LUZERN: Mehr Kapazität – weniger Sitzplätze

Die Busse zwischen Kriens und Ebikon sollen schneller vorankommen. Dafür braucht es unter anderem neue Fahrzeuge – diese bieten mehr Steh- und weniger Sitzplätze.

Lena Berger
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RBus in Kriens-Obernau. (Bild: Visualisierung Mathys Partner)

RBus in Kriens-Obernau. (Bild: Visualisierung Mathys Partner)

Ab Ende Jahr sollen sie durch Luzern rollen: Die neun neuen Mega-Busse der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL). Dank ihrem Tram-ähnlichen Aussehen werden sie sich von den gewöhnlichen Doppelgelenk-Trolleybussen deutlich abheben – allerdings nicht nur optisch. Dank ihnen sollen auf der Linie 1 30 Prozent mehr Passagiere befördert werden können. Das ist auch nötig, weil die Linie 1 bis Ende 2018 bis nach Ebikon verlängert wird.
Konkret bietet jeder der neuen Busse Platz für 207 Fahrgäste – davon werden allerdings 151 stehen müssen. Die neuen Doppelgelenkbusse bieten nämlich nur noch 56 Sitzplätze – also für knapp einen Viertel der Passagiere.

Busbahnhof in Ebikon (Bild: Visualisierung Mathys Partner)
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Busbahnhof in Ebikon (Bild: Visualisierung Mathys Partner)
RBus beim Maihof (Bild: Visualisierung Mathys Partner)
RBus beim Bahnhof Luzern (Bild: Visualisierung Mathys Partner)
RBus auf der Pilatusstrasse (Bild: Visualisierung Mathys Partner)
RBus in Obernau (Bild: Visualisierung Mathys Partner)
RBus beim Schappe Center in Kriens (Bild: Visualisierung Mathys Partner)
So sehen die neuen Busse aus, die ab Sommer auf Luzerns Strassen verkehren werden. (Bild: PD)

Busbahnhof in Ebikon (Bild: Visualisierung Mathys Partner)

Mehr Sitzplätze in Zürich

Zum Vergleich: Ein heutiger Doppelgelenk-Trolleybus, der auf der Linie 1 verkehrt, bietet 63 Sitzplätze – jeder dritte Passagier kann sich demnach während der Fahrt setzen. Obwohl künftig also mehr Passagiere transportiert werden sollen, sinkt die Zahl der Sitzplätze. VBL-Direktor Norbert Schmassmann verneint dennoch einen Strategiewechsel hin zu mehr Stehplätzen. «Unsere schwergewichtig im dichten Agglomerationsbereich eingesetzten Fahrzeuge sind schon heute ‹stehplatz-optimiert›. Denn zu viele Sitzplätze behindern im städtischen ÖV das Ein- und Aussteigen.» Auch andere städtische Verkehrsbetriebe würden das so handhaben. Tatsächlich gibt es auch in anderen Doppelgelenk-Trolleybussen etwa in Zürich Stehplätze. Das Modell «Longo» allerdings, das dort hauptsächlich unterwegs ist, bietet von total 128 Plätzen immerhin 61 Sitze – das ist fast die Hälfte.

Kritik von Behinderten-Verein

Bedenken, dass durch die höhere Zahl der Stehplätze die Unfallgefahr bei starkem Abbremsen steigen könnte, hat Schmassmann nicht. «Bezüglich der Sicherheit, ist uns im Hinblick auf die neuen Doppelgelenk-Trolleybusse kein erhöhtes Unfall- oder Sturzrisiko bekannt. Die betreffenden Fahrzeuge sind mindestens gleich sicher wie die bestehenden Doppelgelenkbusse», sagt er.

Negativ beurteilt man den sinkenden Anteil der Sitzplätze aber beim Verein Insieme Luzern, der sich für Menschen mit geistiger Behinderung einsetzt. «Das ist ein klarer Leistungsabbau. Für Menschen mit psychischen Problemen ist das Busfahren oft mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden, die verstärkt werden, wenn sie zwischen anderen Personen eingepfercht sind», erklärt Geschäftsleiterin Bernadette Waltenspül. Auch kurze Strecken könnten so zur Tortur werden. «Und für Familien mit kleinen Kindern kann das Busfahren ohne Sitzplatz ebenfalls sehr unangenehm sein.»

In die richtige Stossrichtung gehen die Bemühungen des Verkehrsverbundes und der VBL hingegen für die IGÖV Zentralschweiz, als Vertreterin der Kunden des öffentlichen Verkehrs. «Für uns ist zentral, dass mehr Platz geschaffen wird. Dass keine 200 Sitzplätze in einen Bus passen, liegt auf der Hand», findet Andreas Kaufmann, Leiter der Geschäftsstelle. Er glaubt, dass 56 Sitzplätze pro Bus ausreichen werden – auch weil dies kein grosser Abbau gegenüber dem Angebot in den aktuellen Bussen darstelle. «Zudem gilt nach wie vor und generell die Anstandsregel, dass ältere Personen und Menschen mit einer Einschränkung bei den Sitzplätzen Vorrang haben.»

Fahrzeit verkürzt sich um 10 Prozent

Die Anschaffung der neuen Busse ist Teil des neuen R-Bus-Konzepts, das bis 2025 auf der Linie 1 sukzessive umgesetzt werden soll und gestern als Ganzes vorgestellt wurde. Es sieht eine Reihe von Massnahmen vor, welche die Geschwindigkeit der Busse zwischen Kriens und Ebikon um zehn Prozent steigern sollen. Vorgesehen ist eine Reihe von Infrastrukturanpassungen entlang der Linie 1, um diese zuverlässiger zu machen. Konkret:

Zusätzliche Busspuren: Ab nächstem September soll eine durchgehende Busspur an der Pilatusstrasse in Luzern realisiert werden. Eine weitere Busspur ist an der Luzernerstrasse in Ebikon sowie – nach der Realisierung der Umfahrung Spange Nord – am Luzerner Schlossberg vorgesehen.

Grüne Welle für Busse:«Intelligente» Ampeln sollen jeweils automatisch auf Grün schalten, wenn ein Bus kommt. Ein erstes solches Projekt – an der Kantonsstrasse von Obernau bis Kriens – ist bis Ende März bereits öffentlich aufgelegen. Es zeigt, wie der Bus künftig bevorzugt werden soll: Durch ein neues Ampelsystem, welches die Busse von Obernau in Richtung Luzern schleust und den Verkehr zu Stosszeiten dosiert. Wenn ein Bus fahren will, schalten die Ampeln automatisch auf grün.

Fahrbahnhaltestellen: Ebenfalls bereits bekannt ist, dass in Kriens etwa bei der Haltestelle Pulvermühle die Busse künftig auf der Fahrbahn halten sollen, statt in eine Busbucht zu fahren (Ausgabe vom 6. März). Das gleiche gilt für die Haltestelle Schappe-Center. Bei der Bushaltestelle Stampfeli hingegen werden neue Busbuchten gebaut. Generell gilt: Busbuchten werden vereinzelt aufgehoben – wenn dies «aus einer Gesamtverkehrssicht richtig» ist, wie Regierungsrat Robert Küng betont. So soll sich der Bus nach dem Halten wieder schneller in den Verkehr einfädeln können.

Verlängerung der Buslinie 1: Sie wird ab 2018 nicht mehr nur bis Maihof, sondern bis zum Ebikoner Bahnhof führen. Dazu muss auch eine neue Fahrleitung für Trolleybusse gebaut werden. «Beim Bahnhof Ebikon wollen wir den Passagieren Anknüpfungspunkte bieten für die Busse ins Rontal, aber auch ins Quartier sowie eine neue Linie direkt nach Littau. Zudem soll Anschluss auf die S-Bahn und die Regionalzüge bestehen», erklärt Daniel Meier, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Luzern.

Die Kosten für die neuen Fahrzeuge der VBL betragen 12,75 Millionen Franken. Weitere 9 Millionen Franken werden in die Trolleyinfrastruktur Maihof–Ebikon investiert. Wie viel die Strasseninfrastruktur-Projekte kosten werden, ist teilweise noch offen – die meisten befinden sich noch in der Planungsphase. Klar ist: Allein die Sanierung der Kantonsstrasse K 17 zwischen Maihof und dem Knoten Schlösslistrasse wird 10,7 Millionen Franken kosten (Ausgabe vom 2. April).

Neues System für Emmenbrücke?

Mittel- bis langfristig soll das R-Bus-System – also die konsequente Busbevorzugung auf einer bestimmten Strecke – auch für andere Buslinien geprüft werden. Betreffen könnte dies gemäss Verkehrsverbund die Linie 2 nach Emmenbrücke, die Linie 8 in Richtung Würzenbach und die Linie 12 nach Littau.