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LUZERN: Obergrund-Villen – Relikte aus längst vergangener Zeit

Entlang der Obergrundstrasse reihen sich herrschaftliche Villen mit breit angelegten Gärten. Sie haben eine interessante Geschichte – und zum Teil schillernde Architekten.
Der stattliche Rhynauerhof an der Obergrundstrasse 97 war einst ein Landhaus. Heute gehört es dem Städtischen Frauenbund. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. April 2017))

Der stattliche Rhynauerhof an der Obergrundstrasse 97 war einst ein Landhaus. Heute gehört es dem Städtischen Frauenbund. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. April 2017))

Hugo Bischof
hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Die Obergrundstrasse in Luzern vom
Pilatusplatz stadtauswärts Richtung Kriens ist heute fast schon eine Stadt-Autobahn mit viel Verkehr und Lärm. Da wirken die stattlichen Villen an dieser Adresse mit teilweise riesigen Gartenanlagen beidseits der Strasse wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit.

Aus ihrem Schlaf gerissen wurde die beschauliche Villenlandschaft unlängst durch zwei Häuserbesetzungen. Im April 2016 besetzte die Gruppe Gundula die leerstehende Villa an der Obergrundstrasse 99. Anstatt Villen an bester Lage über Jahre ungenutzt zu lassen, sollten dort Orte der Kultur, Diskussion und Begegnung entstehen, forderten die Besetzer. Anfang April 2017 wurde das Gebäude an der Obergrundstrasse 101 besetzt – und von der Polizei zwangsgeräumt.

Die aktuellen Ereignisse haben uns veranlasst, einen Blick in die Geschichte des Villenquartiers Obergrundstrasse zu werfen. Wir stützen uns dabei vor allem auf ein Arbeitspapier, das die Dienststelle Denkmalpflege und Kulturgüterschutz der Stadt Luzern vor einigen
Jahren erstellt hatte und das uns der damalige Leiter Ueli Habegger freundlicherweise zur Verfügung stellte. Die Infos zur Geschichte und zur Architektur der abgebildeten Häuser sind weitgehend ihm zu verdanken.

Landstrasse mit «Bauernhöfen und Mühlen»

Einst war die Obergrundstrasse (oder Krienserstrasse, wie sie damals hiess) eine einfache Landstrasse von Luzern nach Kriens. Neben dem damals noch offen fliessenden Krienbach befanden sich dort «vor allem grosse Bauernhöfe, Mühlen und Schmieden», schreibt Habegger. Die heute noch bestehenden Villen – einige davon sind auf dieser Doppelseite beschrieben – entstanden grösstenteils um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, eine davon, der Rhynauerhof, schon etwas früher. Diese wurde 1839 erbaut.

«Der Geist grossbürgerlicher Repräsentation»

«Die Villen Obergrundstrasse 95 bis 101 nutzten die Gunst der Lage», schreibt Ueli Habegger. «Auf einem ebenen Terrain liess sich hier – wie sonst selten in der topografischen Situation der Staffelstadt Luzern – der Bautypus mit Umschwung und Nebengebäude elegant inszenieren.» Das flache Gelände rief also geradezu nach einer solchen Villenlandschaft mit grossen, weiten Gärten. An anderen Stellen in der Stadt Luzern mit ihren unterschiedlichen Ebenen und Anstiegen wäre dies kaum möglich gewesen.

Zurück zu den Liegenschaften Obergrundstrasse 95 bis 101: «Alle vier Villen sind, obwohl durch Nutzungsänderungen, Um- und Anbauten überformt, Beispiele einer für Luzern seltenen städtebaulichen Ausgangslage und atmen auch heute noch den Geist grossbürgerlicher Repräsentation als urbaner Geste», schreibt Habegger.

Von der Obergrundstrasse bis zum KKL

Zur Liegenschaft Obergrundstrasse 99 hat Denkmalschützer Habegger spannende Zusatzinformationen auf Lager. Deren Architekt Arnold Cattani, ein gebürtiger Engelberger, war demnach «nachweisbar der Lieblingsschüler des berühmten Georg Semper». Arnold Cattani sei auch der ausführende Architekt der berühmten «Semper-Oper» in Dresden gewesen.

Cattani wurde einer der führenden Hotelarchitekten in der Innerschweiz und der Begründer der Stans-Engelberg-Bahn als «Entrepreneur». In Luzern schuf er das «Baur au Lac», den gemäss Habegger «wohl schönsten Hotelpalast». Dieser wurde 1948 abgerissen und musste der Kreistelefondirektion (heute: Swisscom und Raiffeisen) an der Bahnhofstrasse Platz machen.

Ausgerechnet Armin Meili, der Erbauer des Kunsthauses Luzern (Vorgängerbau des heutigen KKL), empfahl in einer Studie Cattanis Hotelbauten zur Purifizierung und zum Abriss. In Engelberg blieben nur zwei Cattani-Bauten, das Hotel Terrace (Sportgymnasium) und das Hotel Europäischer Hof (ehemals Hotel Winterhaus), vom Abriss verschont. Emanuel Cattani, ein Nachkomme von Arnold Cattani, erbaute später zusammen mit Jean Nouvel das KKL – eine weitere spannende Randnotiz.

Abbruch nur in Ausnahmefällen erlaubt

Das Villenquartier im Obergrund ist heute in der Ortsbildschutzzone B eingetragen. Abbrüche, wie an der Obergrundstrasse 99 geplant, sind dort nur in Ausnahmefällen erlaubt. Die Obergrund-Villen sind ausserdem im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (Isos) eingetragen – in der obersten Kategorie. Das bedeutet: Abbruch bestehender Häuser ist verboten, Neubauten ebenfalls – ausser wenn übergeordnete Interessen dafür sprechen.

Zu einem Ensemble von Etagenvillen, die zwischen 1900 und 1910 in unmittelbarer Nähe zur Stadtgrenze entstanden sind, gehören die Häuser Obergrundstrasse 111, 115, 117. Ihre Stellung betont den Verlauf und die Richtung der Ausfallstrasse in Richtung Kriens.

Bereits auf Krienser Boden steht das Gebäude Obergrundstrasse 121, eine spätklassizistische Villa aus dem Jahr 1906. Einzig diese sowie das Landhaus Rhynauerhof (Obergrundstrasse 97) stehen von den Obergrund-Villen unter Denkmalschutz.

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