LUZERN: Muss Musik Hug wegziehen?

Der Umsatz von Musik Hug ist in einigen Bereichen förmlich eingebrochen. Nun überprüft die Firma den Standort am Kapellplatz, denn die Mieten in der Altstadt sind hoch.

Drucken
Teilen
Musik Hug auf dem Kapellplatz in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Musik Hug auf dem Kapellplatz in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Sandra Monika Ziegler

Detaillisten haben in der Stadt Luzern einen schweren Stand (wir berichteten). Doch auch grössere Geschäfte haben zu kämpfen. So ist Musik Hug zurzeit daran, den Standort Luzern zu überprüfen. Denn das Internet hat den Musikmarkt nachhaltig verändert Tonträger und Musiknoten kauft man kaum noch im Musikgeschäft. «Der Rückgang in einzelnen Sparten bewegt sich zum Teil im zweistelligen Prozentbereich», sagt Andy Sutter, Leiter Marketing und Geschäftsleitungsmitglied von Musik Hug AG. So sei zum Beispiel der Verkauf von Tonträgern in den letzen zehn Jahren um 80 Prozent eingebrochen. Und neben dem Notenverkauf gab es auch Einbussen bei den Saiten- und Blasinstrumenten. Musik Hug betreibt seit 1971 eine Filiale am Luzerner Kapellplatz auf mehreren Etagen. Kann sich die Firma eine so grosse Ladenfläche an so prominenter Lage noch leisten? Andy Sutter sagt dazu lediglich: «Alle Standorte werden laufend überprüft, so auch die Filiale in Luzern.»

St. Gallen: Weg von der Innenstadt

In St. Gallen hatte eine solche Standortüberprüfung einschneidende Konsequenzen: Ende 2013 zog Musik Hug von der Innenstadt in die St. Galler Peripherie und redimensionierte auch das Angebot. Fortan ist Hug in St. Gallen nur noch als Fachgeschäft für Tasteninstrumente und Gitarren präsent. Denn bei Musik Hug betrachtet man den Bereich Tasteninstrumente als eigentliches Kerngeschäft.

Dass in Luzern Ähnliches geplant ist, will man bei Musik Hug so nicht bestätigen. Allerdings ist von mehreren Quellen unabhängig voneinander zu erfahren, dass entsprechende Überlegungen durchaus konkret sind. Pierre Rügländer, Präsident des Quartiervereins Altstadt, sagt dazu: «Auf Umwegen habe auch ich davon erfahren. Ich war erstaunt, weiss aber nichts Näheres dazu.»

Kommt eine Schmuckfirma?

Was aber, sollte Musik Hug dereinst tatsächlich vom Kapellplatz wegziehen? Dann dürfte das dortige, an bester Passantenlage gelegene Gebäude bei anderen Unternehmen wohl auf grosses Interesse stossen. Offenbar soll sich bereits eine grosse Schmuckfirma von der Zürcher Bahnhofstrasse für den Standort am Kapellplatz interessieren. Deren CEO wollte gegenüber unserer Zeitung allerdings keine Stellung nehmen. «No comment» hiess es auf Nachfrage.

Das sind die Mieten in der Altstadt

Unter Druck kommen Detaillisten und mittelgrosse Firmen wie Musik Hug auch aufgrund der steigenden Mieten in der Luzerner Altstadt. Für grosse Handelsketten sind diese verkraftbar, für einen Einzelbetrieb jedoch kaum mehr. Allerdings sind die Mieten am Kapellplatz im Vergleich zu den Hotspots Grendel oder Weggisgasse im «unteren» Segment. So ist am Kapellplatz gemäss einem Insider ein Mietzins zwischen 700 und 900 Franken pro Quadratmeter/ Jahr üblich. Zum Vergleich: Am Kornmarkt werden zwischen 1100 und 1300 Franken verlangt, am Schwanenplatz sogar zwischen 1700 und 2000 Franken.

Musik Hug betreibt insgesamt elf Filialen in der ganzen Schweiz. Die Luzerner Filiale am Kapellplatz hat ein umfassendes Angebot: Werkstätten für Tasten-, Blas-, Streich- und Zupfinstrumente; zudem befindet sich im Musik Hug einer der letzten grösseren CD-Läden der Stadt Luzern, und die Musiknotenabteilung gehört ebenfalls zu den grössten der Stadt. In Luzern arbeiten aktuell 25 Personen, davon fünf in Teilzeitpensen.

Musikalien im Korsettladen

Die Geschichte des Familienunternehmens Hug geht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Damals beschäftigten die Gebrüder Caspar und Jakob Christoph Hug Agenten in verschiedenen Städten. Diese suchten Personen, die die Kundschaft mit Musikalien und Instrumenten versorgten und die Pakete der Leihabonnenten abgaben und auch in Empfang nahmen. In Luzern war dieses Depot um 1870 bei einem Ehepaar Auer untergebracht. Dieses betrieb hauptsächlich ein Atelier «für neueste Pariser Corsets». Doch diese Abgabestelle wurde bald einmal zu klein. So kam es, dass 1874 das Atelier zu einer Filiale von Musik Hug ausgebaut wurde. Besonders floriert hat das Geschäft ab 1938, dem Gründungsjahr der Internationalen Musikfestwochen Luzern. Denn mit dem Festival kam auch eine illustre Schar prominenter Musiker an den Vierwaldstättersee. Darunter Persönlichkeiten wie Wilhelm Furtwängler, Beniamino Gigli oder Edwin Fischer, die alle auch in den Laden kamen.

Mitarbeit: Hugo Bischof