LUZERN: Mann widersetzt sich Verkehrskontrolle: Polizist verletzt

Ein Autofahrer wird beschuldigt, eine Verkehrskontrolle durchbrochen zu haben. Er dachte, es sei eine Unfallstelle.

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Kriminalgericht des Kantons Luzern am Alpenquai in der Stadt Luzern (Symbolbild). (Bild: Pius Amrein)

Kriminalgericht des Kantons Luzern am Alpenquai in der Stadt Luzern (Symbolbild). (Bild: Pius Amrein)

Unklar ist, wie viel Alkohol der Fahrer intus hatte. Nach dem Geburtstagsfest bei seiner Ex-Freundin im Bezirk Muri AG ist ein 44-jähriger Schweizer mit seinem Auto Richtung Inwil gefahren. Er hat die Feier gemäss Anklageschrift der Luzerner Staatsanwaltschaft um 22 Uhr verlassen und soll laut der Gastgeberin und anderen Anwesenden alkoholisiert gewesen sein. Auf Höhe der Gärtnerei Schwitter hat der Mann aus dem Kanton Solothurn, der als Monteur arbeitete und Mitinhaber eines Mähdrescher-Betriebs war, mit seinem Auto eine Verkehrskontrolle der Polizei durchbrochen. Dabei wurde ein Polizist verletzt. Das war am 16. Mai 2012. Bei der gestrigen Verhandlung im Luzerner Kriminalgericht hat der Beschuldigte, der zwei Söhne in Ausbildung hat, angegeben, dass er weder betrunken gewesen sei noch dass er sich einer Kontrolle widersetzt habe.

Ein Glas Wein und Cola – oder mehr?

Zwar gibt er zu, dass er mit einem Glas Wein angestossen habe, danach will er aber nur noch Cola getrunken haben. Laut Anklageschrift hat er einen halben Liter Wein und mehrere Martinis konsumiert. Fakt ist, dass der Beschuldigte bei der Verkehrskontrolle nicht angehalten hat. Dies, weil ihn die Beamten seiner Ansicht nach nicht explizit zum Anhalten aufforderten, wie er gestern beteuerte. Die Polizisten hätten nur das Signal für «langsames Fahren» gegeben. «Ich dachte deshalb, dass ich mich einer Unfallstelle nähere», so der Handwerker. Er sei bei der Feuerwehr und habe nicht anhalten wollen, da er kein Gaffer sei.

Der Staatsanwalt sieht dies anders. Er beschuldigt den Mann, bewusst Anweisungen der Polizei missachtet zu haben, um sich einem Alkoholtest zu entziehen. Er habe zwar sein Tempo reduziert, kurz vor den Beamten habe er aber beschleunigt und sei auf den Polizisten und die Polizistin zugefahren. Zur Vermeidung einer Kollision hätten die einen Seitenschritt gemacht. Dabei sei der Polizist auf die Gegenfahrbahn geraten, wo er vom Rückspiegel eines entgegenkommenden Autos touchiert und zu Boden gerissen wurde. Dabei erlitt er einen Unterarmbruch, einen Kreuzbandriss und einen Riss im rechten Sprunggelenk.

«Hätte tödlich enden können»

«Es hätte zu einem lebensgefährlichen oder tödlichen Unfall kommen können. Die Beschleunigung macht bei einem Unfall keinen Sinn, sondern nur, wenn man eine Kontrolle durchbrechen will», so der Staatsanwalt. Für mehrfache Gefährdung des Lebens, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz und fahrlässige Körperverletzung beantragt er eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wovon 12 Monate unbedingt und 12 bedingt bei einer Probezeit von 4 Jahren vollziehbar sind. Der Mann, der in der Einvernahme widersprüchliche Aussagen machte, ist in der Vergangenheit wiederholt wegen Verkehrsdelikten verurteilt worden.

«Objektive Beweismittel fehlen»

Der Verteidiger beantragt, den Beschuldigten von den Anklagepunkten freizusprechen. «Objektive Beweismittel, dass mein Mandant alkoholisiert war, fehlen gänzlich.» Zum Vorfall bei der Kontrolle meint er: «Die Kontrollstelle war nicht ausreichend als solche signalisiert. Mein Mandant ging davon aus, dass Aufräumarbeiten nach einem Unfall vonstatten gingen.» Ihm sei höchstens pflichtwidriges Verhalten anzulasten, weil er ein Fahrzeug gelenkt habe, das an einem Unfall beteiligt war. Die Busse solle höchstens 500 Franken betragen. Das Urteil oder ein Beweisentscheid wird den Parteien schriftlich zugestellt.

Roger Rüegger