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LUZERN: Mit modernsten Methoden legt er Verbrechern das Handwerk

Der Hitzkircher Michael Thali führt an der Uni Zürich eines der grössten rechtsmedizinischen Institute der Schweiz. Nun will er den Aussenstandort in Luzern ausbauen – und sagt, warum ein tragischer Fall aus Emmen seinem Fachgebiet helfen kann.
Christian Hodel
Michael Thali (49) leitet seit 2011 das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Seinen DNA-Code hat er sich auf einen Spiegel im Büro aufschreiben lassen. (Bild: Nadia Schärli (Zürich, 19. April 2017))

Michael Thali (49) leitet seit 2011 das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Seinen DNA-Code hat er sich auf einen Spiegel im Büro aufschreiben lassen. (Bild: Nadia Schärli (Zürich, 19. April 2017))

«Wohin wollen Sie?», fragt der Taxifahrer. «Kurvenstrasse 31, kennen Sie das?», ruft Michael Thali (49) von der Rückbank. «Uff», stöhnt der Chauffeur. Die Adresse weckt Erinnerungen: Mehrere Male habe er schon beim Schild mit der Aufschrift «Universität Zürich, Institut für Rechtsmedizin, Verkehrsmedizin» klingeln müssen. Urinproben, Blutproben, Haarproben musste er abgeben. «Ich habe gelernt aus meinen Fehlern», sagt der Taxifahrer, ohne zu wissen, wen er gerade durch Zürich fährt. «Heute kiffe und trinke ich nicht mehr.»

Thali lächelt, steigt aus dem Taxi und öffnet mit dem Badge die Tür zur Abteilung Verkehrsmedizin. Vor wenigen Stunden wurde hier der Eingangsbereich verschmiert. Und auch am Hauptsitz des Instituts im Campus Irchel der Universität Zürich, wo sich Thalis Büro befindet, ist es jüngst zu Vandalen­akten gekommen. «Wir haben nicht nur Freunde», sagt der in Hitzkirch aufgewachsene Direktor eines der grössten rechts­medizinischen Institute der Schweiz. Verkehrssünder, Drogendealer und Schläger, Vergewaltiger und Mörder sind wenig begeistert von seiner Arbeit – und jener seiner 180 Mitarbeiter. Und das lassen sie den Direktor zuweilen spüren.

Für Fälle aus der ganzen Zentralschweiz zuständig

Im Auftrag von Strassenverkehrsämtern, Gerichten und Staats­anwaltschaften suchen die Forensiker, Toxikologen, Biologen, Verkehrs- und Rechtsmediziner auf Steinen, in Haaren oder auf Stofffetzen nach Spuren, die Delinquenten bei ihren Gesetzesverstössen hinterlassen. Ihr Einzugsgebiet: die Kantone Zürich, Glarus, Schaffhausen und die ganze Zentralschweiz. Ihre Methoden: Haaranalysen, DNA-Analysen, Computertomografie. Thali ist in Fachkreisen bekannt dafür, auf neue Technologien zu setzen. Bei ihm wird zum Beispiel jede Leiche zuerst gescannt, bevor sie – wenn noch nötig – unters Skalpell kommt. Viele Erkenntnisse würden bereits mit «Virtopsy» gewonnen, sagt Thali. Dabei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, bei dem der Tote unter anderem einer Computertomografie unterzogen wird. Am Bildschirm können Rechtsmediziner innerhalb von Sekunden den Verlauf eines Einschusses nachverfolgen oder bei verwesten Leichen das Gesicht rekonstruieren. Die Zeiten von einsamen, dunklen Kellern, in denen wortkarge Rechtsmediziner an Leichen herumschnippeln, sind längst nur noch Stoff für altbackene Krimiserien.

Was vor wenigen Jahren als utopische Fantasien abgetan wurde, ist heute Alltag: So rekonstruieren Experten in Zürich etwa am Computer Tatorte. Mit einer 3D-Brille begeben sie sich mitten in eine Schiesserei. Und mit modernsten Geräten können sie in Blut und Haaren über 3000 Substanzen nachweisen. «Solche Fortschritte geben der Strafverfolgung entscheidende Impulse», sagt Thali. Und sie sind auch dringend nötig. So kommen zum Beispiel jedes Jahr laut Schätzungen rund 100 neue Drogenpräparate auf den europäischen Markt. Nachweisbar sind diese ausschliesslich mittels neuer Technologien. Das Problem ist nur: Gratis gibt es diese nicht. «In der Forensik ist es wie bei der Feuerwehr», sagt Thali. «Es muss immer zuerst etwas passieren, damit Geld für Neubeschaffungen gesprochen wird oder Anpassungen vorgenommen werden.»

Der Fall Emmen, bei dem im Juli 2015 eine junge Frau vergewaltigt wurde und der Täter weiter flüchtig ist, ist ein solches Ereignis. Aufgrund der Tat hat das Parlament eine Motion überwiesen. Der Bundesrat muss ein Gesetz ausarbeiten, welches es erlaubt, bei schweren Straftaten wie Mord oder Vergewaltigung über entschlüsselte codierende DNA-Abschnitte auch die Augen-, die Haut- oder die Haarfarbe eines Täters zu ermitteln. In den Niederlanden etwa macht man bereits Versuche, mittels DNA-Spuren Phantombilder zu erstellen. «Bei uns wird oft mit dem Datenschutz argumentiert. Für mich ist das nicht nachvollziehbar», sagt Thali und zeigt auf den Spiegel im Sitzungszimmer seines Büros. Zahlenfolgen sind darauf geschrieben. «Mein DNA-Code ist das», sagt er und lacht. «Jeder kann meine genetische Identität sehen. Unser Institut ist transparent.»

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Forensik ist es wie bei der Feuerwehr», sagt Thali. «Es muss immer zuerst etwas passieren, damit Geld für Neubeschaffungen gesprochen wird oder Anpassungen vorgenommen werden.» (Bilder: Nadia Schärli (Zürich, 19. April 2017))

Forensik ist es wie bei der Feuerwehr», sagt Thali. «Es muss immer zuerst etwas passieren, damit Geld für Neubeschaffungen gesprochen wird oder Anpassungen vorgenommen werden.» (Bilder: Nadia Schärli (Zürich, 19. April 2017))

Jeden Tag kommen am Institut kistenweise Proben an, die es zu untersuchen gilt. (Bilder: Nadia Schärli (Zürich, 19. April 2017))

Jeden Tag kommen am Institut kistenweise Proben an, die es zu untersuchen gilt. (Bilder: Nadia Schärli (Zürich, 19. April 2017))

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