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LUZERN: Nach 57 Jahren ist Schluss

Der Losverkäufer gehört seit Jahrzehnten zum Bahnhofsbild. Jetzt gibt das Bundesgericht den SBB Recht: Bis am Mittwoch muss der Stand geräumt sein.
Raphael Gutzwiller
Markus Rüttimann vor seinem Losstand im Bahnhof Luzern. Er hat einen langen Rechtsstreit verloren. (Bild Philipp Schmidli)

Markus Rüttimann vor seinem Losstand im Bahnhof Luzern. Er hat einen langen Rechtsstreit verloren. (Bild Philipp Schmidli)

Raphael Gutzwiller

Seit 1958 steht die Losverkaufsstelle im Untergeschoss des Luzerner Bahnhofs. «Mein Vater hat den Stand eröffnet», sagt Markus Rüttimann (62), Besitzer der sogenannten Black Box. 1976 hat er den Stand von seinem Vater übernommen. Damals war die Stadt Luzern noch Vermieterin der Bahnhofunterführung, später ging der Vertrag auf die SBB über. Rüttimann blieb im Bahnhof, seit 1992 mit einem neuen Häuschen, der Black Box. «Sie wurde extra für den Bahnhof gebaut und sollte sich architektonisch in den Bahnhof einfügen», sagt Rüttimann. 180 000 Franken bezahlte Rüttimann damals, das renommierte Architekturbüro Marques/Zurkirchen entwarf den Kubus.

Rüttimann muss nun nach 57 Jahren mit seinem Losstand den Bahnhof verlassen. Die SBB teilten ihm in einem Schreiben vom 8. September mit, dass die Mietfläche am 16. September leer geräumt sein soll. «Ich bin sehr enttäuscht und wütend», sagt der Losverkäufer aus Leidenschaft.

«Letzter kleiner Laden»

Bereits 2011 haben die SBB Rüttimann gekündigt, darauf entbrannte ein jahrelanger Rechtsstreit. Der Fall wurde bei der kantonalen Schlichtungsstelle, dem Bezirksgericht Luzern, dem Kantonsgericht Luzern und dem Bundesverwaltungsgericht St. Gallen behandelt. Schlussendlich entschied das Bundesgericht in Lausanne: Die SBB hätten nicht widerrechtlich gehandelt. «Mir ist schleierhaft, wie man auf diesen Entscheid kommt», so Rüttimann dazu. Er hat alles versucht, trat unter anderem mit Bundesrätin Doris Leuthard sowie dem Regierungsrat und dem Stadtrat in Kontakt, um für den Erhalt seines Standes zu kämpfen. Er ist von den Politikern enttäuscht. «Der Stadtrat muss einen Feststellungsentscheid für einen Abbruch zustellen. Das zeigt, dass ihn das Thema durchaus etwas angeht, er hat das letzte Wort. Deshalb bin ich enttäuscht, dass sich der Stadtrat nicht aktiv für unseren Losstand einsetzt», sagt Rüttimann. «Mit ihm verschwindet der letzte kleine Laden des Bahnhofs.»

Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, sagt auf Anfrage unserer Zeitung: «Wir bedauern sehr, dass der Losverkäufer auszieht.» Die SBB haben Markus Rüttimann angeboten, den Stand um rund 50 Meter zu versetzen. «Wir wollten die Box nie aus dem Bahnhof haben», sagt Schärli. Rüttimann ist auf das Angebot nicht eingegangen. «Es handelte sich um ein Scheinangebot, das die SBB erst kurz vor Prozessbeginn machten», so Rüttimann. Das Angebot wäre zudem befristet gewesen. «25 000 Franken für den Umzug in die Hand zu nehmen, war mir dann zu heikel.»

Gemäss SBB habe der bisherige Standort aus verschiedenen Gründen nicht mehr gepasst. «Unter anderem wäre der Stand bei den Umbauarbeiten im Weg gestanden», so Schärli. Gegenüber dem Losverkäufer gaben die SBB an, der Stand passe nicht ins architektonische Bild und behindere den Personenfluss. «Das ist doch hirnrissig», findet Rüttimann. «Die Box ist zwischen zwei Säulen und nicht im Weg. Ausserdem behindert der Weihnachtsmarkt den Personenfluss mehr.» Auf dieses Argument entgegnet SBB-Sprecher Schärli: «Der Weihnachtsmarkt ist befristet und kann nicht mit einem durchgehenden Stand verglichen werden.»

Bis Montag noch offen

Die Black Box bleibt bis am Montag in Betrieb, am Dienstag wird sie abgebrochen. «Sie kommt danach in den Abfall», so Rüttimann. Eine Wiederverwertung käme nicht in Frage, so der Losverkäufer. «Sie wurde für den Bahnhof gebaut und gehört auch dorthin.» Rüttimann behält die Loszentrale am Hirschengraben. Ganz aufgegeben hat er die Hoffnung für den Standort Bahnhof nicht: «Ich hoffe, dass sich ein Politiker engagiert, damit wir im letzten Moment eine Lösung finden können.»

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