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LUZERN: Nachts am Hang: Die Pistenbullyfahrer von Sörenberg

Wenn die Wintersportler ihren Aprés-Ski und die meisten Berufsleute ihren Feierabend geniessen, beginnt die Schicht der Pistenbullyfahrer. Wir haben uns mit ans Steuer gesetzt und erfahren: Die harte Arbeit hat auch eine romantische Seite.
Roger Rüegger
Reportage- unterwegs mit den Pistenbullys bei der Pistenpräparation im Sörenberg. Im Bild: Ein Pistenbully präpariert die Dorfpiste. Fotografiert am 15. Februar 2018 in Sörenberg. (Manuela Jans-Koch | LZ) (Bild: Manuela Jans-Koch (Sörenberg, 15. Februar 2018))

Reportage- unterwegs mit den Pistenbullys bei der Pistenpräparation im Sörenberg. Im Bild: Ein Pistenbully präpariert die Dorfpiste. Fotografiert am 15. Februar 2018 in Sörenberg. (Manuela Jans-Koch | LZ) (Bild: Manuela Jans-Koch (Sörenberg, 15. Februar 2018))

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Die Schicht endet für die Pistenbullyfahrer in Sörenberg um 22.40 Uhr. Kilian Bucher (28) und Herbert Wicki (58) steuern ihre Maschinen mit bestechender Präzision in die Garage bei der Gondelbahn Talstation Rossweid. Zwischen die Seilwinde von Herberts Bully und dem Kabelkanal an der Garagendecke passt kein Handschuh und auch der Bereich der Einfahrt ist keinen Zentimeter zu breit.

Herbert füllt in seinem Dienstfahrzeug den Dieselzusatz AdBlue auf, dann ist für die Gruppe, der sechs Fahrer angehören, Feierabend. «Ich weiss nicht, wann wir das letzte Mal bei einer Abendpräparation so früh Schluss machen konnten», sagt Kilian. Grund für die relativ kurze Schicht: Es regnet seit dem Morgen fast ununterbrochen. Herbert erklärt: «Deshalb waren nicht viele Leute auf den Pisten unterwegs, so mussten wir nicht das ganze Gebiet präparieren.»

Stunden früher: In Sörenberg haben sich an diesem verregneten Donnerstag Nachmittag neben dem Journalisten zwei Personen für eine Fahrt im Pistenbully angemeldet. Sie machen von dem seit einigen Jahren existierenden Angebot Gebrauch, die Maschinisten im Pistenbully als Co-Piloten zu begleiten (siehe grössere Box). Pünktlich um 16.30 Uhr geht es los. Zum Glück für die Abenteuerlustigen. Denn würde es stark schneien, würde sich der Arbeitsbeginn auf den frühen Morgen verschieben, damit die Skipisten am nächsten Tag picobello hergerichtet sind und nicht allzu viel Neuschnee liegt. «Bei gemeldetem starkem Schneefall passen wir unseren Einsatz an», sagt Herbert.

Doch, wie gesagt, an diesem Donnerstag regnet es. Bevor die Motoren losrattern, checken die Männer ihre Maschinen. Raupen und Hydraulikschläuche werden ebenso kontrolliert wie Wasser und Öl.

Kilian befestigt am Schild seines Parkbullys eine Anhängerkupplung. «Wir müssen erst zwei Anhänger mit Material für die Telemark-Schweizermeisterschaft an den Streckenrand transportieren, erst dann beginnen wir mit dem Präparieren der Abfahrten», erklärt er den Pistenbully-Copiloten den Ablauf. Die SM wird Tage später bei idealen Bedingungen stattfinden.

Kilian und ich besteigen nun die Kabine des modernen Parkbullys und rattern los. Mit Leichtigkeit steuert der Profi sein Gerät mit einer Arbeitsbreite von 5,5 Metern quer über die Piste Richtung Parkplatz, wo drei Männer mit einem beladenen Anhänger warten. Kilian begibt sich ins Freie, hilft beim Ankuppeln und zieht dann den Anhänger rückwärts den Hang hoch. Dasselbe wiederholt er mit einem Barwagen, der in der Nähe der Rennstrecke platziert wird. Danach setzt Kilian den Bully zurück, senkt den Schild und schiebt eine Schicht Schnee vor den Barwagen. Zwei-, dreimal rollt er mit herabgelassener Fräse am Heck über die herbeigeführte Schneemasse. Das Resultat ist eine topfebene Fläche, von der aus Zuschauer die Rennen verfolgen werden können. Das Ganze dauert kaum länger als 15 Minuten, dann fährt Kilian den Berg hoch, vorbei an einer 360 Grad-Steilwandkurve und einer Schanze, die er für das Telemark-Rennen bereits einen Tag zuvor mit seinem Parkbully angefertigt hat.

Wenn kein Schnee liegt, lassen es die Männer schneien

Nun aber widmet sich Kilian Bucher dem Tagesgeschäft, also der Präparation der Piste. «Wir beginnen immer oben und arbeiten uns nach unten ins Tal», erklärt der Mann, der die sechste Saison im Bully sitzt. Obwohl es den ganzen Tag regnet in Sörenberg, macht er sich keine Sorgen um die Schneemenge. «Es hat genug, der Winter meinte es bisher gut mit den Skigebieten», sagt er zufrieden. Das war auch schon anders. Wie beschäftigen sich die Fahrer der Pistenbullys, wenn kein Schnee liegt? «Dann schneien wir, damit es etwas zu fahren gibt. Wir sind auch für die künstliche Beschneiung des Gebiets zuständig», erklärt er lachend.

Inzwischen ist es dunkel geworden, der Regen hält an. Die Männer in den Pistenbullys stehen miteinander in Funkkontakt. «Sind noch Personen auf der Piste?», will ein Pilot wissen. Ein anderer antwortet, dass sich in einer Hütte noch Gäste befänden, die später garantiert auf der Piste auftauchen würden. Für die Bullyfahrer bedeutet dies, dass sie oberhalb der Streckenabschnitte, die sich gerade bearbeiten, Warnschilder aufstellen müssen.

Die Arbeit der Pistenbullyfahrer zu später Stunde in den Bergen hat etwas Romantisches. Hin und wieder erscheint im Licht der Scheinwerfer ein Hase oder ein Fuchs. Und immer wieder taucht in der Ferne ein Lichtkegel eines anderen Bullys am Berg auf. «Herrlich, ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen, als im Winter am Steuer meines Bullys zu sitzen», sagt Kilian, der gelernte Landmaschinenmechaniker, der im Sommer in der Werkstatt der Bergbahnen arbeitet.

Skilageratmosphäre in der Mittagspause

Nach drei Stunden treffen sich die Maschinisten und die drei Co-Piloten auf der Schwarzenegg zum Nachtessen. Fast gleichzeitig treffen weitere Pistenbullys, die aus verschiedenen Richtungen zufahren, ein. Man könnte meinen, die hätten die Anfahrt für die Gäste einstudiert. Im Restaurant sind Salatschüssel und Platten mit Braten, Gemüse und Teigwaren für die Mannschaft bereitgestellt und auf einem langen Tisch dampft heisser Tee aus Blechkannen. Szenen wie im Skilager.

Die sechs Männer erzählen von Erlebnissen des Tages. Es scheint sich um die Arbeit zu drehen, dennoch verstehen die Co-Piloten praktisch nur Bahnhof. Von Körben, einem neuen Fahrzeug und dem Starthüttli für das Rennen ist die Rede. Was es mit den Themen auf sich hat, ist kaum rauszuhören. Nach dem Dessert – die unglaublich guten Nussgipfel haben das Volumen und die Form frisch gewaschener zusammengerollter Skisocken – begeben sich die Maschinisten wieder an die Arbeit. Weiter geht es jetzt mit Herbert Wicki. Der 58-jährige Chef der Fahrer fühlt sich im Cockpit des neuen, mit 455 PS ausgestatteten Pistenbullys mit 12,8 Liter Hubraum, bestens aufgehoben. Anders als der Parkbully ist diese Maschine mit einer Seilwinde ausgestattet. Die wird auf der Piste an Fixpunkten angeschlossen. «Die Bullys könnten auch ohne die Seilwinden das Gelände hier in Sörenberg hochfahren. So ist aber eine exaktere Präparation der Piste möglich, weil das Fahrzeug auch bei extremer Neigung nicht rutscht», erklärt Herbert, der die 38. Saison in der Kabine sitzt.

Ein Fahrer meldet via Funk, dass die erwähnten Gäste die Hütte vor einiger Zeit verlassen haben und bereits im Tal sind. Herbert ist sichtlich zufrieden, dass er sich keine Gedanken um Personen auf der Piste machen muss. So kann er sich ganz der Präparierung widmen. Die relativ kurze Piste beim Dorflift fährt er zigmal hoch und runter. Er hinterlässt weder Übergänge noch Schneebrocken und schon gar keine Eisplatten. Alles wird mit der Fräse und dem Schild flachgedrückt und pulverisieret. «Schneesportler mögen keine Unebenheiten und Behinderungen, sondern schätzen eine sauber präparierte Piste. Wir legen Wert darauf, dass man hier genau eine solche antrifft», sagt Herbert. Wer am frühen Morgen Spuren eines Pistenfahrzeugs im Schnee erblickt, kann sich vielleicht nicht vorstellen, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Wenn man den Nussgipfel nach dem Abendessen als Nachspeise auch fast nicht bewältigen konnte – das eigentliche Dessert kommt jetzt und ist gut bekömmlich. Denn ein Co-Pilot darf hin und wieder selber ans Steuer eines Pistenbullys. Den Joystick für Fräse und Schild, jener des Parkbullys hat 24 Funktionen, sollte man jedoch besser nicht anrühren; der ist den Profis vorbehalten. Das Lenkrad ist klein und sportlich und liegt gut in der Hand. «Nur ein wenig korrigieren, nicht zu sehr am Steuer drehen», warnt Herbert. Zu Recht. Auch ein geübter Autofahrer erschrickt, wie sensibel der Koloss auf Raupen reagiert.

Später übernimmt Herbert das Cockpit wieder. Zu Recht. Denn ganz ehrlich: Eine echte Hilfe bei der Präparierung der Piste ist der Co-Pilot nicht.

Reportage- unterwegs mit den Pistenbullys bei der Pistenpräparation im Sörenberg. Im Bild: Kilian Bucher fährt den sechsten Winter Pistenbully. Fotografiert am 15. Februar 2018 in Sörenberg. (Manuela Jans-Koch | LZ) (Bild: Manuela Jans-Koch (Sörenberg, 15. Februar 2018))

Reportage- unterwegs mit den Pistenbullys bei der Pistenpräparation im Sörenberg. Im Bild: Kilian Bucher fährt den sechsten Winter Pistenbully. Fotografiert am 15. Februar 2018 in Sörenberg. (Manuela Jans-Koch | LZ) (Bild: Manuela Jans-Koch (Sörenberg, 15. Februar 2018))

Reportage- unterwegs mit den Pistenbullys bei der Pistenpräparation im Sörenberg. Im Bild: Herbert Wicki präpariert mit der Seilwinde die Pisten beim Hundsknubel Fotografiert am 15. Februar 2018 in Sörenberg. (Manuela Jans-Koch | LZ) (Bild: Manuela Jans-Koch (Sörenberg, 15. Februar 2018))

Reportage- unterwegs mit den Pistenbullys bei der Pistenpräparation im Sörenberg. Im Bild: Herbert Wicki präpariert mit der Seilwinde die Pisten beim Hundsknubel Fotografiert am 15. Februar 2018 in Sörenberg. (Manuela Jans-Koch | LZ) (Bild: Manuela Jans-Koch (Sörenberg, 15. Februar 2018))

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