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LUZERN: Neue Namen für die Ex-Knastis

Mehrfach-Mörder Günther Tschanun tat es, Ex-RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt auch: Nach dem Gefängnisaufenthalt änderten sie ihre Namen. Wird das auch der Todespfleger tun?
Thomas Heer
Wer Totkranke pflegt, soll gemäss einem Bericht der Obwaldner Regierung über die notwendigen Grundkenntnisse verfügen. (Symbolbild Keystone)

Wer Totkranke pflegt, soll gemäss einem Bericht der Obwaldner Regierung über die notwendigen Grundkenntnisse verfügen. (Symbolbild Keystone)

Diese Woche wurde bekannt, dass der Todespfleger von Luzern vorläufig nicht bedingt aus dem Gefängnis entlassen wird. So jedenfalls hat es die entsprechende Dienststelle des Kantons verfügt. Der mittlerweile 47-jährige Luzerner, der zwischen 1995 und 2001 insgesamt 22 Menschen tötete, hat aber die Möglichkeit, den Entscheid mittels Verwaltungsgerichtsbeschwerde anzufechten. Möglich also, dass der Mann doch noch dieses Jahr die Freiheit geniessen kann.

Für seine Tötungs- und Mordserie in Alters- und Pflegeheimen in den Kantonen Luzern, Obwalden und Schwyz wurde der ehemalige Krankenpfleger zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Das heisst auch, dass er nach 15-jährigem Gefängnisaufenthalt den Antrag auf bedingte Entlassung stellen kann. Falls der Mann nicht dieses Jahr rauskommt, ist es möglich, dass dies 2017 der Fall sein wird. Denn von Amtes wegen muss nun jährlich – trotz des Urteils lebenslänglich – geprüft werden, ob der Täter bedingt in Freiheit leben darf.

Er tötete vier Arbeitskollegen

Dass der krankenpflegende Mörder auch einen Namen hat, versteht sich von selbst. Natürlich hat dieser Mann auch ein Anrecht auf Vergessen. Nur, das mit dem Vergessen hat einen Haken. Denn im Zusammenhang mit dem grausamen Vierfachmord von Rupperswil – der Täter wurde jüngst gefasst – wurde auch der Name des Todespflegers mehrfach erwähnt. In einer Art Ranking der Aufsehen erregendsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte wurde der Vor- und Familienname des Täters wiederholt publiziert. Das ist keine günstige Voraussetzung, um nach dem Knast einen Neustart zu lancieren und ein neues Leben aufzubauen.

Wie sich dieses Problem aus der Welt schaffen lässt, haben schon einige prominente Schwerkriminelle vorgemacht. Ihr Vorgehen: Sie legten sich vor dem Gang in die Freiheit einen neuen Namen zu.

Ein Beispiel für eine Neubenennung ist der einstige Stadtzürcher Chefbeamte Günther Tschanun. Mit einem Revolver bewaffnet betrat der gebürtige Wiener am 16. April 1986 das Zürcher Amtshaus IV. Wortlos ging der damalige Leiter der Zürcher Baupolizei am frühen Morgen von Büro zu Büro und schoss auf fünf seiner Arbeitskollegen. Vier von ihnen überlebten den Angriff nicht.

Sie riss die RAF-Führung an sich

Tschanun wurde danach zu 17 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Jahr 2000 kam er frei. Seither verliert sich seine Spur. Denn der damals 59-Jährige erhielt eine neue Identität. Gerüchten nach soll der studierte Architekt später im Tessin als Gärtner gearbeitet haben. Ob er überhaupt noch lebt, ist nicht bekannt.

Günther Tschanun ist längst nicht der Einzige, der sich umbenannte. Brigitte Mohnhaupt galt ab Mitte der 1970er-Jahre als gefährlichste Frau Deutschlands. Nachdem die Urmitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) – Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Andreas Baader – alle Selbstmord begangen hatten, galt Mohnhaupt als Anführerin der zweiten RAF-Generation. Ein Gericht sah es später als erwiesen an, dass diese Frau massgeblich für die Anschläge des sogenannten Deutschen Herbstes verantwortlich war. Zu jener Zeit wurde unter anderem der Arbeitgeberpräsident Hans Martin Schleyer entführt und später getötet. Wegen neunfachen Mordes und mehrfacher Mordversuche wurde Mohnhaupt 1982 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Im März 2007 kam es aber trotzdem zur Entlassung. Mohnhaupt lebte fortan unter einem anderem Namen in Freiheit weiter.

Todespfleger hätte eine Chance

Der Zürcher Strafverteidiger Valentin Landmann weiss aufgrund seiner Tätigkeit als Anwalt, dass es in der Schweiz schwierig ist, einen neuen Namen zu erhalten. «Es braucht triftige Gründe.» Landmann sagt auch, im Vergleich zum Ausland sei das Ganze hierzulande schwieriger abzuwickeln. Im Fall des Luzerner Todespflegers sagt der Rechtsexperte: «Er kann das sicher versuchen.»

Würde der Mörder eine Namensänderung anstreben, müsste er beim Amt für Gemeinden des Kantons Luzern vorsprechen. Die Leiterin, Judith Lauber, erklärt: «Für eine Namensänderung braucht es achtenswerte Gründe.» Hätte der Todespfleger überhaupt eine Chance?

Dazu Lauber: «Wir würden das sicher prüfen. Dabei geht es auch um eine Güterabwägung. Im Fokus stehen das öffentliche und private Interesse.» Ob der Todespfleger einen Antrag gestellt hat, kann und darf Stefan Weiss, Leiter der Dienststelle Militär, Zivilschutz und Justizvollzug, auf Anfrage unserer Zeitung nicht sagen.

Thomas Heer

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