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LUZERN: Millionen schlummern vor sich hin

Im Internet geben Banken Daten von Kunden preis, die sie seit Jahrzehnten aus den Augen verloren haben. Finden sie die verschollenen Kontoinhaber nicht, geht das Geld an den Bund – alleine aus Luzern dürfte es sich um einen Millionenbetrag handeln.
Christian Hodel

Christian Hodel

christian.hodel@ zentralschweizamsonntag.ch

In Zeiten des Sparens kommt die Nachricht nicht ungelegen: Auf Schweizer Bankkonten schlummern Millionen von Franken vor sich hin, weil das Geld von den Besitzern über Jahrzehnte hinweg vergessen ging.

Konkret geht es um Konten, bei denen der letzte Kundenkontakt 60 Jahre oder weiter zurückliegt. Seit zwei Jahren besteht die gesetzliche Regelung, dass Banken die Daten solcher Kunden auf der öffentlich einsehbaren Internetseite www.dormantaccounts.ch publizieren müssen. Bedingung: Der Kontostand muss mindestens 500 Franken aufweisen. Meldet sich bis nach Ablauf der einjährigen Frist nach Publikation der Besitzer beziehungsweise der Erbberechtigte nicht, fliessen die Gelder automatisch an die Eidgenössische Steuerverwaltung.

Vermögenswerte von 52 Millionen Franken

Gemäss Informationen der Schweizerischen Bankiervereinigung wurden 2016 rund 300 Namen auf der Website neu publiziert – der Vermögenswert wird auf rund 8 Millionen Franken geschätzt. Ein Jahr zuvor bei der Lancierung der Plattform hat man 2600 Namen publiziert – nämlich alle Vermögenswerte, die seit 1955 und früher nachrichtenlos sind. Der geschätzte Wert belief sich damals auf 44 Millionen Franken. Will heissen: Bis dato wurden mindestens 2900 Namen veröffentlicht – und ein Vermögenswert von 52 Millionen Franken.

«Wie viele Personen aktuell auf der Plattform erfasst sind und um wie viel Vermögen es sich handelt, kann man nicht exakt sagen. «Wir werten das nicht aus», sagt Sindy Schmiegel, Mediensprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung. Der Grund sei, dass jede Bank jederzeit neue Namen aufschalten könne. Zudem werden die Namen wieder gelöscht, sobald der Besitzer beziehungsweise die Erblasser sich melden oder die Publikationsfrist verstrichen ist. Die Bankiervereinigung hat keine Übersicht, da jede einzelne Bank gemäss Gesetz ihre nachrichtenlosen Vermögen selbst verwaltet und gegebenenfalls das Geld an die Steuerverwaltung weiterreicht.

Wie viele Gelder etwa aus dem Kanton Luzern auf der Plattform vor sich hin schlummern, bleibt also unklar – eine Annäherung ist aber dennoch möglich. Nimmt man die seit der Lancierung publizierten Zahlen, liegen im Durchschnitt auf einem nachrichtenlosen Konto jeweils rund 18 000 Franken. Wie eine Auswertung unserer Zeitung ergab, sind derzeit 59 Personen erfasst, bei denen der letzte bekannte Wohnsitz im Kanton Luzern lag. Demnach dürfte sich der Vermögenswert der kontaktlosen Konten im Kanton Luzern auf über 1 Million Franken belaufen. Meldet sich bis nach Ablauf der gesetzlichen Frist niemand, überweist die betroffene Bank das Geld dem Bund. Diese beträgt bei Konten mit letztem Kundenkontakt nach 1955 ein Jahr. Was weiter zurückliegt, dafür gilt eine Frist von fünf Jahren.

Dieses Jahr fliessen erstmals Gelder an den Bund

Das Geld geht gemäss Philipp Rohr, Verantwortlicher Kommunikation beim Eidgenössischen Finanzdepartement, in den allgemeinen Bundeshaushalt. «Per Ende 2016 sind dem Bund noch keine Liquidationserlöse aus nachrichtenlosen Vermögen zugeflossen», sagt Rohr. Dies, weil die Publikationsfristen bis dahin noch nicht verstrichen waren. Im laufenden Jahr seien bisher rund 100 000 Franken eingegangen, sagt Philipp Rohr auf Anfrage. «Insgesamt wird im Budget 2017 mit Einnahmen von 45 Millionen Franken gerechnet.» Wie es scheint, zahlt sich die Plattform für den Bund aus. Doch auch für die Schweizerische Bankiervereinigung hat sich www.dormant­accounts.ch bewährt. Die Mediensprecherin Sindy Schmiegel zieht nach zwei Jahren Betriebszeit ein positives Fazit. «Die Plattform funktioniert», sagt sie. Gemäss Schätzungen konnte für jedes 20. Konto der Besitzer beziehungsweise der Erbberechtigte ausfindig gemacht werden.

Hinweis

Weitere Infos zu den nachrichtenlosen Konten finden Sie unter: www.dormantaccounts.ch

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