LUZERN: Marronibrater können wieder lachen

Die Marroni-Standplätze werden nun doch nicht verlost. Zwei Interessenten haben sich zurückgezogen. Doch das Losverfahren ist weiterhin nicht vom Tisch.

Yasmin Kunz
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Fröhliche Stimmung gestern im Marronistand von Dashurije und Gzim Ismaili unter der Egg. Ihre Zukunft ist vorerst gesichert. (Bild Corinne Glanzmann)

Fröhliche Stimmung gestern im Marronistand von Dashurije und Gzim Ismaili unter der Egg. Ihre Zukunft ist vorerst gesichert. (Bild Corinne Glanzmann)

«Es ist unfassbar, wir sind so glücklich», sagen Dashurije (41) und Gzim (42) Ismaili, die den Marronistand Unter der Egg betreiben. Auch Irmgard Ambühl (57), die seit 25 Jahren am Mühlenplatz heisse Marroni verkauft, sagt: «Damit habe ich nicht gerechnet, ich bin extrem erleichtert.» Seit gestern wissen die aktuellen Betreiber der vier Marronistände in der Stadt Luzern, dass sie auch in den kommenden drei Jahren ihren Stand behalten dürfen. «Es ist für uns ein Glückstag: Die Tradition der Marroniverkäufer bleibt weiter bestehen», sagt Gzim Ismaili.

Rückzug erfolgte freiwillig

Grund für ihre Freude: «Die zwei neuen Gesuchsteller haben ihre Bewerbungen freiwillig zurückgezogen», sagt Mario Lütolf, Leiter der Dienststelle Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern. «Somit gehen die Bewilligungen an die bisherigen vier Standbetreiber.»

Unter anderem wegen der zwei neuen Gesuchsteller hatte sich die Stadt entschlossen, die Standplätze zu verlosen. Die zwei Bewerber hätten sich nun aufgrund von «Diskussionen zu neuen Sachverhalten» zurückgezogen, erklärt Lütolf. Er betont, dass auch sie alle Zulassungsbedingungen erfüllt hätten, die für den Marronibetrieb erforderlich gewesen wären. Um welche Sachverhalte es genau geht, will Lütolf nicht offenlegen. «Den zwei Bewerbern rechne ich es hoch an, dass sie zum Schluss kamen, die Bewerbungen zurückzuziehen, was ihnen nicht leicht gefallen ist.» Hat die Stadt Druck auf sie ausgeübt? «Nein, in keiner Weise. Uns lag bloss daran, gewisse Details zu den Bewerbungen vertieft abzuklären», versichert Lütholf. Die beiden Mitbewerber wollten auf Anfrage keine Stellung nehmen. Wie unsere Zeitung indes weiss, entspricht die offizielle Begründung von Mario Lütholf auch der Wahrheit.

Seit mehreren Jahren verkaufen die gleichen Marronibrater an den vier Standorten am Mühlenplatz, Unter der Egg, auf der Seebrücke und vor der Luzerner Kantonalbank die Edelkastanien. Als die Standplätze dieses Jahr neu ausgeschrieben wurden, bewarben sich – im Gegensatz zu den Vorjahren – zusätzlich zwei Personen. Weil die Ausschreibung nur die vier bestehenden Standorte vorsah und sich alle Bewerber für den Zuschlag qualifizierten, musste ein anderes Auswahlverfahren hin. So wollte die Stadt das Los entscheiden lassen.

Welle der Empörung

Bei den Betreibern und der Bevölkerung stiess diese Art von Vergabe auf massive Kritik, weil die Verlosung auch Existenzen gefährdet hätte. Dass per Zufallsprinzip über das Fortbestehen einer langen Tradition entschieden werden sollte, war vielen Einwohnern von Luzern unbegreiflich. Innerhalb einer Woche sammelten deshalb Initianten über 1000 Unterschriften für eine Volksmotion. Sie forderten, die Verlosung der Marronistandplätze rückgängig zu machen. Gemäss Lütolf ist die Volksmotion bis heute noch nicht eingegangen. Das Wissen über die Unterschriften habe den heutigen Entscheid zwar nicht beeinflusst, so Lütolf. «Trotzdem hat dieses Zeichen der Solidarität uns nicht kalt gelassen.»

Auch die Marroniverkäufer haben diese Solidarität gespürt. «Wir sind dankbar, dass wir so viel Unterstützung erhalten haben», sagt Dashijure Ismaili. «Ich hätte gestern alles erwartet, nur nicht, dass ich meinen Stand für die nächsten drei Jahre behalten darf», sagt Ambühl erleichtert.

Doch nicht nur die Verkäufer atmen auf. Auch Mario Lütolf verspürt grosse Erleichterung. «Wir sind um gute Erfahrungen reicher», sagt er. «Wir werden das Ausschreibeverfahren nun sorgfältig analysieren.» Dass das Losverfahren zur nächsten Ausschreibung in drei Jahren begraben wird, kann Lütolf nicht bestätigen. «Gehen aus dem Beurteilungsprozess keine klaren Favoriten hervor, kann das Losverfahren wieder eine Option sein.» Mit dieser Verunsicherung sind die Marronibrater nicht alleine. Auch den Marktfahrern des Luzerner Wochenmarkts könnte in drei Jahren ein Losverfahren drohen (Ausgabe vom 9. Dezember).

Weitere Plätze nicht ausgeschlossen

Anfang November wurde die Vergabe der Marronistandplätze zur Chefsache erklärt. Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) liess damals verlauten, dass die Stadt weitere Marronistandplätze suchen werde. Mario Lütolf sagt zum aktuellen Stand: «Wir haben noch keine weiteren Plätze definiert, aber die Analyse ist noch nicht abgeschlossen.»

Yasmin Kunz