LUZERN: Musiktheater: Jetzt wird neu gerechnet

Das Aufatmen ist gross: 80 Millionen stehen für die Salle Modulable zur Verfügung. Das reicht aber nie. Ob Stadt und Kanton mitzahlen, ist bei den Parteien umstritten.

Flurina Valsecchi
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Stossen auf gutes Gelingen an (von links): Regierungsrat Reto Wyss, Hubert Achermann, Vertreter der Stiftung Salle Modulable, Ernst F. Schmid, Vertreter Butterfield Trust, und Stadträtin Ursula Stämmer. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Stossen auf gutes Gelingen an (von links): Regierungsrat Reto Wyss, Hubert Achermann, Vertreter der Stiftung Salle Modulable, Ernst F. Schmid, Vertreter Butterfield Trust, und Stadträtin Ursula Stämmer. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

«Fast niemand glaubte an das Geld des Trusts, als das Projekt Neue Theaterinfrastruktur von Stadt und Kanton Luzern angegangen wurde», sagt der zuständige Regierungsrat Reto Wyss gegenüber unserer Zeitung. Doch für ein neues Musiktheater werden die 80 Millionen Franken wohl nicht reichen. Die Luzerner Stadträtin Ursula Stämmer hat bereits angetönt, dass sich Stadt und Kanton beteiligen müssten. Das Gebäude des Luzerner Theaters muss saniert werden. Deshalb ist es laut Wyss legitim, dass die öffentliche Hand in den geplanten Ersatzbau, in die Salle Modulable, investiert. Eine Option sei, dass weitere private Geldgeber beigezogen werden. Das ist Teil der Machbarkeitsstudie, die bis Ende 2015 erarbeitet wird.

Wyss: «Kosten müssen tiefer sein»

Wie viel die Salle Modulable dereinst kosten wird, ist offen. Bevor das Projekt im Jahr 2010 scheiterte, rechnete man mit einer Investition von 157 Millionen und sprach von einer sehr seriösen Berechnung. Laut Wyss sind diese Kosten heute nicht mehr realistisch. Damals sei auch der Neubau der Hochschule Luzern – Musik eingerechnet worden, die nun aber in einen eigenen Bau neben dem Kulturzentrum Südpol in Luzern zieht. Wyss stellt klar: «Die Kosten müssen tiefer sein.» Konkretere Angaben kann er nicht machen, da Berechnungen noch nicht vorliegen würden.

Bereits absehbar ist für Wyss, dass der Betrieb des neuen Musiktheaters teurer als beim heutigen Luzerner Theater sein wird. «Die neue Infrastruktur ist grösser und wird sicher Mehrkosten verursachen.» Gleichzeitig betont er, dass am heutigen Betriebsbeitrag von 21,3 Millionen Franken (Stadt 30 Prozent, Kanton 70 Prozent) nicht gerüttelt wird. Die zusätzlichen Kosten sollen durch Mehreinnahmen kompensiert werden. «Das neue Musiktheater kann vielseitiger genutzt werden.»

Letztlich wird wohl auch das Volk mitreden. Wyss geht davon aus, dass bei allen drei zur Diskussion stehenden Standorten in der Stadt eine Zonenplanrevision nötig wird.

Falls der Kanton selber als Bauherr auftritt, wird das obligatorische Referendum (ab einem Bruttobetrag von 25 Millionen Franken) zum Tragen kommen. Tritt aber wie beim KKL eine Stiftung oder eine andere Art von Gesellschaft als Bauherrin auf, ist die Grenze für eine Volksabstimmung je nach Form der Trägerin verschieden.

Viel Freude und noch mehr Fragen

Fragt man die Parteien, werden mit Spannung weitere Details erwartet:

  • CVP: «Ich verspüre eine tolle Aufbruchstimmung», sagt Ludwig Peyer, Kantonsrat und CVP-Fraktionschef. Luzern erhalte eine historische Chance. «So etwas kommt nie wieder.» Er will das Konzept abwarten. «Über Investitionsbeiträge kann man später sprechen.»
  • SVP: «Wir haben ein Problem gelöst, jetzt kommen neue hinzu», sagt Marcel Lingg, SVP-Fraktionschef im Grossen Stadtrat. Das Projekt werde kein Selbstläufer. «Bei der Abstimmung zur Gütsch-Bahn ging es um 1,7 Millionen Franken. Jetzt reden wir von 20, vielleicht 30 Millionen für die Stadt plus den jährlichen Betriebskosten.
  • FDP: «Diese Chance muss gepackt werden», sagt Sonja Döbeli, Grossstadträtin und FDP-Fraktionschefin. Um über konkrete Beiträge zu diskutieren, sei zu früh. FDP-Kantonsrat Andreas Moser:«Jetzt gilt es, Voraussetzungen zu schaffen, damit eine neue Theaterinfrastruktur als Private-Public-Projekt gelingen kann. Dazu gehört auch eine mögliche Beteiligung der öffentlichen Hand.»
  • SP:Priska Lorenz, SP-Fraktionschefin im Kantonsrat, freut sich,bedauert aber, dass der Rechtsstreit und die Planung rund einen Drittel der ursprünglichen Gelder auffressen. Sie sagt: «Es braucht keinen Prestigebau, sondern ein zweckmässiges Gebäude.» Inhalte seienwichtig, nicht Gebäudehüllen.
  • Grüne:«Der Ausgang des Rechtsstreitserleichtert die Finanzierung der Neuen Theaterinfrastruktur», sagt Nino Froelicher, Fraktionschefder Grünen im Kantonsrat. Das Gesamtpaket «Kulturförderung» müsse im Fokus stehen. «Die Arbeiten verdienen unsere volle Unterstützung.»Korintha Bärtsch, Grossstadträtin und Fraktionschefin Grüne: «Die Salle Modulable hat nur eine Chance, wenn sie kein High-Society-Projekt ist.»
  • GLP: «Die Einigung ist grossartig», sagt GLP-Grossstadtrat Stefan Sägesser.Von einem Maximalbetrag bereits heute zu sprechen, wäre vermessen. Klar seinur, dass die 80 Millionen wohl nicht reichten.Michèle Graber, GLP-Fraktionschefinim Kantonsrat, sagt in Anbetracht der Sparprogramme: «Der Zeitpunkt für die Planung von zusätzlichen Investitionen ist nicht gerade günstig, weder für die Stadt noch für den Kanton.» Dass die Öffentlichkeit explizit für die Betriebskosten aufkommen soll, sehe sie nicht.


Flurina Valsecchi

Gefragt ist ein Leuchtturm-Projekt

«Wichtig, aber zugleich auch problematisch ist bei solchen Projekten die Einzigartigkeit», sagt Immobilienspezialist Michael Trübestein. «Da kann kein Bau von der Stange realisiert werden.» Die Anforderungen betreffend Standort, Architektur und Nutzung seien bei einem Musikhaus viel höher als bei einem «normalen» Bau, erklärt Trübestein, der als Professor an der Hochschule Luzern – Wirtschaft tätig ist.

Das neue Musiktheater werde wie auch das KKL eine Art Leuchtturm-Funktion in der Stadt einnehmen. Deshalb brauche es einen visionären und renommierten Architekten, der ausreichend Ressourcen und die Erfahrung im Bau solcher Häuser mitbringen könne.

Die Kosten sind für Trübestein heute nur sehr schwer abschätzbar. Wahrscheinlich würden die bereits vorhandenen 80 Millionen Franken für ein architektonisch einmaliges Projekt in der geplanten Grösse nicht reichen. Da sei der ursprüngliche Projektbetrag von 157 Millionen Franken schon realistischer. Wichtig sei, dass die Nutzer schon frühzeitig ins Projekt eingebunden würden.

flu