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LUZERN: Neue Kameras unterstützen die Polizei

Grobe Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz ereignen sich während der Stosszeiten auf Schweizer Strassen fast im Sekundentakt. Im Kampf gegen die Rowdys setzt die Luzerner Polizei seit kurzem auf eine Spezialkamera.
Thomas Heer
Mit der Kamera (rechts oben) werden Verkehrssünder überführt.Bild: PD

Mit der Kamera (rechts oben) werden Verkehrssünder überführt.Bild: PD

Der irrlichternde Motorradfahrer fiel am 27. September um zirka 13.40 Uhr bereits im Tunnel Schlund negativ auf. Auf der Autobahn A 2 überholte der Mann auf seiner 1000er-Suzuki mal links, mal rechts. Der Fahrer aus Belgien kümmerte sich auch nicht um Maximalgeschwindigkeiten. Denn auf seinem Weg Richtung Norden beschleunigte er sein Gefährt schon mal bis auf 190 Stundenkilometer. Die riskante Fahrt fand dann bei Sempach ein jähes Ende. Eine Polizeipatrouille stoppte den Raser. Der Delinquent verbrachte die nächsten fast 48 Stunden in Haft.

Solch krasse Fälle sind zwar selten. Aber auch geringfügigere Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz können gravierende Folgen haben. In diese Kategorie fallen Motorfahrzeuglenker, die es mit dem Abstandhalten zum vorausfahrenden Auto oder Lastwagen nicht so genau nehmen. Und das führt dann immer wieder zu Auffahrunfällen. Allein am vergangenen Donnerstag krachte es im Raum Luzern auf der A 2 respektive A 14 wieder dreimal, wie Kurt Graf, Leiter Kommunikation bei der Luzerner Polizei, sagt.

Diesen Abstandsündern sind Grafs Kollegen vom Fachdienst Verkehr seit wenigen Monaten auch mit einem Spezialgerät auf der Spur. Mit der Hightech-Ausrüstung, bestückt unter anderem mit einer Kamera, kann die Polizei Gesetzesverstösse hieb- und stichfest nachweisen.

Wie das genau abläuft, konnte unsere Zeitung am vergangenen Dienstagmorgen eins zu eins mitverfolgen. Zusammen mit Kurt Graf, auf der Rückbank eines zivilen PW sitzend, ergab sich die Möglichkeit, der Polizei bei ihrer Arbeit über die Schultern zu schauen.

Alles Fälle für die Staatsanwaltschaft

Vorauszuschicken ist folgende Erkenntnis. Die Verkehrsteilnehmer waren an diesem Morgen im Grossen und Ganzen sehr gesittet unterwegs. Mitunter kam gar der Eindruck auf, gewisse Autolenker würden über einen siebten Sinn verfügen. Sie schienen gazellengleich irgendwie die Gefahr zu wittern – nicht jene des im Buschwerk lauernden Leoparden, sondern die Präsenz der Polizei.

Es waren aber auch Nichtsahnende unterwegs – wie zum Beispiel jene junge Frau mit ihrem weissen Kombi deutscher Bauart. Von Emmenbrücke Richtung Luzern fahrend, klebt sie förmlich am Heck des vor ihr rollenden Fahrzeugs. Der Polizist auf dem Vordersitz reagiert und erfasst den Abstand zwischen den beiden erwähnten Personenwagen. Das Resultat liegt rasch vor. Die Kombi-Lenkerin ist viel zu nah aufgerückt. Dabei misst das Gerät nicht Meter und Zentimeter, sondern ermittelt den Zeitabstand. Liegt dieser Wert unter 0,6 Sekunden – dieser beträgt idealerweise zwei oder mehr Sekunden –, handelt es sich um ein Vergehen und wird später zu einem Fall für die Staatsanwaltschaft. Anzufügen ist, dass die Messstrecke mehrere hundert Meter beträgt. Ungeahndet bleiben folglich sämtliche sehr kurzzeitigen Vorkommnisse.

Lichthupen erfüllt Tatbestand der Nötigung

Zurück zur observierten PW-Fahrerin. Vor der Ausfahrt Luzern wird der Frau signalisiert, dass sie von einem zivilen Polizeifahrzeug verfolgt wird. Die Frau biegt Richtung Baselstrasse ab. Vor dem Parkhaus kommt es dann zum Gespräch mit den Verkehrsexperten. Die Autolenkerin ist verständlicherweise zuerst einmal völlig perplex, dass sie sich durch ihr Verhalten ins Visier der Polizei manövrierte. Alsbald kullern gar vereinzelt Tränen über ihre Wangen. Als Grund für ihr Fehlverhalten gibt sie an: «Das war mir nicht bewusst.»

Diese Autolenkerin zählt aber längst nicht zu jener Kategorie von Dränglern und Aufhockern, wie sie wohl schon viele auf Autobahnen erdulden mussten. Nämlich diejenigen Fahrer, die auf der linken Spur mit Lichthupe signalisieren, dass man sie doch bitte schön vorlassen soll. Kurt Graf sagt: «Das läuft unter Nötigung.» Und ist somit ein Straftatbestand.

Beim jungen Mann aber, der im Tunnel Eich auf der A 2 die Aufmerksamkeit der Patrouille erweckt, handelt es sich nicht um einen Rowdy im engeren Sinn. Dies, obwohl er – das zeigen die aufleuchtenden Bremslichter – kräftig Tempo abbauen muss, um nicht auf das vor ihm fahrende Auto aufzuprallen. Und auch die Messung durch die Polizei belegt umgehend, dass der Lenker ein Fall für die Staatsanwaltschaft wird. Der Ertappte erklärte später, nachdem er seine Fahrt unterbrechen musste: «Das war mir nicht bewusst, und ich kann mich auch nicht daran erinnern.» Kurt Graf betont, dass es bei diesen Kontrollen nicht darum geht, die Leute zu schikanieren, sondern: «Der Schutz der Verkehrsteilnehmer steht im Vordergrund.» Dies aus gutem Grund: Zu nahes Aufschliessen zählt zu einer der Hauptursachen, warum es zu Unfällen kommt. Der Anteil der Auffahrunfälle ist in Luzern seit Jahren unvermindert hoch.

Thomas Heer

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