LUZERN: Marathon-Hochzeit führt über 21,1 Kilometer

Den Heiratsantrag machte Ernesto seiner Rita in Afrika auf 5900 Metern Höhe. So exotisch der Antrag, so aussergewöhnlich die Hochzeit auf den Strassen von Luzern.

Roger Rüegger
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Das rennende Hochzeitspaar Rita Furrer (40) und Ernesto Flury (52) gestern auf der Luzerner Lidowiese. Nebenan, im Marathon-Start- und -Zielbereich, findet am Sonntag die Trauung statt. (Bild Dominik Wunderli)

Das rennende Hochzeitspaar Rita Furrer (40) und Ernesto Flury (52) gestern auf der Luzerner Lidowiese. Nebenan, im Marathon-Start- und -Zielbereich, findet am Sonntag die Trauung statt. (Bild Dominik Wunderli)

Sie machen es sich am schönsten Tag ihres Lebens nicht einfach. Rita Furrer (40) und Ernesto Flury (52) heiraten am nächsten Sonntag in Luzern. Bevor sie sich aber das Jawort geben können, müssen sie einen langen Weg zurücklegen. Denn die Entlebucherin und der Stadtluzerner mit Wohnsitz im aargauischen Berikon absolvieren die Halbmarathondistanz über 21,1 Kilometer am Swiss City Marathon Lucerne.

Das Paar startet mit einer Entourage von zehn Leuten um 9.15 Uhr. «Den Wettkampf lassen wir für einmal beiseite. Wir haben einen Rolli mit einer Soundmaschine dabei und werden unterwegs einige Cüpli-Stopps einlegen», verrät Flury, der in der Gastrobranche tätig ist. Er rechnet mit einer Laufzeit von 2,05 Stunden. «Gemütlich», meint der gertenschlanke, durchtrainierte Mann.

Verschwitzt an die Zeremonie

Bei der Zielankunft im Verkehrshaus werden sie von den Hochzeitsgästen erwartet. Danach folgt das Fotoshooting, bevor die Trauung im Verkehrshaus stattfindet. Durch die Zeremonie führt eine Theologin. Flury und Furrer werden in ihren verschwitzen Renndresses heiraten. Wobei die Outfits dem Ereignis angepasst sind: Er trägt schwarze Gymnastikhosen mit Schlag, sie ein weisses Shirt und pinkfarbene Leggins mit Luftlöchern.

Eine derartige Hochzeit gab es am Marathon in Luzern noch nie. OK-Präsident Hansruedi Schorno «Das ist eine schöne Randgeschichte. Für uns sind alle Teilnehmer Sieger. Grossartig!»

Dass sich die Braut auf eine derart ungewöhnliche Hochzeitsfeier einlässt, ist für den Bräutigam schlicht «der Wahnsinn. Sie ist eine geniale Frau. Es wird ein langer und anstrengender Tag. Aber weil wir etwas für die Ewigkeit aufgleisen, lohnt sich der Aufwand», so Flury, der zum zweiten Mal heiratet und dessen ältere der beiden Töchter Trauzeugin ist.

Zu müde für das eigene Fest?

Nach der Trauung haben die Frischvermählten eine Stunde Zeit, sich umzuziehen und herzurichten. Weil beide FCL-Fans sind, feiern sie in der Swissporarena. Dass ihr Verein nicht zu Hause spielt, kommt gelegen. Flury: «Am Spielfeldrand gibt es einen Apéro, dann gehts in den Presidents Club.»

Rita Furrer blickt dem grossen Tag – ihr erster – mehr oder weniger gelassen entgegen. «Das Laufen macht mir nichts aus. Ich habe nur Angst, dass ich nach 21 Kilometern so müde bin, dass ich mein eigenes Fest verpasse.» Sie lernte Ernesto Flury kennen, als sie ein Restaurant führte und er im Aussendienst mit Wein handelte. Ganz so arg sind ihre Befürchtungen aber nicht, denn sie nahm bis heute an fünf Marathons und einigen Halbmarathons teil. In Luzern startete sie bereits dreimal. Ihre Bestzeit beim allerersten Marathon, den sie mit ihrem Freund lief, war 3:51,12 Stunden. Er – es war in Düsseldorf – brauchte länger: 3:56,12. Flury: «Ich hatte einige Probleme und sagte ihr, sie müsse nicht auf mich warten.»

Sie hätte gewartet. So wie sie gestern auf ihren Schatz wartete, als beim Verkehrshaus ein Termin mit dem Fotografen unserer Zeitung anstand. «Ernesto verspätet sich um sieben Minuten», sagte sie zur Begrüssung mit dem Mobiltelefon in der Hand. So blieb etwas Zeit, um Details von ihr über ihn zu erfahren. Was mag sie an ihrem künftigen Ehemann? Rita Furrer: «Er ist für mich ein weisser Kenianer. Schön schlank und mit einer Läuferstatur, das gefällt mir. Aber das Interessanteste an ihm ist sicher, dass er ein Luzerner ist.»

Dass dieser verrückten Hochzeit ein ungewöhnlicher Heiratsantrag vorausgegangen ist, liegt auf der Hand. Während eines Höhentrainings in Kenia, reisten Flury und Furrer nach Tansania und bestiegen den Kilimandscharo. «Auf 5895 Metern Höhe machte ich ihr den Antrag. Sie konnte gar nicht Nein sagen, dazu fehlte ihr die Luft.»

HINWEIS

Infos zum Marathon: www.swisscitymarathon.ch