LUZERN: Musikschule bewegt Kinder

Immer mehr Kinder besuchen das Programm «Musik & Bewegung» der städtischen Musikschule. Auch zu Hause sollte nicht nur Musik konsumiert werden, finden die Macher.

Natalie Ehrenzweig
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Die vier- und fünfjährigen Gracia (links), Nicolas und Alice bei «Musik & Bewegung» mit Lehrerin Diana Wyss. (Bild Corinne Glanzmann)

Die vier- und fünfjährigen Gracia (links), Nicolas und Alice bei «Musik & Bewegung» mit Lehrerin Diana Wyss. (Bild Corinne Glanzmann)

Natalie Ehrenzweig

Gracia, Nicolas und Alice stehen auf ihrem Kissen, strecken die Arme in die Höhe und wiegen sich im Wind. Ein Herbststurm tobt, und ihre Arme sind die Äste eines Baumes. Dabei singen die Vier- und Fünfjährigen mit ihrer Lehrerin Diana Wyss ihr neues Herbstlied: Die «Musik & Bewegung»-Stunde der Stadtluzerner Musikschule macht den Kindern sichtlich Spass.

82 Kinder machen mit

Das Angebot «Musik & Bewegung» boomt. Seit diesem Jahr wird es nicht nur an den Standorten Südpol, Spitalmühle, Würzenbach und Littau, sondern auch im Schulhaus Maihof angeboten. Der Hintergrund: «Einige der Musikschüler melden sich wieder ab, wenn sie hören, dass ihre Musikstunde im Südpol stattfindet. Wir sind hier schon an der Peripherie. Darum haben wir beschlossen, dass wir mit den Angeboten für die Kleinen näher zu unserer Kundschaft wollen», erklärt Corsin Tuor, Abteilungsleiter der Luzerner Musikschule. Dieser Schritt hat sich gelohnt: «Letztes Schuljahr hatten wir 44 Kinder, dieses Schuljahr sind es 56», freut sich Tuor. Auch beim Kurs «Musik & Bewegung mit den Eltern» hat sich die Zahl der teilnehmenden Kinder von 10 im Vorjahr auf 26 im 2015 erhöht.

«Die Kinder sollen über den Körper und die Bewegung die Musik erfahren», erklärt Diana Wyss das Ziel des Unterrichts. «Hohe Töne, tiefe Töne, laut, leise, der Rhythmus. Und die Musik setzen sie dann in Bewegung um.» Gracia, Alice und Nicolas sind die ganze Stunde über bei der Sache, singen, rollen auf dem Boden, hüpfen und springen durch den kleinen Saal, während Diana Wyss sie auf dem Klavier begleitet. Gracia erzählt, dass sie daheim den ganzen Tag pfeife. «Mir gefällt das Herumspringen hier. Daheim singen wir oft», sagt Alice.

Der Unterricht der Vier- und Fünfjährigen verläuft natürlich nicht wie in der Schule. Spielerisch wird am ersten Tag nach den Ferien das Thema Herbst angegangen. Die Kinder suchen sich ein farbiges Chiffontuch aus, das erst ein Blatt sein soll, dann erfinden die drei eigene Verwendungszwecke der Tücher – es wird daraus ein Schal, ein Verband. Nicolas deckt seinen Kopf mit dem Tuch zu und wird zum Monster. Diana Wyss spielt jeweils passende Musik, und die Kinder staksen wie Monster oder spazieren frierend durch den Raum.

«Natürlich melden viele Eltern, die sich selber für Musik interessieren, ihre Kinder zu diesen Kursen an. Doch an unseren Beratungstagen lernen auch Eltern und Kinder das Angebot kennen, die davor vielleicht noch nichts davon wussten», erzählt Corsin Tuor. Bis jetzt wurde aber nicht evaluiert, aus welcher Motivation die Kinder «Musik & Bewegung» besuchen.

Musik mit allen Sinnen erleben

«Unser Angebot bietet einen ersten Kontakt zur Musik, bei dem die Kleinen die Musik mit dem Körper und allen Sinnen wahrnehmen», so Tuor. Daheim werde immer weniger gesungen. «Nur wenige Kinder erleben gemeinsames Singen in der Familie. Es wäre wünschenswert, wenn in den Familien wieder vermehrt gesungen und musiziert würde, statt Musik nur zu konsumieren», sagt der Abteilungsleiter.

Dass der Einstieg mit den Kursen der Musikschule erfolgreich ist, lässt sich aber nicht nur an den steigenden Anmeldungen ablesen: «Die meisten Kinder besuchen danach den Instrumentalunterricht», sagt Corsin Tuor. Bis zur Wahl eines Musikinstrumentes haben Gracia, Alice und Nicolas allerdings noch etwas Zeit, auch wenn die Musikschule Luzern kein definiertes Mindestalter für den Instrumentalunterricht kennt.