neugewählte Paul Winiker. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Der wiedergewählte Marcel Schwerzmann sagt: «Das ist eine Bestätigung für meine Arbeit». (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Der wiedergewählte Marcel Schwerzmann sagt: «Das ist eine Bestätigung für meine Arbeit». (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Paul Winiker (SVP, 59) und der parteilose Finanzdirektor Marcel Schwerzmann (50) komplettieren die Luzerner Regierung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Paul Winiker (SVP, 59) und der parteilose Finanzdirektor Marcel Schwerzmann (50) komplettieren die Luzerner Regierung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Der neu gewählte SVP-Regierungsrat Paul Winiker (rechts) dürfte Justiz- und Sicherheitsdirektor werden, Regierungspräsident Reto Wyss (CVP) möchte Bildungsdirektor bleiben. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Der neu gewählte SVP-Regierungsrat Paul Winiker (rechts) dürfte Justiz- und Sicherheitsdirektor werden, Regierungspräsident Reto Wyss (CVP) möchte Bildungsdirektor bleiben. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Grosse Enttäuschung bei Felicitas Zopfi. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Grosse Enttäuschung bei Felicitas Zopfi. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Guido Graf und Paul Winiker freuen sich. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Guido Graf und Paul Winiker freuen sich. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Paul Winiker sagt: «Ich bin jetzt in der Verantwortung». (Bild: Keystone)Paul Winiker sagt: «Ich bin jetzt in der Verantwortung». (Bild: Keystone)
Felicitas Zopfi (mitte) mit ihrem Mann Stefan und der zurücktretenden Yvonne Schärli. (Bild: Keystone)Felicitas Zopfi (mitte) mit ihrem Mann Stefan und der zurücktretenden Yvonne Schärli. (Bild: Keystone)
Die gescheiterte Luzerner Regierungsratskandidatin Felicitas Zopfi (mitte) ist enttäuscht darüber, dass die SP ihren Sitz in der Exekutive verloren hat. Es wäre im Sinne der Demokratie, dass auch Minderheiten eingebunden seien, sagte sie, rechts Regierungsrätin Yvonne Schärli. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)Die gescheiterte Luzerner Regierungsratskandidatin Felicitas Zopfi (mitte) ist enttäuscht darüber, dass die SP ihren Sitz in der Exekutive verloren hat. Es wäre im Sinne der Demokratie, dass auch Minderheiten eingebunden seien, sagte sie, rechts Regierungsrätin Yvonne Schärli. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Felicitas Zopfi erklärt ihre Niederlage den Journalisten: «Ich glaube nicht, dass die SP ihre Wählerschaft nicht hat mobilisieren können». (Bild: Kanton Luzern)Felicitas Zopfi erklärt ihre Niederlage den Journalisten: «Ich glaube nicht, dass die SP ihre Wählerschaft nicht hat mobilisieren können». (Bild: Kanton Luzern)
Die SVP des Kantons Luzern wolle mit Regierungsrat Paul Winiker «Brücken bauen zu den Mitteparteien», sagt Parteipräsident Franz Grüter. (Bild: Kanton Luzern)Die SVP des Kantons Luzern wolle mit Regierungsrat Paul Winiker «Brücken bauen zu den Mitteparteien», sagt Parteipräsident Franz Grüter. (Bild: Kanton Luzern)
Endresultat des 2. Wahlgangs vom 10. Mai 2015. (Bild: rem)Endresultat des 2. Wahlgangs vom 10. Mai 2015. (Bild: rem)
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Regierungsratswahlen: Zweiter Wahlgang

Rekordtiefe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung im Kanton Luzern war so tief wie noch nie: Nur noch gerade 37,2 Prozent der Berechtigten gingen beim zweiten Wahlgang wählen. Beim ersten Wahlgang am 29. März hatte die Stimmbeteiligung noch 37,6 Prozent betragen.

Die Beteiligung in Triengen war am Sonntag mit 56,8 Prozent am höchsten, gefolgt von Meggen mit 47,3 Prozent und Hildisrieden mit 46,6 Prozent. In der Stadt Luzern beteiligten sich 37,7 Prozent der Berechtigten an der Wahl. Am tiefsten war die Beteiligung in Wikon mit 21,4 Prozent, gefolgt von Roggliswil mit 23,0 Prozent und Meierkappel mit 24,4 Prozent.

Reaktionen: Das sagen die Kandidaten

Paul Winiker (SVP) sagte gegenüber unserer Zeitung: «Ich bin überrascht, wie deutlich es wurde. Klar ist: Die Wähler wollen eine bürgerliche Politik.» Gleichzeitig sei ihm mit dem Einzug in die Regierung bewusst, dass er und die SVP nun Verantwortung tragen würden. Er sei «sehr bewegt» nach dem deutlichen Resultat, sagte Winiker. Vor dem ersten Wahlgang habe er noch als chancenlos gegolten, nach dem zweiten Wahlgang sei er plötzlich Favorit gewesen. Angesichts der offenen Ausgangslage habe er gekämpft bis zum Schluss.

Die SVP sei nun als zweitstärkste Partei endlich wieder in der Regierung vertreten, sagte Winiker. Damit stehe sie aber auch in der Verantwortung.

Er und der ebenfalls wiedergewählte Finanzdirektor Marcel Schwerzmann hätten sich im Wahlkampf für eine Vorwärtsstrategie ausgesprochen. Die SP habe mit ihrer unterlegenen Kandidatin Felicitas Zopfi eine Gegenposition vertreten und wolle die Firmensteuern wieder erhöhen. Das sei in wirtschaftlich schwierigen Zeiten «völlig falsch», sagte Winiker.

Marcel Schwerzmann (parteilos) sagte gegenüber unserer Zeitung: «Ich bin sehr glücklich. Das Resultat ist ein Zeichen dafür, dass meine Arbeit der letzten 8 Jahre geschätzt wird.» Sein Spitzenresultat sei nicht zu erwarten gewesen, sagte er.

Die Wiederwahl sei eine Bestätigung für seine Arbeit, sagte Schwerzmann. Sein Vorteil sei es gewesen, dass der Wähler bei einem Bisherigen wisse, was vom Kandidaten zu erwarten sei.

Zum Ausscheiden der SP und damit der Linken aus der Luzerner Regierung sagte Schwerzmann, das Stimmvolk habe sich für eine Vorwärtsstrategie und dem Festhalten an der bisherigen Steuerpolitik entschieden. Gleichzeitig betonte er, die Regierung wisse, wie das Parlament zusammengesetzt sei und müsse darauf Rücksicht nehmen.

Die gescheiterte Felicitas Zopfi (SP) ist enttäuscht darüber, dass ihre Partei ihren Sitz in der Exekutive verloren hat. Es wäre im Sinne der Demokratie, dass auch Minderheiten eingebunden seien, sagte sie auf Anfrage.

Nun seien die rund 20 Prozent linke Wählerinnen und Wähler in der Regierung nicht mehr vertreten, sagte Zopfi. Der Schulterschluss von FDP, SVP und der Wirtschaft, mit dem Ziel, die SP aus der Regierung zu werfen, habe funktioniert. Man wolle keine andere Meinung als den bürgerlichen Mainstream mehr in der Regierung haben.

Zopfi glaubt nicht, dass die SP ihre Wählerschaft nicht habe mobilisieren können. Die Partei sei bei Regierungsratswahlen aber stets auch auf die Unterstützung von Dritten angewiesen gewesen.

Zopfi hatte am 29. März die Wiederwahl in den Kantonsrat geschafft. Über ihre politische Zukunft hat sie noch nicht entscheiden.

bac/rem/avd

Mehr zu den Wahlen am 11. Mai in der Neuen LZ.

Endresultat des 2. Wahlgang der Luzerner Regierungsratswahlen. (Bild: Quelle: Kanton Luzern, Grafik: rem)

Endresultat des 2. Wahlgang der Luzerner Regierungsratswahlen. (Bild: Quelle: Kanton Luzern, Grafik: rem)

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