LUZERN: Neue Partner für Crowdfunding

Zwei weitere Banken beteiligen sich an der Crowdfunding-Plattform der Luzerner Kantonalbank. Über die Internetplattform sind bis jetzt 23 Projekte finanziert worden.

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Haben einen Ausbau über Funders.ch finanziert: die Relish-Gründer Silvan Küng (links) und Pirmin Giger. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 5. November 2014))

Haben einen Ausbau über Funders.ch finanziert: die Relish-Gründer Silvan Küng (links) und Pirmin Giger. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 5. November 2014))

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Die Gitarrenbauer von Relish Guitars haben sich im Januar bei der Crowdfunding-Plattform der Luzerner Kantonalbank Geld für den Aufbau ihrer jungen Firma besorgt. Die Firma, die 2015 den Neuunternehmerpreis der Luzerner Gewerbe-Treuhand gewann, benötigte 100 000 Franken für ihre neuen Räumlichkeiten in Sempach. 24 000 Franken davon brachte sie mit crowd­basierter Unterstützungsfinanzierung zusammen.

Wie funktioniert Crowdfunding? Der Begriff stammt aus den USA und bietet Jungunternehmern sowie kulturellen Einrichtungen Kontaktmöglichkeiten zu Geldgebern für ihre Ideen. Bei der Luzerner Kantonalbank funktioniert die entsprechende Plattform Funders.ch seit der Lancierung im Juni 2016 so: Die Initianten der Crowdfunding-Projekte beschreiben auf der Internetplattform ihre Vorhaben mit Videos, Bildern und Texten. Dazu geben sie ihre Finanzierungsziele, die Laufzeiten ihrer Sammelkampagnen sowie die Gegenleistungen bekannt, welche die Unterstützer zu erwarten haben, wenn sie Geld investieren. Sobald das Finanzierungsziel erreicht ist, erhalten die Initianten die gesammelten Beiträge und können ihre Vorhaben in die Tat umsetzen.

Obwalden und Nidwalden sind dabei

Die LUKB ist nach eigenen Angaben mit dem ersten halben Jahr ihrer Plattform Funders.ch zufrieden. Gemäss Daniel Lütolf, dem Leiter Crowdfunding bei der Bank, haben seit dem Juni mehr als 1300 Unterstützer 23 Projekte unterstützt. Die Erfolgsquote beziffert er auf 72 Prozent, und generiert wurden dabei 302 000 Franken. Zu Stande gekommen sind in erster Linie Finanzierungen für kulturelle, soziale und sportliche Projekte. Beim Luzerner Gitarrenhersteller Relish handelt es sich um das erste Start-up-Unternehmen, das sich auf der Plattform Geld besorgte. «Die Crowdfunding-Idee ist sehr schnell auf fruchtbaren Boden gefallen», lautet das Fazit von Lütolf. Banksprecherin Ursi In­eichen ergänzt: «Es handelt sich um eines unserer Leuchtturm-Projekte. Im Vordergrund steht, den Bekanntheitsgrad der Plattform und deren Reichweite zu erhöhen sowie damit guten Ideen zum Durchbruch zu verhelfen.»

In der Schweiz steckt das Crowdfunding noch in den Kinderschuhen. Doch es wächst schnell. Gemäss einer Studie der Hochschule Luzern stieg das Volumen 2015 um 73 Prozent auf 27,3 Millionen Franken. 2016 dürfte der Markt, so erwarteten es die Studien­autoren, auf rund 65 Millionen Franken gewachsen sein. In der Schweiz gibt es 40 Crowdfunding-Plattformen. Diejenige der Luzerner Kantonalbank erhielt nun Verstärkung: Seit diesem Monat wirken die Kantonalbanken von Nidwalden und Obwalden als Kooperationspartner mit. Sie sind auf Funders.ch mit einer eigenen Seite dabei. «Je mehr Partnerbanken sich auf Funders.ch zusammenschliessen, desto bekannter wird die Plattform und umso höher wird die Chance, dass die Starter ein Projekt dank Crowdfunding verwirklichen können», lässt sich Marcel Brönnimann, Sprecher der Obwaldner Kantonalbank, in einer Medienmitteilung zitieren.

Die Luzerner Kantonalbank steht mit weiteren Deutschschweizer Kantonalbanken in Verhandlungen. Als sicher gilt bereits, dass im Sommer die Thurgauer Kantonalbank zu Funders.ch stossen wird.

Schwyz und Zug setzen andere Prioritäten

Was ist mit den andern Zentralschweizer Kantonalbanken? Warum stehen sie abseits? Peter Geisser, Sprecher der Schwyzer Kantonalbank: «Unsere Digitalisierungsstrategie geht in eine andere Richtung. Wir haben zurzeit eigene Projekte am Laufen, die viele Ressourcen binden. Man kann nicht alles gleichzeitig machen.» Die Schwyzer arbeiten unter anderem am Ausbau einer iPad-unterstützten Beratungsanwendung, an der Einführung einer neuen CRM-Lösung und an der Weiterentwicklung eines Onlineportals für Hypotheken.

Auch die Zuger Kantonalbank verweist auf andere aktuelle Projekte. Sprecherin Carmen Wyss: «Dazu zählen beispielsweise die Identifikation von Kunden über digitale Kanäle, eine neue Generation E-Banking oder der Ausbau von mobilen Bezahllösungen. Das Thema Crowdfunding geniesst aktuell nicht erste Priorität.»