LUZERN: Naiv gegen das Waffengesetz verstossen

Wöchentlich belangt die Staatsanwaltschaft private Waffenfans, die Softairguns illegal ins Land einführen. Viele wissen nicht: Obwohl sie nicht scharf schiessen können, ist der Import bewilligungspflichtig.

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Waffenexperte Josef Rust. Er hat in seinem Büro auch eine Kopie des Sturmgewehrs HK G36C. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Waffenexperte Josef Rust. Er hat in seinem Büro auch eine Kopie des Sturmgewehrs HK G36C. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Beim ultrakurzen Sturmgewehr G36C, hergestellt von der deutschen Waffenschmiede Heckler & Koch, handelt es sich um eine Waffe, die für Spezialeinsatztruppen der Polizei und des Militärs entwickelt wurde. Mit diesem Gewehr von der Grösse einer Maschinenpistole, werden im Training oder im Ernstfall 5,56-Millimeter-Nato-Patronen verschossen. Ein Exemplar findet sich auch im Büro von Josef Rust, Waffen- und Sprengstoff-Spezialist bei der Luzerner Kriminalpolizei. Beim Gewehr an Rusts Arbeitsort handelt es sich allerdings nicht um ein Original, sondern um einen Nachbau aus Kunststoff. Daher wiegt die Kopie auch nur wenige hundert Gramm, ist aber dem Original zum Verwechseln ähnlich. Selbst ein Fachmann wie Rust kann ein solches Gerät erst auf den zweiten Blick von einer echten Waffe unterscheiden.

Szenenwechsel: Am 18. März 2013 überfällt ein 42-Jähriger eine Bankfiliale im emmentalischen Lützelflüh. Bei seinem Raubzug erbeutet der Mann eine halbe Million Franken. Um seinem Handeln Nachdruck zu verleihen, zückt der Verbrecher eine Softairgun. Das macht Eindruck. So sagte ein Opfer später vor Gericht: «Ich hatte Todesangst.»

Laut Gesetz sind es Waffen

Auch über folgendes Ereignis, das sich vor knapp einem Jahr in der Stadt Bern zutrug, wurde schweizweit in den Medien berichtet: «Mindestens viermal haben Unbekannte am Wochenende aus einer blauen Limousine heraus mit einer Softairgun auf Passanten geschossen», schrieb die Bernerzeitung dazumal. Bei diesen Vorfällen, die sich innert weniger Stunden während eines Novemberwochenendes abspielten, wurden mehrere Personen leicht verletzt. Laut Augenzeugen sollen sich im Auto mindestens drei Personen aufgehalten haben. Vergleichbare Fälle ereigneten sich auch in Luzern.

Die beiden Beispiele zeigen: Softairguns werden auch zu kriminellen Zwecken verwendet. Glücklicherweise ist das aber nicht der Hauptgrund, weshalb diese Waffennachbildungen zu Hauf angeschafft werden. Liebhaber von Pistolen und Gewehren erwerben diese Imitationen einerseits als Sammelobjekte, vergleichbar mit Leuten, die Modellautos in Glasvitrinen stellen. Andererseits aber treffen sich die Waffenliebhaber auf speziell dafür gebauten Arealen zu Schiessmeetings, bei denen mitunter Gefechtssituationen – eine Art Krieg light – nachgestellt werden.

Dies alles interessiert Josef Rust jedoch höchstens am Rande. Echte Sorgen bereitet ihm hingegen, dass er sich immer wieder mit Strafbefehlen herumschlagen muss, die im Zusammenhang mit Softairgun-Transfers vom Ausland in die Schweiz ausgelöst werden. Josef Rust sagt: «Wöchentlich müssen Strafbefehle ausgestellt werden.»

Ein eigentlich unnötiger Leerlauf, der leicht zu vermeiden wäre. Nämlich dann, wenn sich die Käufer der Imitationsprodukte bewusst wären, dass ihre Pistolen oder Gewehre, die sie meist via Internet respektive dann durch die Post in die Schweiz einführen, unters Waffengesetz fallen. Wer nicht genau Bescheid weiss und Knatsch vermeiden will, kontaktiert die Spezialisten bei der Polizei.

Berufschancen vermasselt

Fachleute wie Rust sprechen von einer Verbring-Bewilligung, landläufig auch Einfuhrbewilligung genannt, die beim Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Waffen, eingeholt werden muss. Und zwar bevor die Artikel in die Schweiz eingeführt werden.

Der Experte präzisiert: «Der Kauf gilt, sobald er per Mausklick bestätigt wird.» Liegt in diesem Moment die erwähnte Bewilligung nicht vor und das Ganze fliegt bei einer Zollkontrolle auf, steht Ärger ins Haus. Denn das Delikt wird in der Folge nicht im Ordnungsbussenverfahren abgewickelt, sondern wächst sich zur Angelegenheit für die zuständige Staatsanwaltschaft aus und mündet in einem Strafbefehl. Rust sagt: «Geldstrafen von mehreren hundert Franken sind die Regel.»

Dazu gibt es einen Eintrag ins Strafregister. Junge Leute können sich damit auf naive und leichtfertige Art Zukunftschancen vermasseln. Das gilt auch für die Einfuhr von Waffen, wie Schlagringe, die in der Schweiz gänzlich verboten sind. Berufe, für die Vorstrafen tabu sind, bleiben für die fehlbaren Waffenimporteure dann für längere Zeit Wunschdenken.

Thomas Heer