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LUZERN: Neue Medien: Eltern sollen Angst verlieren

Kinder sind ihren Eltern bei den digitalen Medien meist weit voraus. Das birgt Probleme. Doch auch wenn Eltern technische Neuerungen nicht gleich gut wie ihre Kinder verstehen, haben sie einen entscheidenden Vorteil: Lebenserfahrung.
Christian Hodel
Immer mehr Jugendliche verbringen ihre Zeit an Bildschirmen.Symbolbild: Keystone/Christof Schuerpf (Luzern, 13. Dezember 2015)

Immer mehr Jugendliche verbringen ihre Zeit an Bildschirmen.Symbolbild: Keystone/Christof Schuerpf (Luzern, 13. Dezember 2015)

Schon Kleinkinder wischen mit ihren Fingern über Tablet und Smartphone. Für Eltern ist es je länger, je schwieriger, in technischen Fragen Schritt zu halten. Die Konsequenz: Sie wissen nicht, was ihre Sprösslinge in den sozialen Medien und im Internet tun. Doch müssen sie das überhaupt?

Am Luzerner Elternbildungstag haben gestern Fachleute und rund 130 Erziehungsberechtigte Antworten auf solche Fragen gesucht. Tina Ammer (47) leitete einen der sieben Workshops. Uns sagt die Leiterin Projekt Medienbildung der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern, wie es gelingt, in einer digitalen Welt seine Kinder zu erziehen.

Tina Ammer, vielen Eltern fällt es schwer, beim Thema Mediennutzung gelassen zu bleiben – warum eigentlich?

Das Problem ist, dass Kinder den Eltern oftmals in technischen Belangen voraus sind. Ein Beispiel: Früher hat der Vater seinem Sohn das Feuermachen beigebracht, heute haben sich im Bereich der neuen Medien die Kompetenzen verschoben. Dennoch haben Eltern einen entscheidenden Vorteil.

Der da wäre?

Auch wenn Eltern keine technischen Profis sind, haben sie aufgrund ihrer Lebenserfahrung im Bereich der Kompetenzvermittlung einen gewaltigen Vorsprung. Kinder wissen zwar die Medien zu nutzen, aber den Umgang damit müssen sie erst lernen. Auch in der digitalen Welt gelten die gleichen Regeln und Wertevorstellungen wie beim Face-to-Face-Kontakt. Wie im realen Leben soll man auch in einem Chat niemanden beleidigen. Wie auf der Strasse soll man sich auch auf Facebook nicht entblössen – etwa durch das Posten von anzüglichen Fotos von einem selbst.

Die Digitalisierung hat die Erziehung also nicht wesentlich verändert.

Die neuen Medien sind lediglich eine Erweiterung, die Erziehungsaufgaben aber sind die gleichen. Werte und Regeln gelten auch in der digitalen Welt.

Wie können Kinder lernen, mit den Medien umzugehen?

Eltern sollen ihren Kindern die verschiedenen Nutzungen am Bildschirm nicht verbieten, sondern sie Stück für Stück heranführen und begleiten. Wichtig ist es aber, Regeln aufzustellen.

Wie können solche aussehen?

Die Regeln sind je nach Thema und Familie verschieden. Die Medienpädagogik sieht aber Altersbeschränkungen vor. Demnach sollen Kinder bis drei Jahre weder Computer noch Fernseher benutzen – bis sechs Jahre keine Spielkonsolen und bis neun Jahre kein Handy konsultieren. Soziale Netzwerke wie Facebook sollten erst für 12- oder 13-Jährige zugänglich sein. Wichtig ist auch, den Kindern ein Zeitfenster zu gewähren. Kinder ab zehn Jahren sollen nicht mehr neun oder zehn Stunden pro Woche am Bildschirm verbringen. Wichtig ist, dass sie dabei nicht vor den Bildschirmen parkiert, sondern aktiv begleitet werden.

Wie wichtig ist die Schule?

Die Schule hat den Auftrag, Kinder auf das Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Hierzu gehört der kompetente Umgang mit Medien. Das heisst, dass Lehrpersonen digitale Medien im Unterricht einsetzen und daran die Chancen und Gefahren thematisieren. Zum Beispiel könnte dies die Erstellung einer Klassenwebsite sein. Hieran können neben den technischen Umsetzungen auch Themen wie Veröffentlichungen oder Bildrechte thematisiert werden.

Ist es sinnvoll, dass sich Eltern selbst ein Facebook-Profil anlegen oder twittern?

Es ist nützlich, wenn Eltern zumindest verstehen, was digital alles möglich ist. Sich ein Facebook-Profil oder einen sonstigen Account anzulegen, um es ausschliesslich als Kontrollmittel zu nutzen, macht aber wenig Sinn.

Sollen Eltern mit ihren Kindern auf Facebook befreundet sein, oder brauchen Kinder nicht auch in der digitalen Welt Freiraum?

Jugendliche brauchen für ihre Entwicklung eine Abgrenzung. Früher hatten sie mehr Freiraum. Wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, war ich oft unterwegs – ohne erreichbar zu sein. Damals gab es ja noch keine Handys oder Smartphones. Vielleicht ist es auch ein Grund, warum sich viele Jugendliche von Facebook verabschieden, weil immer mehr auch die älteren Generationen dieses Medium nutzen. Ich habe mich mit meinen Kindern am Anfang ihrer Facebook-Nutzung befreundet. Dies gab mir eine gewisse Sicherheit. Inzwischen spielt das keine Rolle mehr, da meine Kinder nicht mehr wirklich aktiv auf Facebook sind.

Wollen Eltern überhaupt wissen, was ihr Kind im Internet treibt?

Viele Eltern wollen sich informieren und sind interessiert an der Thematik. Eine Möglichkeit dazu bietet zum Beispiel die Plattform «www.schau-hin.info». Hier finden Eltern Tipps für den Alltag, wie man in der digitalen Welt seine Kinder erziehen kann.

Hinweis Mehr Informationen zur Initiative «Schau Hin! Was dein Kind mit Medien macht» finden Sie unter: www.schau-hin.info

Interview: Christian Hodel

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