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LUZERN: Netzwerk «Paparazzi» hilft, das Eis zwischen jungen Vätern zu brechen

Der Luzerner Simon Duss hat ein Netzwerk gegründet, das jungen Vätern helfen soll, untereinander Kontakte zu knüpfen. Davon würden nicht zuletzt auch deren Frauen profitieren.
Simon Duss mit seinem Sohn Noah auf dem Arm auf dem Spielplatz am Rotsee. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 2. März 2018))

Simon Duss mit seinem Sohn Noah auf dem Arm auf dem Spielplatz am Rotsee. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 2. März 2018))

Ein Vater, der mit seinen Kindern einen Spielplatz aufsucht, ist dort oftmals der einzige seiner Art. «Die Mütter sind in der Überzahl und als Mann besteht da eine gewisse Hemmschwelle, ins Gespräch zu kommen. Frauen untereinander fällt das leichter», sagt Simon Duss. Der 30-jährige Lehrer aus der Stadt Luzern hat das Netzwerk Paparazzi für junge Väter gegründet. Er organisiert seit Anfang Jahr jeden Monat ein Treffen – abwechselnd mit und ohne Kinder.

«Ich bin vor eineinhalb Jahren Vater geworden, in meinem engeren Kollegenkreis war ich der erste», sagt Duss. «Da habe ich festgestellt, dass es mir fehlt, mich mit anderen Vätern auszutauschen.» Also habe er sich in der Nachbarschaft und im erweiterten Kollegenkreis umgehört und festgestellt, dass es auch anderen jungen Vätern so geht. «Männer haben generell mehr Hemmungen, sich zu öffnen – auch untereinander. Es ist als Mann nicht üblich, dass man jemanden anspricht, um über Themen wie Erziehung, Beziehung oder Geburt zu reden.»

«Selbsthilfegruppe für Väter»

Das Netzwerk Paparazzi soll dabei helfen, das Eis zu brechen. «Es ist – überspitzt gesagt – eine Selbsthilfegruppe für Väter», sagt Duss mit einem Augenzwinkern. Mit dem Namen Paparazzi bezieht er sich übrigens nicht auf Boulevard-Fotografen – dieser setzt sich aus den Wörtern «Papa» und «Ragazzi» (italienisch für Jungs) zusammen.

Im Januar habe Duss einen Brunch organisiert, zu dem sieben Väter und acht Kinder gekommen seien. Beim Feierabendbier-Treffen im Februar ohne Kinder erschienen dagegen nur zwei Personen. «Der Anlass fand an einem Freitagabend statt. Dann haben jeweils schon viele etwas vor, wie eine kurze Umfrage danach ergeben hat», sagt Duss. Darum organisiert er das Feierabendbier-Treffen künftig donnerstags.

Als weitere Anlässe sind in den kommenden Monaten ein Schlitteltag, eine Wanderung zum Meggenhorn, eine Zeltnacht oder eine Diskussionsrunde zum Thema Vaterschaft und Beziehung geplant. Die Treffen finden jeweils am Wochenende oder abends statt.

Weiter gebe es eine Whatsapp-Gruppe mit inzwischen rund 20 Mitgliedern, um das Netzwerk auch ausserhalb der Anlässe aufrechtzuerhalten. «Diese ist für spontane Treffen gedacht – etwa auf einem Spielplatz unter der Woche oder ein gemeinsames Znacht bei jemandem zu Hause.»

Für die Anlässe ist jeweils keine verbindliche Anmeldung nötig. «Ich will das Angebot so niederschwellig wie möglich halten», sagt Duss. «Es soll keine Zusatzbelastung sein, sondern Spass machen.» Die Väter müssen bei Ausflügen daher jeweils die Verpflegung oder das Billett für sich und ihre Kinder selber organisieren. Davon, dass sich Väter treffen, würden übrigens nicht nur die Männer und Kinder profitieren. «Auch meine Frau ist froh, wenn ich etwas unternehme. Das schafft für sie Freiraum.»

Spezifisches Netzwerk fehlte bis anhin

Um Männer untereinander zu vernetzen, gibt es in Luzern bereits den Verein «manne.ch», auch als «Mannebüro» bekannt. Der Verein führt ein Beratungstelefon und organisiert Anlässe wie Apéros, das winterliche Männerpalaver und Morgenessen. Ebenso wurde ein Crash-Kurs für angehende Väter lanciert (www.mencare.swiss). «Das ist eine gute Sache», sagt Simon Duss. «Auch Angebote wie Krabbelgruppen oder Indoor-Spielplätze in Turnhallen schätze ich sehr. Doch was mir bisher gefehlt hat, ist ein spezifisches Netzwerk für Väter.»

Raphael Calzaferri, Vorstandsmitglied von manne.ch, sieht Paparazzi denn auch als Ergänzung und weniger als Konkurrenz. «Sie sprechen eine andere Zielgruppe an.» Einerseits, weil das Netzwerk viel loser organisiert sei, aber auch, weil die Vereinsmitglieder von manne.ch eher etwas älter seien als die Teilnehmer der Paparazzi-Anlässe. Daher sei der Verein derzeit auch auf der Suche nach Leuten, die sich im Vorstand engagieren wollten. Mitgestaltung sei dabei ausdrücklich erwünscht.

Calzaferri nimmt als Privatperson ebenfalls wahr, dass unter jüngeren Männern ein Bedürfnis zur Vernetzung besteht. Er begrüsst daher das «spannende, neue Netzwerk». Für allfällige Kooperationen – etwa für einen Anlass am Vatertag – sei der Verein deshalb offen.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

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