LUZERN: Öffentlicher Verkehr wächst und wächst

Immer mehr Leute sind in der Stadt Luzern unterwegs. Dabei fahren mehr mit dem ÖV, während die Zahl der Autofahrer sinkt. Dennoch wird es künftig noch mehr Stau geben.

Merken
Drucken
Teilen
Der Verkehr in der Stadt Luzern wächst und wächst. Auf dem Bild: Stau vor dem Parkhaus beim Kantonsspital. (Bild Dominik Wunderli)

Der Verkehr in der Stadt Luzern wächst und wächst. Auf dem Bild: Stau vor dem Parkhaus beim Kantonsspital. (Bild Dominik Wunderli)

Robert Knobel

Die SVP-Initiative «für einen flüssigen Verkehr» verlangt, dass der Autoverkehr in der Stadtluzerner Verkehrspolitik nicht benachteiligt wird. Deshalb soll das Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität geändert werden. Vor allem der Passus, dass der Individualverkehr nicht mehr weiter zunehmen soll, wird von den Initianten kritisiert. Die Plafonierung des Autoverkehrs auf dem Niveau von 2010 ist auch in der städtischen Mobilitätsstrategie festgehalten. Doch auf welchem Niveau bewegte sich der Autoverkehr 2010 überhaupt – und wie haben sich die Zahlen seither verändert?

Der ÖV macht an Boden gut

Antworten dazu gibt es im «Monitoring Gesamtverkehr Luzern», das die Stadt zusammen mit Kanton und Verkehrsverbund Luzern erstellt hat. Darin wurde beispielsweise ermittelt, wie viele Personen täglich in der Luzerner Innenstadt mit welchem Verkehrsmittel unterwegs sind. 2014 waren täglich 458 500 Personen in der Innenstadt unterwegs – 20 000 mehr als noch vier Jahre zuvor. Der Zuwachs geht ausschliesslich aufs Konto des ÖV (von 170 500 auf 190 500 Personen) und des Veloverkehrs (von 10 000 auf 14 000). Die Zahl der Autofahrer ist hingegen von 258 000 auf 254 000 gesunken (siehe Grafik). Die Erhebungen wurden auch für einzelne Hauptverkehrsstrassen gemacht, allerdings sind hier die neusten Zahlen von 2012 (in Klammer die Veränderung gegenüber 2010):

  • Alpenstrasse/Löwenstrasse: 46 550 Autofahrer (–2200) und 22 000 Buspassagiere (+2000).
  • Haldenstrasse: 32 000 Autofahrer (+2500) und 11 500 Buspassagiere (–).
  • Langensandbrücke: 28 250 Autofahrer und 18 850 Buspassagiere (Zahlen seit 2010 konstant).
  • Obergrundstrasse: 58 350 Autofahrer (+3600) und 18 650 Buspassagiere (+650).
  • Baselstrasse: 30 150 Autofahrer (–1200) und 18 200 Buspassagiere (–50).
  • Maihofstrasse: 20 550 Autofahrer (–5250) und 6200 Buspassagiere (+250).

Nimmt man nicht die Zahl der Personen, sondern die zurückgelegten Gesamtdistanzen als Basis, ist die Verteilung etwas ausgeglichener: Bei der letzten Erhebung 2010 wurden 41 Prozent der Distanzen auf Stadtgebiet per Auto zurückgelegt, und 45 Prozent mit dem ÖV. Für das gesamte Gebiet der Agglomeration Luzern zeigt sich wiederum ein anderes Bild: 60 Prozent der Distanzen wurden 2010 per Auto zurückgelegt – doppelt soviel wie mit dem ÖV.

Mit weniger als 10 km/h unterwegs

Die Anzahl Verkehrsteilnehmer und die Distanzen sind das eine – entscheidend ist aber auch, zu welchen Zeiten die Leute unterwegs sind. Klar ist, dass das Strassennetz in der Stadt Luzern zu den Hauptverkehrszeiten, vor allem am Abend, überlastet ist. Eine Analyse im Rahmen des Gesamtverkehrskonzeptes der Stadt Luzern hat ergeben, dass die Autos zu den Hauptverkehrszeiten teils mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 10 km/h unterwegs sind. Betroffen sind insbesondere Haldenstrasse, Moosstrasse, Zentralstrasse und Hirschmattstrasse (jeweils stadteinwärts). Nicht viel besser geht es den Bussen. Auf einigen Strecken ist die Durchschnittsgeschwindigkeit der Busse sogar innert eines Jahres (von 2011 auf 2012) deutlich gesunken. So etwa auf der Strecke Kantonsspital–Kreuzstutz (von 16 auf 10 km/h). Schneller voran kommen die Busse hingegen auf dem Abschnitt ­Europe–Luzernerhof (von 11,5 auf 13,6 km/h). Das ist insofern erstaunlich, als der Autoverkehr auf der Haldenstrasse besonders stark zugenommen hat.

Das Problem der Staus zu den Stosszeiten wird sich in den nächsten Jahren noch deutlich akzentuieren. Trotz Trends zu flexibleren Arbeitszeiten werden in 15 Jahren am Abend noch mehr Leute gleichzeitig unterwegs sein. Gemäss Prognosen im Gesamtverkehrskonzept wird die Zahl der Fahrzeuge zu den abendlichen Spitzenzeiten bis 2030 wie folgt zunehmen:

  • Obergrundstrasse: +410 Fahrzeuge/Stunde
  • Reussporttunnel (A 2): +550 Fahrzeuge/Stunde
  • Seebrücke: +220 Fahrzeuge/Stunde
  • Spitalstrasse: +240 Fahrzeuge/Stunde
  • Bruchstrasse: +240 Fahrzeuge/Stunde
  • Maihofstrasse: +240 Fahrzeuge/Stunde

Insbesondere die Prognose für die Seebrücke zeigt, dass die Probleme zu den Stosszeiten grösser werden. Auf der Seebrücke nimmt nämlich die gesamte Verkehrsmenge seit Jahren ab. Waren es vor 30 Jahren noch 47 000 Fahrzeuge, fuhren 2014 nur noch 37 000 Fahrzeuge pro Tag über die Seebrücke. Dieser Trend könnte sich bis 2030 fortsetzen – mit Ausnahme eben der abendlichen Spitzenstunden, welche noch belasteter werden. Ein marginaler Rückgang des Autoverkehrs wird einzig für einige Nebenstrassen erwartet, beispielsweise für die Biregg- und Arsenalstrasse.

Mehr Verkehr im ganzen Kanton

Der Kanton Luzern führt jährlich Verkehrszählungen auf den Kantonsstrassen durch. Jetzt liegen die Zahlen für das Jahr 2014 vor. Besonders stark zugenommen hat die Zahl der Fahrzeuge pro Tag auf folgenden Strassen (in Klammer die Veränderung gegenüber 2010):
Emmen Loren: 21 720 Fahrzeuge pro Tag (+6020).
Buchrain Schachen: 12 220 (+1890)
Willisau Umfahrungsstrasse 7916 (+916)
Abgenommen hat der Verkehr im Zentrum von Ebikon – von 23 000 auf 19 265 Fahrzeuge/Tag.

Verkehrsfrequenzen in der Stadt Luzern. (Bild: Grafik: Oliver Marx)

Verkehrsfrequenzen in der Stadt Luzern. (Bild: Grafik: Oliver Marx)