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LUZERN: Mode und Emanzipation gehören für sie zusammen

Selten wurde so intensiv über Feminismus gestritten wie im Jahr 2017. Die Luzernerin Cécile Moser geht in dieser Debatte einen eigenen Weg. Sie hat mit Kolleginnen ein Onlinemagazin gegründet, das ganz auf die positiven Aspekte der Weiblichkeit setzt.
Lena Berger
Mode und Emanzipation – das gehört für sie zusammen: Feministin Cécile Moser. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. Dezember 2017))

Mode und Emanzipation – das gehört für sie zusammen: Feministin Cécile Moser. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. Dezember 2017))

Interview: Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Cécile Moser (29) ist nicht das, was man sich gemeinhin unter einer Feministin vorstellt. Eine ihrer Lieblingsfarben ist Rosa, sie liebt alles, was glitzert, und in ihrem Kleiderschrank türmen sich fast alle modischen Extravaganzen der letzten 15 Jahre. Sie ist eine Frau, die das Leben so lebt, wie sie es richtig findet – und sie pfeift darauf, wenn andere das «tussig» finden sollten. Die eigene Weiblichkeit ausleben: Das versteht sie unter weltoffenem und positivem Feminismus. Zusammen mit ihren Kolleginnen Serena Schindler und Rahel Fenini hat sie im März das Onlinemagazin «Fempop» gegründet. Erzählt werden Geschichten von selbstbewussten Frauen, die etwas gewagt haben – und die man sich zum Vorbild nehmen kann.

Cécile Moser, als sie «Fempop» im Frühling lancierten, sorgte gerade ein Dior-Shirt mit feministischem Aufdruck für Furore. Kritikerinnen warfen dem Label vor, den Feminismus zu verniedlichen. Sie haben für die Mottoshirts Partei ergriffen. Warum?

Uns hat es gestört, dass bis vor einem Jahr fast nur die Eliten über Feminismus diskutierten. Dabei müsste man mit diesen Überlegungen doch alle erreichen können. Unsere These war, dass dies über die Popkultur gelingen kann. Wenn eine feministische Message über einen Slogan auf einem Shirt verbreitet werden kann und dies dazu führt, dass breiter über solche Themen diskutiert wird, finden wir das eine gute Sache. Auch wenn die Kritik an der ausbeuterischen Herstellung solcher Shirts natürlich berechtigt ist.

Früher kleideten sich Feministinnen betont antifeminin. Bei «Fempop» ist das anders. Wie passen kurze Röcke und Emanzipation zusammen?

Unsere Vorstellung von Emanzipation ist, dass jede Frau und jeder Mann das tragen kann, was sie und er will. Wir verstehen Feminismus als ein Engagement für Gleichberechtigung. Die klassischen Rollen sollen aufgebrochen werden, sodass jeder so leben kann, wie es für sie oder ihn stimmt. Im frühen Feminismus war es wichtig, sich von den klassischen Frauenbildern abzugrenzen. Aber heute müsste ich mich verbiegen, wenn ich nur maskuline Schnitte tragen müsste. Das bin nicht ich.

Sie stehen für einen selbstbewussten Feminismus ein. Stört Sie der anklagende Ton, den andere Feministinnen anschlagen?

Am Anfang ja. Ich finde es toll, heute eine Frau zu sein, und wir haben schon sehr vieles erreicht. Aber je mehr ich mich im letzten Jahr mit diesen Themen auseinandergesetzt habe, desto mehr Ungerechtigkeiten sind mir aufgefallen. Ich finde es wichtig, dass es weiterhin Feministinnen gibt, die solche Missstände anprangern. Wir gehen einen anderen Weg, indem wir die Stärken der Frauen betonen und uns nicht nur auf das Negative konzentrieren.

Was Feminismus ist, über diese Frage wurde 2017 intensiv gestritten. Blockiert die Bewegung sich damit selbst?

Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat die feministische Bewegung massiv an Zulauf gewonnen. Die Menschen, die mitmachen, tun das aus ganz unterschiedlichen Gründen und Überzeugungen. Ich kann mich nicht mit allen Forderungen identifizieren. Trotzdem müssen wir zusammenarbeiten. Es wäre schade, wenn wir unsere Energie für Diskussionen über den «wahren Feminismus» verschwenden, anstatt gemeinsam etwas zu bewegen.

#MeToo hat 2017 eine Debatte über den Sexismus im Alltag entfacht, die massive Gegenreaktionen ausgelöst hat. Man dürfe keine Komplimente mehr machen, und vor dem Sex brauche es jetzt einen Vertrag, hiess es. Ist die Diskussion für den Feminismus zum Eigengoal geworden?

Nein, diese Debatte ist wichtig. Aber immer, wenn man einen Schritt vorwärts geht, kommt eine Gegenreaktion – das ist der Lauf der Dinge. Man sollte sich davon nicht entmutigen lassen.

Es entsteht der Eindruck, dass sich die Fronten zwischen Mann und Frau zunehmend verhärten. Wie kann dieser Konflikt gelöst werden?

Es gibt Männer, die Angst haben, dass ihnen etwas weggenommen wird. Dass sie es jetzt sind, die benachteiligt werden sollen. Wir wollen aufzeigen, dass alle von einer gleichberechtigten Gesellschaft profitieren. Es gibt nämlich auch viele Männer, die damit hadern, nicht dem Stereotyp zu entsprechen. Wir wollen dies deshalb aufbrechen, damit Männer und Frauen je ihre persönlichen femininen und maskulinen Stärken in die Gesellschaft einbringen können.

«Das Private ist politisch», so lautete 1968 das feministische Credo. Was heisst für Sie persönlich Gleichberechtigung in der Partnerschaft?

Für mich gilt dieser Spruch heute noch. Gleichberechtigung zu fordern und zu leben, gehört zusammen. Wenn man liebt, gibt man dem anderen in gewisser Weise Macht über sich. Das darf man nicht ausnutzen. Ich lebe in einer Partnerschaft, in der wir beide uns genug Freiraum geben, damit jeder seinen Weg gehen kann. Wir kennen die Stärke des anderen und unterstützen uns gegenseitig.

Man liest oft, dass Männerseilschaften der Gleichberechtigung im Weg stehen. Könnten Frauen von den Männern lernen, wie man sich gegenseitig in gute Positionen verhilft?

Das ist genau unser Ansatz: Wir berichten über Frauen, die wir toll finden. Wir setzen auf Girl­power, auf Frauen, die sich gegenseitig unterstützen und pushen. Und ja, wir finden: Frauen sollten zusammenarbeiten, Netzwerke aufbauen und sich gegenseitig bei der Karriere unterstützen – so wie Männer das schon seit Jahrhunderten erfolgreich tun.

Hinweis

Die bisher erschienenen Ausgaben des Onlinemagazins finden Sie unter: www.fempop.ch

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