LUZERN: Neue Nutzung für die Zentralbibliothek?

Die Linken pochen auf eine rasche Sanierung der Zentral- und Hochschulbibliothek. Die Bürgerlichen aber fragen sich, ob die heutige Nutzung noch zeitgemäss ist.

Susanne Balli
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Blick in den Innenhof der Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Blick in den Innenhof der Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Für die linken und grünliberalen Kantonsräte ist der Fall klar: Nach dem deutlichen Entscheid der Stadtluzerner zur Rettung der Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) soll das 1951 errichtete Gebäude so rasch wie möglich saniert werden. Der Regierungsrat will die Sanierung der ZHB nochmals ins Parlament bringen, wie Marcel Schwerzmann am Montag gegenüber unserer Zeitung sagte. Ein komplettes Sanierungsprojekt lag bereits 2010 vor (siehe Kasten und Ausgabe von gestern).

CVP: «Nur Gebäude erhalten»

Die Linken und Grünliberalen haben die Rechnung allerdings ohne die Bürgerlichen gemacht. Die Fraktionschefs von CVP, FDP und SVP finden nämlich, dass für die Zukunft der ZHB noch einiges offen ist. CVP-Fraktionschef Ludwig Peyer geht davon aus, dass es eine erneute Sanierungsvorlage im Parlament nicht einfach haben wird. «Der Regierungsrat sollte sich nebst der Sanierung auch Alternativen überlegen. Streng genommen müssen nach der Abstimmung vom Sonntag nur das Vögeligärtli und das Gebäude erhalten bleiben, nicht aber dessen Inhalt.» Peyer rechnet damit, dass eine grundsätzliche Diskussion um die künftige Nutzung des ZHB-Gebäudes entsteht. Wie eine anderweitige Nutzung aussehen könnte, sei «rein spekulativ». Detaillierter geht er nicht darauf ein.

FDP: «Keine Entwicklung möglich»

Ähnlich tönt es auch bei den Freisinnigen. FDP-Fraktionschef Rolf Born sagt zwar, es gelte, den Entscheid der Stadt zu respektieren. «Wenn man das Gebäude saniert, dann muss dies aber sinn- und zweckvoll geschehen», so Born. Es sei nun vorerst Sache der Regierung, wie es nach dem Volksentscheid zur ZHB weitergehe. Für Born steht aber fest: «Das Gebäude kann gemäss Aussagen diverser Architekten nicht mehr weiterentwickelt werden. Die Regierung wird gut daran tun, anstelle einer Bibliothek nochmals andere Nutzungsvarianten zu prüfen.» Welche das sein könnten, dazu äussert sich Born ebenfalls nicht konkret.

SVP: Gebäude der Stadt schenken

SVP-Fraktionschef Guido Müller macht einen anderen Vorschlag: «Der Kanton soll der Stadt die ZHB schenken.» Dann könnte die Stadt die Bibliothek selber sanieren. «Schliesslich gibt es im Kanton noch andere Bürger als die Stadtluzerner. Wenn der Kanton beabsichtigt, die ZHB zu sanieren, dann muss das Volk darüber befinden können. Wir werden in der SVP sicherlich über die Möglichkeit einer Volksabstimmung diskutieren», so Müller weiter.

SP: «Bibliothek soll bleiben»

Priska Lorenz, Fraktionschefin SP/Juso, findet die Reaktion der Bürgerlichen «falsch». «Wir erwarten, dass die Bürgerlichen die Zeichen der Zeit erkennen.» Das deutliche Votum der Stadtbevölkerung sei ernst zu nehmen. «Es ist überheblich, wenn der Kantonsrat wieder neue Varianten ins Spiel bringt. Das führt zu einer unendlichen Geschichte.» Die Zweifel an der weiteren Nutzung des Gebäudes als Bibliothek kann Lorenz nicht nachvollziehen. «Das Gebäude ist als Bibliothek gebaut und soll auch als solche erhalten und geschützt werden.»

Grüne: «Varianten ad acta legen»

Gleicher Meinung wie die SP ist Grüne-Fraktionschef Nino Froelicher: «Wir fordern nach dem Abstimmungsresultat, die Variantendiskussion ad acta zu legen und das ursprüngliche Projekt rasch zu realisieren.» Die grüne Fraktion hat darum ein Dringliches Postulat eingereicht mit der Forderung, unverzüglich am Sanierungsprojekt der ZHB weiterzuarbeiten, damit die Bausubstanz keine weiteren Schäden erleide und der heute leer stehende Magazintrakt wieder genützt werden könne. Zur Reaktion der Bürgerlichen benutzt Froelicher deutliche Worte: «Das ist ein typisches Verhalten schlechter Verlierer. Das Prüfen neuer Varianten bringt überhaupt nichts.» Froelicher hegt grosse Hoffnungen, dass im Kantonsrat «der Zufallsentscheid des Kantonsrates von 2012 rückgängig gemacht wird. Alles andere wäre unverständlich.»

GLP: «Volkswille umsetzen»

Ralph Hess, Vizefraktionschef derGrünliberalen, bezeichnet das Sanierungsprojekt von 2010 als «massgeschneidert, und das ist es heute noch». Laut Hess soll der Regierungsrat auf keinen Fall ein neues Sanierungsprojekt vorlegen. Es heisse sofort weitermachen, da jeden Tag Folgeschäden entstehen könnten. Die Reaktionen der Bürgerlichen bezeichnet Hess als «Zwängerei. Der Volkswille unserer Wähler ist umzusetzen. Wir müssen eine funktionsfähige ZHB haben, denn wir sind ja ein Hochschulplatz par excellence, oder nicht?», so Hess.

Sanierung 2010 gutgeheissen

Kantonsrat bem. Am 28. Juni 2010 hat der Luzerner Kantonsrat mit 74 zu 30 Stimmen einen Kredit von 18,88 Millionen Franken für die Sanierung der Zentral- und Hochschulbibliothek gutgeheissen. Am 22. Februar 2011 verschob er diese aus finanziellen Gründen um zwei Jahre. Am 12. Dezember 2011 schliesslich kam das Parlament auf seinen im Juni 2010 gefällten Entscheid zurück – und beschloss mit 80 zu 34 Stimmen einen Neubau. Am 6. November 2012 schlug der Kantonsrat noch einmal einen Haken und beschloss mit 56 zu 55 Stimmen, dass das neue Kantonsgericht in den Neubau der ZHB integriert werden soll.