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LUZERN: Modell der Integrierten Sekundarschule: Das sagt die Rektorin der Volksschule

Anfang dieses Schuljahrs wurde in der Stadt Luzern das Modell der Integrierten Sekundarschule eingeführt. Es ist bei Eltern und auch einigen Lehrpersonen nicht unumstritten. Wir sprachen mit Vreni Völkle, Rektorin der Volksschule Luzern.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Vreni Völkle, uns erreichen vermehrt Rückmeldungen von besorgten Eltern, die sich über die Einführung des Integrativen Sekundarschulmodells beklagen und dieses am liebsten gleich wieder abschaffen möchten. Was sagen Sie dazu?

Vreni Völkle: Dass nicht alle Eltern darüber glücklich sind, ist uns bewusst. Dass ein solcher Strukturwechsel nicht nur reibungslos über die Bühne geht, war zu erwarten und ist auch normal. Wir würden es begrüssen, wenn besorgte Eltern sich mit der Schulleitung vor Ort besprechen oder mit uns Kontakt aufnehmen.

Das neue Modell wurde Anfang Schuljahr eingeführt. Was sind Ihre bisherigen Erfahrungen damit?

Völkle: Es ist noch zu früh, ein Fazit zu ziehen. Wir haben vor kurzem eine erste Umfrage bei den Schulleitungen der sechs Sekundarschulhäusern der Stadt Luzern gemacht. und durften feststellen, dass Lehrpersonen und Schulleitungen das System sehr gut tragen und sich sehr aktiv und reflektiert den aufkommenden Problemen und Fragestellungen zuwenden.

Was sind die Hauptkritikpunkte?

Völkle: Der Unterricht in den heterogenen Klassen wird als sehr anspruchsvoll beurteilt, die Vorbereitungen sind aufwändig und sehr zeitintensiv.

Integrative Sekundarschule bedeutet, dass die bisherigen Niveaustufen A, B, und C zusammen gelegt wurden und neu gemeinsam unterrichtet werden. Was sind die Vor- und Nachteile, so wie Sie es jetzt, mehr als ein halbes Jahr nach der Einführung einschätzen?

Völkle: Die Vorteile liegen eindeutig in der Verbesserung des Klassenklimas, so wie es Lehrpersonen und Schulleitungen zurückgemeldet haben. Das Übertrittsverfahren ist bereits deutlich entspannter verlaufen als in den vorhergehenden Jahren, da die Eltern die Chancen des durchlässigen Systems sehr gut erkannt haben. So haben denn nach dem ersten Semester auch sehr viele Niveauwechsel stattgefunden. Geschätzt werden die neuen Unterrichtsangebote, insbesondere zum selbstorganisierten Lernen haben wir sehr positive Rückmeldungen von Lernenden und Lehrpersonen. Dass dies in Einzelfällen immer auch anders aussehen kann, versteht sich von selbst.

Besorgte Eltern kritisieren zum Teil ungünstige Zusammensetzungen von Klassen. Konkret: Zu viele C-Schüler, wodurch die A-Schüler zu kurz kommen. Was sagen Sie dazu?

Völkle: Wir haben die Niveauzuteilungen aller Lernenden in der 1. Sekundarklasse überprüft und stellen fest, dass in der Regel 25% der Lernenden dem Niveau A angehören, 25% dem Niveau C und 50 % dem Niveau B. Die Zuteilung in die Stammklassen wird nach ganz bestimmten Kriterien vorgenommen, um ausgeglichen Leistungsgruppen zusammen zu stellen. Die Niveauzueteilungen in der Lernenden in den binnendifferenziert unterrichteten Fächern Deutsch und Mathematik können bei der Klassenbildung allerdings nur bedingt berücksichtigt werden. Uns ist tatsächlich eine Schulklasse aufgefallen, wo die Durchmischung nicht günstig ist.

Mit welchen Massnahmen kann man diesem Missstand begegnen?

Völkle: Es gibt die Möglichkeit, einzelne Schüler in andere Klassen zu versetzen. Man kann auch ganze Klassen aufteilen. Wir prüfen solche Schritte in Problemklassen im Hinblick auf das kommende Schuljahr.

Viele Gemeinden des Kantons haben das Integrative Sekundarschulmodell eingeführt. Stimmt es, dass aber nur die Stadt Luzern das System so umsetzt, dass die Niveaustufen A, B und C auch in den Fächern Deutsch und Mathematik gemeinsam, von den selben Lehrpersonen im selben Schulzimmer unterrichtet werden?

Völkle: Ja, das ist so. Nur die Fremdsprachenfächer Französisch und Englisch werden niveaugetrennt unterrichtet.

Aber kann das funktionieren? Sind dadurch die Lehrpersonen nicht überfordert?

Völkle: Der binnendifferenzierte Unterricht stellt besondere Anforderungen an die Lehrpersonen, das ist so. Die aufwändigen Vorbereitungsarbeiten können nur im Team gemeistert werden, das birgt auch wiederum grosse Vorteile, da die Lehrpersonen den Unterricht vermehrt und gezielt als Team gestalten. Wir sind überzeugt, dass es funktionieren kann, sonst hätten wir dieses System auch nicht eingeführt. Wir haben gute Vorreiterschulen im Kanton Zürich und im Kanton Thurgau, welche diese Unterrichtsform schon seit Jahren anwenden. Die Stadt Luzern ist vielleicht im Kanton eine Pionierschule, aber nicht in der Schweiz.

Gibt es auch Lehrer, die deswegen gekündigt haben?

Völkle: Vor der Einführung des integrierten Modells gab es vereinzelte Kündigungen, da tatächlich nicht alle Lehrpersonen sich mit dem Systemwechsel anfreunden wollten. Aktuelle Kündigungen in den Schulhäusern sind wie üblich begründet mit Pensionierungen, Neuorientierungen, beruflichen oder familiären Veränderungen.

Stellen Sie fest, dass aufgrund der Einführung des Modells der Integrierten Sekundarschule vermehrt Eltern ihre Kinder in Privatschulen schicken?

Völkle: Überhaupt nicht, wir verzeichnen auch nicht mehr Übertritte in die Kantonals Mittelschule nach der 6. Klasse.

Sollte die Kritik an dem in der Stadt Luzern angewandten System zu gross werden, wäre dann allenfalls ein Systemwechsel möglich?

Völkle: Natürlich prüfen wir das System und nehmen auch kritische Rückmeldungen ernst. Sollte sich zeigen, dass die Probleme bei der Umsetzung zu gross sind, ist es durchaus möglich und denkbar, Anpassungen am Modell vorzunehmen. Aber davon gehen wir zurzeit nicht aus, denn wir hatten bis vor kurzem überwiegend positive Reaktionen von Schülern und Eltern. Unser Eindruck ist: Das System ist sehr gut angelaufen, Optimierungen sind möglich.

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