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LUZERN: Neue Aufbereitung: Stadtluzerner erhalten «Mineralwasser» vom Hahn

Stadtluzerner Hahnenburger soll noch besser werden: Dank einer neuen Filtermethode muss das Quellwasser vom Pilatus künftig nicht mehr mit Chlor gereinigt werden. Es behält so wichtige Mineralien. Die neue Aufbereitung für 28 Millionen Franken ist schweizweit einzigartig.
In Hochdorf kam es zu einem Unterbruch der Trinkwasserversorgung. (Symbolbild: Keystone)

In Hochdorf kam es zu einem Unterbruch der Trinkwasserversorgung. (Symbolbild: Keystone)

Eliane Winiger, sda

Das Quellwasser vom Luzerner Hausberg Pilatus ist natürlichen Gegebenheiten wie Niederschlägen und Schneeschmelzen ausgesetzt. Es weist deshalb für die Trinkwasseraufbereitung schwankende Eigenschaften aus.

Die 140-jährige Aufbereitungsanlage auf dem Sonnenberg könne auf diese Schwankungen nur beschränkt eingehen, schreibt der Stadtluzerner Energieversorger energie wasser luzern (ewl) in einem auf seiner Webseite veröffentlichten Blog. Das führe dazu, dass wesentliche Mengen an Quellwasser ungenutzt blieben.

Jeder Tropfen wird zu Trinkwasser

Damit ist aber bald Schluss. Das in die Jahre gekommene Werk auf dem Sonnenberg wird momentan durch ein neues Quellwasserwerk ersetzt. Ab 2018 wird dieses dafür sorgen, dass dem Pilatus-Wasser die wertvollen Mineralien wie Magnesium oder Kalk, die es auf seinem langen Weg über Steine, Schotter und durch den Untergrund aufnimmt, erhalten bleiben. Künftig soll ausnahmslos jeder Tropfen Quellwasser zu Trinkwasser aufbereitet werden.

Verantwortlich für die neue Qualität ist eine moderne Filtermethode. Bei dieser wird das Wasser durch einen Keramikfilter gedrückt. Dieser säubert das Wasser schonend und ohne Zugabe von Chemiemitteln wie Chlordioxid.

Der Keramikfilter sei eine in der Schweiz einzigartige Methode der Trinkwasseraufbereitung, sagte ewl-Sprecherin Nicole Reisinger gegenüber der Nachrichtenagentur sda. In Japan stehen schon über 130 Anlagen mit dieser Technologie, in Europa wurde bis heute erst eine Anlage in Holland gebaut.

Mineralwasser-Produzenten bleiben gelassen

Fliesst also künftig Mineralwasser aus den Luzerner Wasserhähnen? Nein, sagte die ewl-Sprecherin. Es liege nicht im Ermessen der ewl, ihre Kunden dazu zubringen, kein Mineralwasser zu trinken. Als Trinkwasserversorger sei die ewl nicht am Wettbewerb mit Mineralwasserlieferanten interessiert.

Als Konkurrenz zum Wasser aus der Mineralquelle sieht auch der Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS) diese neue Trinkwasseraufbereitung nicht, wie Mediensprecherin Christiane Zwahlen auf Anfrage sagte. Leitungswasser und Mineralwasser seien zwei sehr gute, aber auch zwei sehr unterschiedliche Produkte.

Die neue Anlage auf dem Sonnenberg kostet 28 Millionen Franken. Diese beinhaltet auch eine neue Druckleitung, die dafür sorgt, dass das Wasser ohne Pumpenergie durch sämtliche Aufbereitungsschritte gelangt. Das Quellwasser fliesst dank der Höhendifferenz vom Quellengebiet am Nordhang des Pilatus zum Sonnenberg.

30 Millionen Liter täglich

Das neue Reservoir besteht aus zwei Kammern und hat ein Fassungsvermögen von total 6000 Kubikmetern oder sechs Millionen Litern. Täglich können bis zu 30 Millionen Liter Trinkwasser aufbereitet werden. Laut Reisinger dürften im Normalfall rund die Hälfte der Luzerner mit Quellwasser aus dem neuen Werk bedient werden.

Ewl hatte sich nach einer dreijährigen Versuchs- und Pilotphase für dieses Aufbereitungsverfahren entschieden. In der Branche werde viel über das neue Quellwasserwerk Sonnenberg gesprochen, sagte Reisinger. Obwohl sich Aufbereitungen aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften des Wassers nie ein zu eins kopieren liessen, will ewl eine Vorreiterrolle übernehmen. Andere Wasserversorger sollen von den Erfahrungen mit der neuen Membran profitieren können.

Unaufbereitetes Leitungswasser ist in der Schweiz keine Seltenheit. Ein Drittel des Schweizer Hahnenwassers müsse gar nicht desinfiziert werden, sagte der Mediensprecher des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfachs (SVGW), Paul Sicher, auf Anfrage. Besonders in ländlichen Gegenden entfalle oft ein solcher Reinigungsprozess.

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