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LUZERN: Neue letzte Ruhe für Skelette aus archäologischer Grabung

In einer schlichten Zeremonie wurden am Montag Skelette von rund 300 Menschen im Friedhof Friedental wiederbestattet. Sie lagen zuvor in einem alten Friedhof bei der Franziskanerkirche, welcher im Rahmen der Sanierung der Kleinstadt freigelegt wurde.
Oben: Diakon Burghard Förster (Mitte) führt die Prozession zum Grab im Friedhof Friedental an. Unten: Blick in das Grab mit Knochen von ungefähr 300 Menschen. (Bilder: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2017))

Oben: Diakon Burghard Förster (Mitte) führt die Prozession zum Grab im Friedhof Friedental an. Unten: Blick in das Grab mit Knochen von ungefähr 300 Menschen. (Bilder: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2017))

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Barocke Geigenklänge und Weihrauch. Dann eine lange Prozession zum Grab, vor dem ein Pfarrer lateinische Passagen aus der Bibel rezitiert. Von der Form her wurde im Friedhof Friedental Luzern gestern eine normale Bestattung durchgeführt – und doch war alles anders. Beerdigt wurde nämlich niemand, der kürzlich verstorben ist. Das Ritual galt Personen, die vor Hunderten von Jahren gelebt haben. Es handelte sich um Skelette von ungefähr 300 Menschen, die bei der archäologischen Grabung beim Franziskanerplatz im Frühling entdeckt worden sind.

Die Knochen stammen aus dem Mittelalter und wurden ursprünglich in einem Beinhaus – einem Raum zur Aufbewahrung von Gebeinen und Schädeln – des älteren Franziskaner-Friedhofs aufbewahrt. Später, im 17. und 18. Jahrhundert, wurden sie dann in eine grosse Grube beim Franziskanerkloster umgebettet. Gestern Vormittag wurden sie nun im Beisein einiger Interessierter in einer schlichten Zeremonie in ein Grab im Friedhof Friedental umgebettet.

Im Rahmen von Sanierung auf Knochen gestossen

Die Grabung beim Franziskanerplatz fand aufgrund der Kleinstadtsanierung statt. Unter anderem werden in diesem Rahmen neue Abwasser- und Werkleitungen sowie Pflastersteine verlegt. Die Archäologen entdeckten dabei die Grundmauern der 1788 abgebrochenen Spitalkirche sowie den neuzeitlichen Friedhof nördlich der Franziskanerkirche (wir berichteten).

Am Rand des Friedhofs stiessen sie auf eine ausgedehnte Grube, die mit unzähligen Knochen gefüllt war. Wie sich zeigte, enthielt sie Schädel und Langknochen von mindestens 300 Personen. Die Art der Knochen belegt laut der Kantonsarchäologie, dass es sich um eine Wiederbestattung loser Gebeine handelt. Sie müssen in der Zeit zwischen 1650 und 1780 aus dem Beinhaus entfernt und im neuen Friedhof wiederbestattet worden sein.

Geringer wissenschaftlicher Wert

Die gestrige Beisetzung war somit eine Wiederbestattung einer Wiederbestattung, wie Grabungsleiter Luca Winiger in der Abdankungshalle Friedental erklärte. «Normalerweise würde man jetzt auf das Leben der Verstorbenen eingehen. Weil wir die Lebensläufe der 300 Menschen aber nicht kennen, werde ich deshalb von ihrer letzte Reise erzählen», sagte er und schilderte daraufhin die Umstände, wie die Knochen in die Grube beim Friedhof gelangt sind. «Es sind Knochen von Männern und Frauen, Jungen und Alten und vermutlich auch von Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten», so Winiger weiter, der die Zuhörer daran erinnerte, dass es nicht einfach Knochen sind, sondern diese früher einmal zu Menschen gehörten. Das Ziel der Bestattung sei nun, ihnen wieder ihre Ruhe zurückzugeben. Dafür habe sich die Kantonsarchäologie auch entschieden, weil der wissenschaftliche Wert der bereits in der Vergangenheit aus dem Zusammenhang gerissenen Gebeine gering sei.

In das Grab beigelegt wurde schliesslich eine «Zeitkapsel», die eine Nachricht mit dem Datum und einer Erklärung zur Bestattung enthält. «Für die Nachwelt soll dieser Anlass so dokumentiert werden», so Winiger. Erneute Geigenklänge markierten schliesslich das Ende der Beisetzung.

Bei Bauarbeiten in der Nähe der Franziskanerkirche wurden sterbliche Überreste gefunden. In einer feierlichen Zeremonie werden diese nun auf dem Friedhof Friedental in Luzern beigesetzt. (Bild: Dominik Wunderli/LZ)

Bei Bauarbeiten in der Nähe der Franziskanerkirche wurden sterbliche Überreste gefunden. In einer feierlichen Zeremonie werden diese nun auf dem Friedhof Friedental in Luzern beigesetzt. (Bild: Dominik Wunderli/LZ)

Symbolisch wird eine Zeitkapsel ins Grab gelegt. (Bild: PD)

Symbolisch wird eine Zeitkapsel ins Grab gelegt. (Bild: PD)

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