LUZERN: Neubaupläne abrupt gestoppt

Die Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) soll denkmalgeschützt werden. Dieser Entscheid durchkreuzt den Willen des Kantonsrats und hat ein klares Ziel: den Abriss zu verhindern.

Robert Knobel
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Ulrich Niederer, Direktor der Zentral- und Hochschulbibliothek, gestern Nachmittag auf dem Dach «seines» Hauses mit Blick in den Innenhof. (Bild Pius Amrein)

Ulrich Niederer, Direktor der Zentral- und Hochschulbibliothek, gestern Nachmittag auf dem Dach «seines» Hauses mit Blick in den Innenhof. (Bild Pius Amrein)

Das Chaos ist perfekt. Zum einen hat die Luzerner Regierung im vergangenen November vom Kantonsrat den Auftrag erhalten, am heutigen Standort der ZHB einen Neubau mit integriertem Kantonsgericht zu realisieren. Zum andern ist dieser Auftrag seit gestern faktisch obsolet. Denn die ZHB soll nun unter Denkmalschutz gestellt und somit jeglichen Abrissplänen entzogen werden. Dies hat die kantonale Dienststelle Hochschulbildung und Kultur entschieden, die im Kanton Luzern auch für die Denkmalpflege verantwortlich ist.

«Erheblicher Wert»

Als Begründung für ihren Entscheid gibt die Dienststellen-Leiterin Karin Pauleweit in einer Mitteilung den «erheblichen künstlerischen, historischen und wissenschaftlichen Wert der ZHB» an. Mit ihrem Entscheid erfüllt die Dienststelle zudem einen Antrag der kantonalen Denkmalkommission. Diese hatte im vergangenen Februar angeregt, das Gebäude unter Schutz zu stellen – mit dem klaren Hintergedanken, die ZHB vor einem Abriss zu schützen.

Die geplante Unterschutzstellung der ZHB ist ein Schuss vor den Bug des Kantonsrats, der – wie bereits erwähnt – einen Neubau mit integriertem Kantonsgericht realisieren will. Stellt sich die Dienststelle Hochschulbildung und Kultur mit ihrem Entscheid also ganz bewusst gegen diesen Beschluss des Kantonsrats? Karin Pauleweit formuliert es so: «Es ist eine Tatsache, dass aufgrund der jetzigen rechtlichen Situation ein Neubau mit Kantonsgericht gar nicht möglich wäre.» Konkret: Eine deutliche Erhöhung des Bauvolumens wäre zurzeit aufgrund eines gültigen Vertrags zwischen Stadt und Kanton nicht zulässig. «Deshalb haben wir die Schutzaspekte des Gebäudes höher gewichtet als die Interessen des Kantons als Eigentümer», sagt Pauleweit. Dass das Gebäude ausgerechnet jetzt unter Schutz gestellt werden soll, sei normal: «Wir stellen ein Objekt nie auf Vorrat unter Schutz, sondern nur dann, wenn es konkret gefährdet ist.»

30-tägige Beschwerdefrist

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Während 30 Tagen kann beim Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern Verwaltungsbeschwerde erhoben werden. Eine solche Beschwerde könnte von der kantonalen Dienststelle Immobilien unter der Leitung von Kantonsbaumeister Urs Mahlstein kommen. Die Dienststelle vertritt den Kanton als Eigentümer der ZHB. «Wir werden den Entscheid analysieren und uns dann überlegen, Beschwerde einzureichen», sagt Mahlstein. «Dies, weil einerseits ein klarer parlamentarischer Auftrag besteht, einen Neubau zu prüfen. Andererseits, weil wir glauben, dass an diesem Standort durchaus auch mit einem Neubau ein städtebaulich überzeugendes Projekt möglich ist.»

Manuela Jost: «Ein guter Entscheid»

Der Stadtrat reagiert erfreut auf die geplante Unterschutzstellung der ZHB. «Es ist ein guter Entscheid, der die Einschätzung des Stadtrats bestätigt», erklärt die städtische Baudirektorin Manuela Jost auf Anfrage unserer Zeitung. Der Stadtrat habe schon seit längerem darauf gedrängt, die ZHB unter Schutz zu stellen. Das Gebäude sei zwar bereits im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung eingetragen, nicht aber im kantonalen Denkmalverzeichnis. «Wir fanden es immer seltsam, über einen Neubau zu reden, bevor die Frage des Denkmalschutzes geklärt ist», so Jost. Sie ist deshalb nicht nur froh, dass die kantonale Dienststelle im Sinne des Stadtrats entschieden hat, sondern auch, «dass jetzt endlich Klarheit herrscht». Dies sei für die weitere Planung in Sachen ZHB absolut zentral.

Das sagt auch ZHB-Direktor Ulrich Niederer: «Der Entscheid gibt uns für die kommenden Jahre betriebliche Planungssicherheit.» Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss will sich zurzeit nicht äussern, da sein Departement in dieser Sache Beschwerdeinstanz ist.