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LUZERN: Neubauprojekt beim «Montana» wird Juristenfutter

Der geplante Ausbau der Schweizerischen Hotelfachschule beim «Montana» stösst im Quartier auf heftigen Widerstand. Der Streit könnte bis vors Bundesgericht gehen.
Das Baugespann (Bildmitte), fotografiert aus der Richtung der Gesegnetmattstrasse, zeigt die Ausmasse des Neubaus. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 10. Juli 2017))

Das Baugespann (Bildmitte), fotografiert aus der Richtung der Gesegnetmattstrasse, zeigt die Ausmasse des Neubaus. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 10. Juli 2017))

Sandra Monika Ziegler
<span style="font-size: 1em;">sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch</span>

Die Schweizerische Hotelfachschule (SHL) an der Adligenswilerstrasse beim Hotel Montana platzt aus allen Nähten. Deshalb plant die Schule einen Neubau. Der Bezug der neuen Schulräume hätte auf das Schuljahr 2018/2019 stattfinden sollen. Das Baugesuch wurde in erster Instanz bewilligt, und Einsprachen von acht Parteien wurden abgewiesen.

Doch das nahmen die Projektgegner nicht hin. Sie haben an das Luzerner Verwaltungsgericht appelliert und fordern die Aufhebung der Baubewilligung. Wegen fehlender Replik von Seiten der Bauherrschaft ist das Verfahren weiterhin hängig. Der Baustart für das 26-Millionen-Franken-Projekt verzögert sich.

Unterricht findet teils in Gängen statt

Das hat Folgen für die SHL. Am Projekt selber würden keine Anpassungen vorgenommen, so Direktorin Christa Augsburger. Sie sagt weiter: «Innerhalb des rechtlichen Ablaufprozesses werden erneut Gespräche mit Einsprechern geführt.» Die knappen Kapazitäten indes verhindern das Lernen in unterschiedlichen Gruppen- und Methodenformen. Diese Arbeiten fänden jetzt in den Gängen oder zugemieteten Räumen statt. Expansionsabsichten und die Erweiterung der Angebote sind sistiert und verunmöglichen zusätzliche Einnahmen. Was die SHL umso härter treffe, da die Kantone kontinuierlich ihre Beiträge kürzen würden, so Augsburger. Da die Finanzierung des Neubaues auf dem aktuellen Zinsniveau basiere, könnte zudem der Bau teurer werden.

Einer der Einsprecher ist Hans Renggli, der eine Wohnung in der Nachbarschaft der SHL besitzt. Den 55-seitigen Bauentscheid hat er genaustens studiert und in einem Text – der uns vorliegt – beurteilt. «Das Projekt pflanzt ein im Volumen krass disproportioniertes Objekt ins Quartier unter gänzlicher Aufopferung des quartiertypischen Parkaspekts», schreibt Renggli. Damit würde die Ausnutzung der Parzelle verdreifacht «und die Nachbargrundstücke abgewertet». Diesen würde das Licht, die Sicht und das Grün weggenommen.

Renggli beruft sich zudem darauf, dass sich das Gebäude in der Ortsbildschutzzone B befindet. Der Neubau bringe am Tor zur rot gepflästerten Gesegnetmattstrasse ein Ortsbildensemble der Belle Epoque einfach zum Verschwinden. Für ihn ist klar: Hier will die SHL am falschen Ort verdichtet bauen. Die lärmgeplagte Haldenstrasse sei kein geeigneter Standort für den Neubau. Dieser würde besser in die Nachbarschaft eines Hochschul-Campus wie etwa in Horw passen.

Keine Gleichbehandlung von Liegenschaftseigentümern?

Dass die Stadt das Projekt bewilligt hat, kann Renggli nicht verstehen. So überschreite etwa der geplante Sockelbau die Baulinie in Richtung Haldenstrasse. Weiter würden zehn schützenswerte Bäume gefällt. Die Liegenschaftseigentümer würden von der Stadt ungleich behandelt.

Ein Widerspruch sei auch, dass die beiden Parzellen, die die SHL bebauen will, als einzige im Quartier in der geschlossenen Bauzone liegen. Dies räumt der SHL das Sonderrecht ein, die Grenzabstände nicht einzuhalten. Wie kam es dazu? Luzerns Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner erklärt, dass die Gebäude Monta-na und Hotelfachschule früher gemäss Bauzonenordnung 94 (BZO) in einer Wohnzone als Grundzone, überlagert mit Schutzzone C, eingeteilt waren. Auch die Liegenschaft an der Adligenswilerstrasse 24 – das ehemalige Versicherungsgericht – habe sich früher in einer Zone für öffentliche Zwecke und zugleich in der Schutzzone C befunden. Rehsteiner: «Mit der letzten Revision der BZO wurden diese Liegenschaften in eine Wohn- und Arbeitszone und in die Schutzzone B überführt.» Dies entspreche im Gegensatz zur alten BZO den vorhandenen und den zukünftigen Nutzungen. «Damit ist eine notwendige Korrektur vorgenommen worden, denn das «Montana» war zuvor in der Wohnzone und als Hotelbetrieb somit nicht zonenkonform.» Dies komme nun auch dem geplanten Neubau der Hotelfachschule zugute. Die restlichen Parzellen im Umfeld befinden sich nach wie vor in der Wohnzone. Für sie gelten andere Bauvorschriften als für die drei oben erwähnten.

Kommissionsmitglied muss in den Ausstand treten

Da es sich beim geplanten Bau um ein städtebaulich wichtiges Vorhaben handelt, wird die architektonische Qualität von der Städtebaukommission (SBK) begutachtet. Pikant dabei: SBK-Mitglied Patrik Hofstetter ist auch als Baumanager für den SHL-Bau tätig. Ein Interessenkonflikt? Rehsteiner: «Herr Hofstetter hat sein Bauprojektmanagement-Mandat für die SHL bereits im Jahr 2012 offengelegt, als das Geschäft zum ersten Mal in der Stadtbaukommission behandelt wurde. Bei den Sitzungen trat er selbstverständlich immer in den Ausstand. Es bestand deshalb auch nie und in keiner Weise ein Interessenkonflikt.»

Die Einsprecher warten nun auf den Entscheid des Verwaltungsgerichtes. Sollte dieses ihre Einsprachen abweisen, so wollen sie ans Bundesgericht gelangen.

So soll die Hotelfachschule künftig aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So soll die Hotelfachschule künftig aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

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