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LUZERN: Mit Gratis-WLAN: Luzern sammelt Bewegungsprofile von Touristen

Demnächst erhalten Übernachtungsgäste in der Stadt Luzern freien Zugang zu einem öffentlichen WLAN-Netz. Das Angebot ist kostenlos – aber halt doch nicht gratis.
Eine Leuchtreklame in einem Restaurant lockt Gäste mit einem WLAN-Hotspot an. (Bild: Imago)

Eine Leuchtreklame in einem Restaurant lockt Gäste mit einem WLAN-Hotspot an. (Bild: Imago)

Vor dem Löwendenkmal ein Selfie knipsen und auf den sozialen Medien teilen – das kann für ­ausländische Touristen teuer ­werden: Denn während die EU gerade länderübergreifende Roaminggebühren abgeschafft hat, bleibt die Schweiz auch für Datenübertragungen in internationale Netze eine Hochpreisinsel. Es bräuchte bilaterale Verträge, dies zu ändern – was laut Einschätzung von Experten nicht so bald der Fall sein wird. Die Tourismusregionen haben keine Freude an dieser Tatsache. Schliesslich haben sie ein Interesse daran, dass die Gäste Bilder der jeweiligen Sehenswürdigkeiten verbreiten und damit Werbung machen.

Im Kampf gegen das Hochpreis-Image hilft sich Luzern Tourismus nun selber: Im Dezember führt sie eine «digitale Gästekarte» ein. Mit ihr erhalten Touristen, die mindestens eine Nacht in Luzern bleiben, nicht nur vergünstigte Eintritte in Museen und freie Fahrt in vielen öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen oder Bergbahnen (wir berichteten). Auch die freie Fahrt auf der Datenautobahn ist Teil des Pakets: «Die Gästekarte bietet die Möglichkeit, sich an diversen Plätzen und in verschiedenen Gastrobetrieben in der Stadt kostenlos mit dem WLAN-Netz ‹Free Wifi – Luzern.com› zu verbinden», erklärt Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus. Zu finden sind die Hotspots beim Inseli, Europaplatz, Bahnhofplatz, Schwanenplatz, Schweizerhofquai, Mühlenplatz, Vögeligärtli und Helvetiagärtli. «Auch das Lido Luzern oder die Ufschötti sind seit diesem Juni mit kostenlosem WLAN versorgt», ergänzt Perren.

Das Passwort gibt es beim Einchecken im Hotel. Das ist bequem: «Für Übernachtungsgäste, die sich in das Netz einloggen wollen, fällt so der SMS-Registrationsprozess weg.»

Die Infrastruktur stellt Energie Wasser Luzern (EWL) bereit. Sie hat 300'000 Franken investiert, um das bereits bestehende Netz auf den neuesten Stand zu bringen, wie deren Sprecherin Nicole Reisinger bestätigt. «Free Wifi – Luzern.com» soll exklusiv für Übernachtungsgäste der Stadt Luzern nutzbar sein und richtet sich insbesondere an internationale Gäste. «Technisch betrachtet wird innerhalb des bestehenden öffentlichen Netzes ein separates Netzwerk für das neue Angebot aufgeschaltet», erklärt Marcel Perren.

Mit dem Netz werden gezielt Daten gesammelt

Doch wieso werden Touristen nicht ganz einfach auf das besagte öffentliche WLAN-Netz hingewiesen, das sie ja ebenfalls nutzen könnten? Antwort: weil sich Luzern Tourismus vom neuen Angebot noch einen weiteren Vorteil verspricht – und zwar im Bereich Marketing: Dank dem zusätzlichen Netzwerk wird es nämlich möglich, gezielt Daten über eine bestimmte Nutzergruppe zu sammeln – im aktuellen Fall also über Touristen, die in Luzern übernachten. Für den Datenschützer ist der Fall klar: «Aus dem Blickwinkel der Datensicherheit bringt die Trennung der beiden Netze keinen Mehrwert. Der Entscheid, ein getrenntes Netz anzubieten, ist wohl eher aus marketingtechnischen Gründen erfolgt», sagt Francis Meier, Sprecher des eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, auf Anfrage.

Marcel Perren bestätigt: «Wir sind daran interessiert, diese anonymisierten Daten auszuwerten. Sie können detailliert Aufschluss über Gästeströme zu unterschiedlichen Tageszeiten liefern.» Im Vordergrund stünde dabei die bessere Lenkung der Besucher.

Konkret: Anhand von Bewegungsprofilen kann zum Beispiel nachverfolgt werden, welche Plätze chinesische Touristen zu welcher Tageszeit bevorzugen. Die besagte Lenkung bestünde dann etwa darin, mit Gutscheinen, Werbungen oder Empfehlungen für Restaurants, Hotels oder Läden das Verhalten dieser Gruppe gezielt zu beeinflussen. Das neue Angebot könnte also auch für die Gastronomie, Hotellerie und für das tourismusnahe Gewerbe attraktiv sein. Entsprechend hofft Luzern Tourismus auf eine finanzielle Beteiligung solcher Betriebe und will mittelfristig 80 Restaurants und 50 Hotels für das Projekt gewinnen.

Der Datenschutz setzt den Spielarten des Marketings allerdings Grenzen. Tourismusdirektor Marcel Perren betont, dass man sich dessen bewusst sei. Welche Daten genau gesammelt werden sollen, kann Perren noch nicht sagen: «Die Nutzungsbestimmungen für ‹Free Wifi – Luzern.com› werden zurzeit ausgearbeitet.»

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

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