LUZERN: Neubad-Keller wird ein Fall für die Justiz

Jetzt ist es klar: Der Keller des Neubads erfüllt die Vorgaben des Brandschutzes nicht – die Stadt hat die Durchführung von weiteren Veranstaltungen per sofort untersagt. Der Co-Geschäftsleiter hat eine Strafanzeige am Hals.

Lena Berger
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Das Neubad. (Bild: PD)

Das Neubad. (Bild: PD)

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

«Ich würde nie ein Lokal eröffnen, das nicht alle Auflagen der Sicherheit erfüllt. Das fordert der gesunde Menschenverstand.» Mit diesen Worten liess sich Neubad-Co-Geschäftsleiter Dominic Chenaux zitieren, als unsere Zeitung am 9. Juli publik gemacht hatte, dass das Kulturzentrum seinen Keller als Veranstaltungsraum nutzte, ohne dass eine Bewilligung vorlag. Seine Äusserungen hinterliessen den Eindruck, als sei die Abnahme durch die Behörden reine Formsache.

Jetzt aber zeigt sich: Der Keller erfüllt die Auflagen keineswegs. «Die Durchführung von weiteren Veranstaltungen wurde umgehend untersagt», sagt Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche der Stadt Luzern. «Es müssen Nachbesserungen bezüglich Lüftung und Brandschutz vorgenommen werden. Man kann das aus unserer Sicht nachrüsten. Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten bis Anfang September ausgeführt werden können.» Danach kann der Raum im Unter­geschoss für Veranstaltungen wieder genutzt werden – aus Sicherheitsgründen allerdings nur von maximal 50 Besuchern. «Für grössere Veranstaltungen ist eine Treppe, die vom Bistro im Erd­geschoss in den Keller führen soll, notwendig.»

Co-Geschäftsleiter trägt «die volle Verantwortung»

Dass der Raum monatelang ohne Bewilligung genutzt wurde, hat derweil ein juristisches Nachspiel. Die Gastgewerbepolizei hat bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Widerhandlungen gegen das Gastgewerbegesetz eingereicht. Dazu sagt Co-Geschäftsleiter Dominic Chenaux: «Strafanzeigen sind immer auf eine Person und nicht auf eine Institution ausgestellt. Wie ich bereits erwähnt habe: Ich übernehme die volle Verantwortung.» Er hatte schon im Juli angekündigt, allfällige Konsequenzen zu tragen. Bei einer Verurteilung droht eine Busse von bis zu 5000 Franken, in schweren Fällen bis 10 000 Franken.

Doch was genau ist der Grund, dass der Umbau durch die Behörden nicht – wie scheinbar erwartet – direkt freigegeben werden konnte? «Es handelt sich dabei um Nachbesserungen, die bei der gemeinsamen Begehung besprochen wurden – also teilweise auch um ergänzende Massnahmen.» So muss die Notbeleuchtung in den Mitarbeiterräumen des Kellers durch zwei zusätzliche Leuchtkörper ergänzt werden.

«Zudem muss eine der Leuchten auf eine andere abgesicherte Gruppe installiert werden. Bei diesen Beleuchtungen handelt es sich nicht um die Notausgangssignalisation», so der Co-Geschäftsleiter. Weiter gehe es um einen Nachweis über die Kapazität der Kellerlüftung sowie um die Lüftungspläne des Gebäudes. «Zudem müssen einige Löcher von alten Leitungen zu anderen Räumen geschlossen und muss im Treppenhaus ein Handlauf angebracht werden.» Die Nachbesserungen seien – mit Ausnahme des Handlaufs – ab­geschlossen und würden bis am 21. August den zuständigen Behörden gemeldet. Bereits am 7. September ist auf Facebook die nächste Party unter dem Motto «Tanz im Keller» angekündigt.

Die ganze Sache kommt für das Neubad zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Baudirektorin Manuela Jost hat angekündigt, dass der Vorfall in die Evaluation der Zwischennutzung einfliessen wird. Diese wird gemacht, bevor über eine allfällige Verlängerung der Zwischennutzung bis 2024 entschieden wird. Zufall oder nicht: Der Vorstand des Vereins Netzwerk Neubad hatte, kurz bevor die fehlende Bewilligung publik wurde, geschlossen seinen Rücktritt bekanntgegeben. Der Interimsvorstand besteht aus der Neubad-Leitung. Baudirektorin Manuela Jost hat bereits deutlich gemacht, dass die strategische und die operative Ebene «zeitnah wieder getrennt» werden sollen. Um die künftige Struktur des Vereins zu diskutieren, wurde Ende Juni ein Beirat eingesetzt. «Wir wollen uns demnächst treffen, um das möglichst rasch voranzutreiben», sagt dazu Beiratsmitglied und SP-Kantonsrat David Roth.