LUZERN: Neuer Besitzer investiert 100 Millionen in Renovation des Hotel Palace

Der chinesische Unternehmer Yunfeng Gao investiert 100 Millionen in den Umbau des Hotels Palace – aufgewertet wird dadurch auch das Gastronomieangebot. Das Baugesuch wurde vor wenigen Tagen beim städtischen Bauamt eingereicht.

Rainer Rickenbach
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In das 1906 erbaute Belle-Epoque-Hotel wird kräftig investiert. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 1. September 2016))

In das 1906 erbaute Belle-Epoque-Hotel wird kräftig investiert. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 1. September 2016))

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Viel Spielraum bietet sich den Planern bei der Renovation des Luzerner Traditionshotels Palace nicht. Denn die 1906 eröffnete Belle-Epoque-Nobelherberge ist als Kulturgut von regionaler Bedeutung eingestuft und steht damit unter Denkmalschutz (B-Objekt). Vor allem die Fassade gilt als sakrosankt, Änderungen daran verlangen äusserste Vorsicht.

Die heikle Ausgangslage mündete wegen der Fenster in den Dachstockhotelzimmern in mehrere Sitzungen mit Bauherren und Behörden. Auf der einen Seite des Tisches sassen der mit der Umbauplanung betraute Architekt Iwan Bühler sowie Toni Bucher vom Sarner Bauunternehmen Eberli AG. Auf der andern Seite waren die zuständigen Leute der städtischen Baudirektion und der Denkmalpflege.

Heute sind die Zimmer direkt unter dem Hoteldach mit kleinen Fenstern ausgestattet, die eher an eine Schiffs­luke erinnern als an ein Fünfsternehaus an bester Lage. «Den Gästen bleibt so die fantastische Aussicht auf den See und das Alpenpanorama verwehrt», sagt Toni Bucher. Er organisiert im Auftrag des chinesischen Hotelbesitzers Yunfeng Gao das Umbauprojekt (siehe Infobox). Nach einigem Hin und Her fand sich schliesslich eine Lösung mit neuen Rundbogenfenstern in den Dachstockzimmern, die bis zum Boden reichen, von aussen den gewohnten Gesamteindruck jedoch nicht beeinträchtigen.

Die Pläne dafür liegen seit einer Woche beim städtischen Bauamt. Sie dürften in den nächsten Tagen öffentlich aufgelegt werden. Die Fenster sind dabei nur ein Detail des Umbaus und der Modernisierung des Fünfsternehotels. Die Kosten für die Renovation belaufen sich auf 100 Millionen Franken; etwa ein Drittel davon entfällt auf die Erneuerung der veralteten Haustechnik. Toni Bucher: «Wir gehen davon aus, im nächsten Frühling die Umbaubewilligung zu erhalten. Der Umbau beginnt wahrscheinlich im Oktober 2017 und dürfte bis zum Frühling 2019 dauern. Während dieser Zeit bleibt das ganze Hotel geschlossen.» Mit Einsprachen rechnet Bucher nicht, da die Planer mit allen Betroffenen schon vor der Baueingabe Gespräche geführt haben.

Im Gebäude drin sind ein paar grundlegende Änderungen vorgesehen. Die Planer haben zum Beispiel vor, einen repräsentativen Haupteingang mit Vordach und neuem Treppenaufstieg zu errichten. Ursprünglich befand sich der Haupteingang etwa in der Mitte des Gebäudes an der Haldenstrasse, heute ist er gegen die Tiefgarage und das Casino hin ausgerichtet. Die Réception liegt ziemlich versteckt beim früheren Haupteingang unter einer Treppe. Sie wird in Richtung Casino gezügelt und nach dem Gepäckraum der zweite Raum nach dem Hoteleingang sein. Auf der anderen Seite des Mittelganges sind auf Seeseite drei Restaurants geplant. Toni Bucher: «Ein Restaurant bietet Schweizer Spezialitäten von Hacktätschli bis zu Fischen aus dem Vierwaldstättersee. Im zweiten Speiselokal gibt es asiatische Gerichte, im dritten japanische Speisen.» Ihm schweben keine exklusiven Gourmet-Hochburgen mit sehr teuren Preisen vor. «Es ist ein Klischee, dass Restaurants in Luxushäusern unerschwinglich sind. Auf der Melchsee-Frutt beweist unsere Hotelgruppe, wie man mit gehobener Kochkunst auch bei den Schweizer Gästen auf gute Akzeptanz stösst», sagt Bucher. Die Bar soll offener gestaltet werden.

Heute zählt das Luxushotel 129 Zimmer, nach dem Umbau werden es 110 sein. Bei etwa der Hälfte davon wird es sich um Suiten handeln. «Grössere Zimmer entsprechen dem Bedürfnis von Luxushotelgästen. In den Zimmern mit Seesicht umfassen die Räume 80 bis 120 Quadratmeter», erläutert Bucher. In den oberen Stockwerken wird der Mittelflur so verlegt, dass die seeseitigen Zimmer an Fläche hinzugewinnen und die Standardräume auf der Seite der Haldenstrasse etwas kleiner werden. Insgesamt umfasst die Renovation eine Fläche von 16'500 Quadratmetern, das kommt zwei Fussballfeldern gleich.

Zwischenlösung für das Personal nötig

Die Renovationsarbeiten dauern über ein Jahr, und der Hotelbetrieb wird so lange eingestellt. Was geschieht mit den 124 Mitarbeitenden während dieser Zeit? Bucher: «Wir möchten möglichst viele von ihnen behalten. Während des Umbaus brauchen sie eine Übergangslösung, dafür liegen bereits mehrere Anfragen von andern Hotelbetrieben vor.» Im Sommer 2017 eröffnet das Bürgenstock-Resort, dessen Leitung schon seit einiger Zeit händeringend nach Gastro-Profis sucht. Mit seiner Marketingstrategie richtet sich das Hotelmanagement zum einen an Gäste aus der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien, den USA und den arabischen Golfstaaten. Bucher: «In diesen Märkten soll das ‹Palace› seine Position weiter ausbauen. Und es bleibt das Hotel fürs Lucerne Festival.» Zum andern haben die Verantwortlichen Chinas begüterte Familien im Blick. «Wir sind daran, zusammen mit chinesischen Reiseorganisatoren eine 17-tägige Rundreise in der Schweiz zusammenzustellen, die Wandern, Golf und Kulturerlebnisse bietet. Dazu arbeiten wir auch mit andern Fünfsternehäusern zusammen.»

Für den chinesischen Investor und Unternehmer Yunfeng Gao stelle das Hotelengagement in der Zentralschweiz eine Herzensangelegenheit dar, berichtet Bucher. Gao bietet sich bei der Finanzierung der «Palace»-Renovation indes eine neue Hürde: Die chinesische Regierung wirft seit einigen Monaten verstärkt ein Auge auf die Auslandinvestitionen ihrer Bürger. Denn sie sieht es nicht gerne, wenn Chinesen in Europa oder Amerika anstatt im eigenen Land Projekte finanzieren. Da der Lasertechnologie-Unternehmer aber auch im Heimatland grössere Projekte am Laufen hat, dürften Gaos Chancen auf den Ausbau seines Engagements in der Schweiz gut stehen. Bucher: «Ich treffe Gao im Januar in China. Bis dann wissen wir besser, wie sich die strengeren Kapitalausfuhrvorschriften auswirken.»

Drei Hotels in der Zentralschweiz

Der chinesische Unternehmer und Investor Yunfeng Gao (49) erwarb das Hotel Palace in Luzern vor gut einem Jahr von einem CS-Immobilienfonds. Der Kaufpreis wurde nie bekannt gegeben, er dürfte sich aber um die 50 Millionen Franken bewegt haben. Schon früher hatte Gao das Hotel Frutt Lodge auf der Melchsee-Frutt und das Hotel Europäischer Hof in Engelberg gekauft. Letzteres befindet sich zurzeit für 100 Millionen Franken im Umbau. Die drei Hotels im Luxussegment sind in der First Swiss Hotel Collection AG zusammengefasst. Bis heute dürfte Gao wohl 300 Millionen Franken in seine Zentralschweizer Hotelprojekte investiert haben.

Yunfeng Gao ist in der Lasertechnologie tätig

Gao lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Shenzen. Vor 20 Jahren hat der Selfmade-Unternehmer die Han’s Laser Technology gegründet. Die Firma beschäftigt 9500 Mitarbeiter. Kerngeschäft des Hightech-Unternehmens ist die Herstellung von Lasergeräten. Kunden sind unter anderem Apple-Zulieferer, die Leiterplatten für iPhones zuschneiden. Gao hat Ingenieurwissenschaften studiert und lehrte vor der Firmengründung an der Universität Nanking.

Das Luzerner Fünfsternehotel direkt am See wird aufwendig modernisiert. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 1. Dezember 2015))

Das Luzerner Fünfsternehotel direkt am See wird aufwendig modernisiert. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 1. Dezember 2015))