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LUZERN: Luzerns verlassene Gärten

Frische Tomaten, feine Kräuter, glänzende Kürbisse und bunte Blumen – es gab eine Zeit, da waren die Familiengärten im Friedental ein kleines Paradies. Dutzende von Holzhäusern verteilten sich auf dem grünen Areal. Im Sommer sassen die Leute beisammen, Kinder spielten zwischen den Hecken, der Duft von Grilladen lag in der Luft.
Lena Berger
Nur noch wenig erinnert an die Sommerfeste, die in den Gärten gefeiert wurden. (Bild: Corinne Glanzmann)

Nur noch wenig erinnert an die Sommerfeste, die in den Gärten gefeiert wurden. (Bild: Corinne Glanzmann)

Diese Zeiten sind vorbei. Die 130 Häuschen sind vollkommen ausgeräumt. Selbst gebaute Cheminées liegen zertrümmert auf dem Boden. Fensterscheiben sind zerbrochen. Die Türen stehen offen und geben den Blick auf eine Leere frei, die schon fast gespenstisch ist. Die Menschen, die hier jahrzehntelang die Gärten hegten und pflegten, haben nur wenige Spuren hinterlassen. Da eine Kachel, auf der ein Früchtekorb abgebildet ist. Dort ein liebevoll geschnitztes Schild, das zeigt, dass eines der Häuser «Rüfeli» getauft wurde. Die Natur hat sich die mühsam angelegten Beetli längst zurückerobert. Die Atmosphäre der Zerstörung erinnert an ein Kriegsgebiet. Der Ort passt nicht ins Bild. Die verlassenen Gärten stören die Postkartenidylle, wenn man mit dem Zug in Luzern einfährt. Ob das die Slums seien, soll ein amerikanischer Tourist einen Einheimischen beim Vorbeifahren kürzlich gefragt haben. Erwartet hatte er eine heile Welt, als er in Zürich aus dem Flugzeug stieg. Der Blick aufs Friedental gab ihm zu denken. Ob sich die Anekdote wirklich so zugetragen hat, weiss man nicht. Trotzdem macht sie in der Stadt die Runde.

Geräumt wird das Gebiet, weil die Gärtner von der Vergangenheit eingeholt wurden. Jahrzehntelang wurde am Stadtrand vergraben, was an Dreck anfiel. Knochen, Flaschen, Ziegel, Bauschutt, Schlacke – bis in die 1940er-Jahre türmte sich hier der Abfall. Die Schadstoffe haben sich durch die Erde gefressen und den Boden verseucht, wie eine Untersuchung 2009 ergab. An Gemüseanbau war nicht mehr zu denken. Jetzt wird alles abgerissen, neu abgedeckt und mit bis zu 1,5 Metern Erde zugedeckt.

Die Familiengärtner haben sich schwer damit getan. Die wissenschaftliche Abklärung wurde angezweifelt, die Angestellten bei der Stadt für die Misere verantwortlich gemacht – obwohl keinem von ihnen ein Vorwurf gemacht werden kann. Trotzdem, irgendjemand musste schuld sein. Manche Häuser waren nach dem Auszug mit Müll vollgestopft – vielleicht ein letzter Ausdruck des Protestes.

Doch so traurig die Gärten heute aussehen, dieser Tiefpunkt ist gleichzeitig ein Neuanfang. Geplatzte Träume bringen uns auf neue, spannende Spuren und befreien uns von altem Ballast. Das behauptet die deutsche Philosophin Ute Lauterbach. Über das Scheitern sagt sie, dass es einen weiterbringe: Im Nachhinein betrachtet, stelle man oft fest, dass ein Rückschlag genau den Punkt markierte, an dem sich das Leben zum Positiven gewendet hat.

Auch wenn man es jetzt kaum glauben will: Das gilt auch für die Gärten im Friedental. Wenn alle Häuser zurückgebaut und die Bäume gerodet sind, wird etwas Neues entstehen. Ein 2200 Quadratmeter grosser Landschaftspark, der zum Spazierengehen einlädt, und 100 neue Gärten, in denen wieder Gemüse und Früchte angepflanzt werden können. Die Blumen, die spielenden Kinder und die Grillgerüche werden zurückkehren – und mit ihnen das Leben in Luzerns verlassene Gärten.

Lena Berger

Die Spuren der Gärtner werden vom Bagger weggeräumt. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Spuren der Gärtner werden vom Bagger weggeräumt. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Pflanzen wuchern ungestört. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Pflanzen wuchern ungestört. (Bild: Corinne Glanzmann)

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