LUZERN: Missachtet der Uni-Rektor die Abmachung?

Paul Richli, Rektor der Uni Luzern, interpretiert eine Vereinbarung zwischen ihm und dem Hochschulrektor ziemlich offen. Derweil macht Unternehmer Reto Sieber einen Rückzieher.

Lukas Nussbaumer
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Paul Richli, Rektor Uni Luzern: «Ich äussere mich zum Universitätsgesetz nur auf Einladung hin.» (Bild: Nadia Schärli Neue LZ)

Paul Richli, Rektor Uni Luzern: «Ich äussere mich zum Universitätsgesetz nur auf Einladung hin.» (Bild: Nadia Schärli Neue LZ)

Die Ausgangslage ist seit dem 29. November 2013 klar: Die Kommunikation im Zusammenhang mit der geplanten Wirtschaftsfakultät an der Uni Luzern nimmt einzig Bildungsdirektor Reto Wyss wahr (siehe Kasten). Sowohl Uni-Rektor Paul Richli als auch Hochschulrektor Markus Hodel haben dies vor einem Jahr mit ihrer Unterschrift besiegelt.

Heute, zweieinhalb Wochen vor der Abstimmung über das Uni-Gesetz, dessen Kernpunkt die Schaffung einer Wirtschaftsfakultät ist, zeigt sich ebenso klar: An die Vereinbarung vom November 2013 hält sich nur der Hochschulrektor. Markus Hodel hat seither sämtliche Aufforderungen, Stellung zu beziehen, abgelehnt. «Ich will damit einem Ausspielen von Uni und Hochschule nicht Vorschub leisten. Ich bin dieser Haltung trotz der intensiven Kampagne in den letzten Wochen treu geblieben», sagt Hodel auf Anfrage unserer Zeitung.

Richli stützt sich auf Bundesgericht

Uni-Rektor Paul Richli interpretiert die gemeinsam verabschiedete Vereinbarung offener und tritt an Pressekonferenzen und vor Parteien auf. Trotz öffentlicher Auftritte, sagt Richli, betreibe er aber keinen aktiven Abstimmungskampf. Und: «Ich äussere mich zum Uni-Gesetz nur auf Einladung hin.» So habe er Einladungen der SP, der GLP, aber auch der CVP Entlebuch angenommen. Dies sei «kein Widerspruch zur damals getroffenen Vereinbarung und gemäss bundesgerichtlicher Praxis zulässig», betont Richli. Die Uni sei von der Abstimmung ja auch direkter betroffen als die Hochschule; und er äussere sich bei seinen Auftritten nie negativ zur Hochschule. «Ich bringe nur jene Argumente vor, die für die Einrichtung einer Wirtschaftsfakultät an der Uni sprechen», sagt Richli. Im Übrigen hätte er «nichts dagegen, wenn sich auch Markus Hodel öffentlich äussern würde».

Uni legt alle Sponsorengelder offen

Nicht besonders glücklich ist Richli mit der Ankündigung des Ruswiler Unternehmers Reto Sieber, die Zusammenarbeit mit der Hochschule zu sistieren (Ausgabe vom Samstag). Sieber, ein vehementer Befürworter der Wirtschaftsfakultät und Mitglied des Co-Präsidiums im Pro-Komitee, teilte seinen Ausstieg bei der Hochschule mit, weil Hochschulrektor Markus Hodel eine Aufforderung der ehemaligen Studenten, das Uni-Gesetz abzulehnen, verteidigte.

Es sei zwar nicht an ihm, die Äusserungen von Mitgliedern des Pro-Komitees zu kommentieren, sagt Richli. Durch den angedrohten Rückzug des Unternehmers Reto Sieber bei der Hochschule könnte jedoch der Anschein erweckt werden, dass Sponsoren Einfluss nehmen würden. Exakt dies wolle er aber vermeiden, sagt Richli. So habe er der kantonsrätlichen Bildungskommission auch angeboten, dass deren Mitglieder auch Verträge über Sponsoring-Beiträge, die unter 500 000 Franken liegen, einsehen könnten.

Sieber bleibt Hochschule doch treu

Unternehmer Reto Sieber hat sich seinen Ausstieg bei der Hochschule inzwischen überlegt. Er habe die Aussage mit der vorläufigen Sistierung «in der Hitze des Gefechts» gemacht, sagt Sieber und fügt an: «Es wird keine Sistierung geben. Mein Unternehmen wird sich weiter auch bei der Hochschule engagieren.» Die fehlende Solidarität der Hochschul-Alumni-Organisation mit einer Wirtschaftsfakultät habe ihn «tief getroffen», so Sieber. Diplomatie und politische Ränkespiele seien eher nicht seine Stärken. Angst, dass seine Aussagen dem Pro-Komitee schaden, hat Sieber nicht. «Die politische Suppe wird nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wurde.» Er werde auch nicht als Bankrat der Luzerner Kantonalbank zurücktreten, wie dies die SP fordere. «Ich sehe keinen Zusammenhang mit meinem Einsatz für die Uni und die Hochschule einerseits und für die Bank andererseits.»

Peter Steiner, Kampagnenleiter des Pro-Komitees, verteidigt Reto Sieber. Dieser setze sich zwar «ab und zu etwas ungestüm» für die Wirtschaftsfakultät ein, sei aber ein klarer Befürworter des dualen Bildungssystems und damit auch der Hochschule. Beide Institutionen würden sich ergänzen und nicht konkurrenzieren.

Markus HIdel, Rektor Hochschule Luzern: «Ich will einem Ausspielen von Uni und Hochschule keionen Vorschub leisten.» (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Markus HIdel, Rektor Hochschule Luzern: «Ich will einem Ausspielen von Uni und Hochschule keionen Vorschub leisten.» (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)