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LUZERN: «Neue Ideen statt Resignation»

Im Kapuzinerkloster Wesemlin hat der Millionenumbau begonnen. Bald ziehen Mieter ein, auch Ärzte sind an Räumen interessiert. Provinzial Agostino Del-Pietro spricht über die Zukunft des Ordens.
Interview Stephan Santschi
Im Kloster Wesemlin: Provinzial Agostino Del-Pietro ist der neue Leiter der Kapuziner in der Schweiz. (Bild Pius Amrein)

Im Kloster Wesemlin: Provinzial Agostino Del-Pietro ist der neue Leiter der Kapuziner in der Schweiz. (Bild Pius Amrein)

Bruder Agostino, im Kloster Wesemlin wird gebohrt und gehämmert. Wie geht es bei der Umsetzung des Konzepts «Oase-W» voran?

Bruder Agostino: Im Juni begann die erste Bauphase. Das erste Resultat wird die Neueröffnung der Klosterkirche am 1. Dezember sein. Bischof Felix Gmür wird der Feier vorstehen. Bauphase zwei beginnt Mitte des nächsten Jahres und umfasst den Südtrakt. Dort entstehen die Räumlichkeiten für das klosternahe Wohnen und die Fremdnutzung. Die Realisierung des besinnlichen Klostergartens hängt zeitlich davon ab, ob zusätzlich ein Neubau erstellt wird oder nicht. Wir denken hier an verschiedene Wohnformen, mit denen unterschiedliche Generationen angesprochen werden sollen.

Der Umbau kostet insgesamt über 12 Millionen Franken. Wie steht es um die Finanzierung?

Agostino: Wir haben sieben Millionen Franken beisammen. Damit ist die erste Bauphase, die uns sechs Millionen Franken kostet, gedeckt. Um den restlichen Betrag aufzubringen, sind wir weiterhin auf Stiftungen und private Spender angewiesen. Wir hoffen auf die Unterstützung der Leute. Es geht nicht nur um das Geld für die Renovation, sondern um das Generieren von Ressourcen, die den Unterhalt in der Zukunft sichern sollen.

Welche Ressourcen sind das?

Agostino: Klosternahes Wohnen. Wir bauen 10 bis 12 Wohnstudios für Menschen, die im Umfeld des Klosters wohnen wollen und dafür Miete bezahlen. In der Regel werden sie auswärts einem Beruf nachgehen, gewisse Momente des Alltags aber mit uns teilen. Zudem ist eine Gruppe von Ärzten daran interessiert, im Südtrakt eine Gemeinschaftspraxis zu eröffnen. Wir haben Platz, im Kloster werden in Zukunft maximal nur noch 15 Brüder leben.

Weshalb wird der Kapuzinerorden immer kleiner?

Agostino: Wir haben nur noch wenig Nachwuchs, zu wenig, um alle unsere Niederlassungen auch in Zukunft besetzen zu können. Immer weniger Menschen sehen unsere Art des Lebens als Berufung. Das geht den meisten Ordensgemeinschaften so.

Im Verlauf der Spendenkampagne kamen Zweifel auf, ob die Kapuziner wegen ihrer personellen Situation und der Überalterung den Millionenumbau des Wesemlin-Klosters als Bauherren wirklich meistern können.

Agostino: Wir schauen mit Hoffnung in die Zukunft. Hier stellt sich die klassische Frage, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist. Klar wissen wir, dass wir die Zeiten, als in Luzern 40 Brüder und bis zu 15 Novizen lebten, nicht mehr erreichen werden. Wir könnten angesichts der neuen Situation resignieren. Wir begegnen der Herausforderung aber lieber mit neuen Ideen und neuer Kraft, die Sinn machen. Also mit Reduktion und Konzentration unserer Lebensräume.

Wie steht es um die übrigen Kapuzinerklöster in der Zentralschweiz?

Agostino: In Altdorf, Arth, Stans und etwas weiter zurück in Zug, Schüpfheim und Sursee hat man Klöster schliessen müssen. Heute gibt es in der Zentralschweiz neben Luzern noch das Kapuzinerkloster in Schwyz, zudem wird das Rigi-Klösterli, die Wallfahrtskirche Heiligkreuz im Entlebuch sowie die Pfarrei in Andermatt seit langem von Kapuzinern betreut. Schwyz ist dabei ein besonderer Fall, weil dort die Pflegestation eingerichtet ist. Dort verbringen unsere Brüder ihren letzten Lebensabschnitt. Doch auch in Schwyz müssen wir uns Gedanken machen, wie wir das Kloster weiterführen können. In der Schweiz gibt es noch 17 Kapuzinerklöster. Wir sind uns bewusst, dass wir nicht alle werden halten können.

Gibt es weitere Konzepte, die das Überleben sichern sollen?

Agostino: Ja, die gibt es. Beispielsweise mit der Vermietung der Klosterräume für Kurse von Firmen oder das Durchführen von klostereigenen Kursen zu Themen wie Spiritualität oder Meditation. Es geht grundsätzlich darum, die Türen zu öffnen. Auch auf internationaler Ebene. Die Schweiz beteiligt sich an Projekten der internationalen, personellen Solidarität. In Indien und Afrika gibt es viele Ordensbrüder, das macht Hoffnung. In der Romandie und seit kurzem auch in Mels in der Deutschschweiz stehen indische Kapuziner im Einsatz. Das kann auch in der Zentralschweiz zu einem Thema werden. Um diese ausländischen Kapuziner bestmöglichst zu integrieren, sollten sie in der Schweiz Theologie studieren.

www.klosterluzern.ch

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