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LUZERN: Mann steckt vier Menschen mit Tuberkulose an

In einem Restaurant arbeitete monatelang ein Mann, der an Tuberkulose litt. Seine schwere Krankheit hielt er geheim – und steckte so vier weitere Personen an.
Symbolbild: Der Bund empfiehlt die Impfung gegen Tuberkulose nur noch in Ausnahmefällen, da das Risiko einer Ansteckung gering ist. In Luzern hat eine an Tuberkulose erkrankte vier Menschen angesteckt. (Bild: Archiv/ Neue LZ/ Manuela Jans)

Symbolbild: Der Bund empfiehlt die Impfung gegen Tuberkulose nur noch in Ausnahmefällen, da das Risiko einer Ansteckung gering ist. In Luzern hat eine an Tuberkulose erkrankte vier Menschen angesteckt. (Bild: Archiv/ Neue LZ/ Manuela Jans)

Lena Berger

Es ist eine dieser Geschichten, über die man in der Gastroszene nur unter vorgehaltener Hand redet – wenn überhaupt. In der Hauptrolle ist ein Mann, der in einer Stadtluzerner Beiz arbeitete. Vor rund zwei Jahren erkrankte ein Freund von ihm an Tuberkulose. Die schwere Infektionskrankheit gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Stellt ein Arzt einen Verdachtsfall fest, muss er dies dem Bundesamt für Gesundheit und dem Kantonsarzt melden – und die Lungenliga führt im Auftrag des Kantons eine Umgebungsabklärung durch. «Dabei wird festgestellt, wer längeren Kontakt mit dem ansteckenden Tuberkulose-Patienten hatte – wer also einem Infektionsrisiko ausgesetzt war», erklärt Markus Jutzi, Teamleiter Infektionskrankheiten der kantonalen Dienststelle Gesundheit und Sport.

Zu einem solchen Test wurde auch der Gastromitarbeiter aufgefordert. Er sicherte der Lungenliga zu, dass er nach Deutschland fahren und dort die entsprechenden Abklärungen machen würde. Auch seinem Chef, dem Leiter des Luzerner Restaurants, teilte er dies mit. In Wahrheit wollte der Mann das Risiko, dass er mit der schweren Lungenkrankheit jemanden angesteckt haben könnte, wohl einfach nicht wahrhaben. Als er einen Monat später wieder in die Schweiz zurückkehrte, hatte er den Test jedenfalls noch immer nicht gemacht, behauptete dem Chef gegenüber aber, dieser sei negativ ausgefallen.

Neunmonatige Therapie

Monatelang passierte nichts. Der Mann führte sein Leben weiter, als sei nichts gewesen, traf sich mit Freunden, arbeitete, wohnte in einer Wohngemeinschaft. Erst im Sommer tauchten erste gesundheitliche Beschwerden auf. Und doch vergingen nochmals Monate bis zur ärztlichen Diagnose. Erst gegen Ende Jahr wurde die offene Tuberkulose festgestellt. Der Mann musste umgehend ins Spital, wo er zwei Wochen unter Quarantäne gestellt wurde.

Wie üblich wurde erneut eine Umgebungsabklärung angeordnet. Es kann nämlich vorkommen, dass man infiziert ist, die Krankheit aber erst nach Jahren ausbricht. «In diesen Fällen empfehlen wir eine prophylaktische Behandlung mit Antibiotika», erklärt der kantonale Infektionsspezialist Markus Jutzi.

Und so wurden mehrere Mitarbeiter des Restaurants sowie Personen aus dem privaten Umfeld zum Test aufgeboten. Das Resultat war niederschmetternd: Insgesamt wurden vier Personen positiv auf Tuberkulose getestet. Darunter war auch der Chef, dem der Mann Monate zuvor versichert habe, er sei kerngesund. Die anderen waren temporäre Mitbewohner oder Kollegen, mit denen der Mann oft unterwegs war. Es ist davon auszugehen, dass er diese Personen mit der Lungenkrankheit angesteckt hat. Die Betroffenen mussten sich einer neunmonatigen Antibiotika-Therapie unterziehen.

Gelebt, als wäre nichts gewesen

Zwei Personen, die der Mann angesteckt hatte, erstatteten Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Gastromitarbeiter daraufhin zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen a je 90 Franken und zu einer Busse von 1800 Franken. Die Begründung: Der Mann habe von der Möglichkeit gewusst, Träger einer ansteckenden Krankheit zu sein. Dennoch habe er keinerlei Vorkehrungen getroffen, sondern, ohne eine Fremdansteckung in Erwägung zu ziehen, seinen gewohnten Tagesablauf normal weitergelebt. Mit der gebotenen Vorsicht hätten die Ansteckungen verhindert werden können – davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Der Strafbefehl ist seit dieser Woche rechtskräftig. Darauf, dass auch Restaurantgäste einem Risiko ausgesetzt gewesen sein könnten, findet sich kein Hinweis.

500 Neuansteckungen pro Jahr

«Tuberkulose ist eine seltene, aber ernst zu nehmende Erkrankung», betont Infektiologe Markus Jutzi. Bricht sie aus, ist eine länger dauernde medikamentöse Behandlung und je nach Schweregrad auch ein Spitalaufenthalt nötig. Verweigert ein ansteckender Tuberkulose-Erkrankter die Therapie, können die Behörden eine Quarantäne zur Vermeidung weiterer Ansteckungen anordnen. In der Schweiz kommt es pro Jahr zu rund 500 Neuansteckungen.

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