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LUZERN: «Ohne den Unfall wäre ich heute nicht da, wo ich bin»

Franziska Bodul (27) hat bei einem Arbeitsunfall beinahe ihre rechte Hand verloren. Heute lebt sie wieder schmerzfrei – und glücklich. Trotz bleibender Schäden.
Daniel Schriber
Franziska Bodul hat ihren Schicksalsschlag überwunden und in ihrem neuen Job als Arbeitsagogin in der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) ihr Glück gefunden. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Franziska Bodul hat ihren Schicksalsschlag überwunden und in ihrem neuen Job als Arbeitsagogin in der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) ihr Glück gefunden. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der 7. August 2012 begann für Franziska Bodul ungewohnt. «Ich habe verschlafen. So was passiert mir nur höchst selten.» Dabei hatte die damals 23-Jährige doch just an diesem Tag besonders viel zu tun. Statt Sommerflaute herrschte in ihrem Handwerksbetrieb eine starke Auftragslage. «Es war eine ziemlich stressige Zeit», sagt die junge Frau. Nicht dass sich die gelernte Schreinerin daran störte: «Ich war schon immer der aktive Typ und kann Langeweile nicht ausstehen», sagt sie weiter und lacht herzhaft – wie so oft während des Gesprächs. Dass Franziska Bodul auch heute noch so fröhlich und aufgestellt sein kann, ist jedoch alles andere als selbstverständlich. Wenig hätte gefehlt, dass am 7. August 2012 alles anders gekommen wäre.

Hand von Walze erfasst

Die Schreinerin war gerade daran, eine «riesige Walzanlage» zu reinigen, als es zum verheerenden Zwischenfall kam. Sie war nur kurz unachtsam, als es ihr plötzlich einen Finger in die Maschine zog. Geistesgegenwärtig schaffte sie es, den Notstopp zu drücken – doch als sie die ratternde Maschine endlich zum Stillstand brachte, hatte das Ungetüm längst ihre ganze Hand erfasst. Sekunden später der Schock: Die Hand war nicht nur völlig zerquetscht, die Finger der Verunfallten hingen auch noch in alle Richtungen herunter. «Da waren überall Muskeln und Sehnen zu sehen.» Wenn Franziska Bodul von dem Ereignis erzählt, das ihr Leben veränderte, graust es einem bereits beim blossen Zuhören.

Trotz der schweren Verletzung verlor die Verunfallte nie das Bewusstsein. Das Adrenalin verhinderte das. Statt umzukippen, forderte die Verunfallte den einzigen anwesenden Kollegen dazu auf, sie so schnell wie möglich zum Inwiler Dorfarzt zu bringen. Dort ging alles ganz schnell: Schmerzmittel, 144, Blaulicht, Spital in Luzern. Dazwischen ein Telefonat an den damaligen Freund und heutigen Ehemann, der zu diesem Zeitpunkt gerade in Österreich in den Fischerferien war. «Schatz, du musst nach Hause kommen», informierte ihn seine Freundin. «Es sieht nicht gut aus.» Kurz danach folgte in Luzern eine mehrstündige Operation.

Schwere Zeit nach dem Unfall

Als Franziska Bodul Stunden später aus der Narkose erwacht, sieht sie – noch ganz benommen – ihre Familie. Ihre Eltern, die Zwillingsschwester, ihren Freund. Alle sind sie sofort ins Spital gefahren, als sie von dem Unfall hörten. «Und sie alle waren während der gesamten Zeit für mich da», sagt Bodul. «Diese Unterstützung war extrem wertvoll.»

Trotz der grossen familiären Hilfe fiel Franziska Bodul die Zeit nach dem Unfall aber alles andere als leicht. Es waren nicht nur die insgesamt fünf aufwendigen Operationen und die damit verbundenen starken Schmerzen, die ihr zu schaffen machten – auch psychisch litt die Verunfallte. «Lange konnte ich nicht mal das Geräusch einer Tischsäge hören, ohne Herzrasen zu kriegen und in Tränen auszubrechen.» All die Therapien, die Medikamente, die Eingeschränktheit – und die Ungewissheit, ob es ihrer Hand jemals wieder richtig gut gehen würde: «Das hat mich echt fertiggemacht.»

Vier Jahre sind seit dem Unfall vergangen. In dieser Zeit hat sich viel getan. Sehr viel sogar. Heute strahlt Franziska Bodul wieder wie früher. Seit Februar lebt sie praktisch schmerzfrei und ist «überglücklich», wie sie betont. Zwar ist ihre Feinmotorik an der Unfallhand nach wie vor eingeschränkt – und bleibt das wohl auch –, trotzdem gehe es ihr heute wieder sehr gut. Das Wichtigste sei, dass die Ärzte die Hand retten konnten. Die Verunfallte ist dankbar für die medizinische Betreuung in den vergangenen Jahren – und auch für die Zusammenarbeit mit der Suva. «Ich fühlte mich von Anfang an gut unterstützt. Die Suva und besonders der verantwortliche Schadenspezialist im Aussendienst haben mir auch in schwierigen Zeiten den Rücken gestärkt.»

Neues Glück gefunden

Beruflich hat die junge Frau ebenfalls wieder Fuss gefasst. Nicht als Schreinerin, sondern in einem ganz anderen Bereich. Die 27-Jährige steht mitten in der Ausbildung zur Arbeitsagogin in der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL). Mit einem Lächeln sagt sie: «Als ich mein erstes Praktikum hier absolvierte, sind mir die Leute zum Teil ganz schön schräg eingefahren.» Mittlerweile hat sie die Bewohner des SSBL aber kennen und schätzen gelernt. Mehr als das: «Die Arbeit mit behinderten Menschen ist zwar anstrengend, aber auch extrem bereichernd», sagt Bodul und fügt an: «Wenn du den Menschen offen und ohne Vorurteile begegnest, geben sie dir sehr viel zurück.» Für Franziska Bodul steht fest: «Ohne den Unfall wäre ich heute nicht da, wo ich bin.»

Ihren eigenen Schicksalsschlag habe sie mittlerweile gut verarbeitet. Sie habe versucht, das Beste daraus zu machen, war stets motiviert, so rasch wie möglich wieder ein normales Leben zu führen, wieder zu arbeiten. Das ist ihr gelungen – und darauf ist sie auch stolz. Aber nicht nur auf das: Im September 2014 erblickte ihr kleiner Sohn Mateo das Licht der Welt. «Er ist mein grösstes Glück.»

Eine «unglaubliche Stärke»

Dass Franziska Bodul an ihrem neuen Arbeitsort gut aufgehoben ist, bestätigt auch ihre Chefin. Rita Zimmermann amtet als Leiterin Arbeit und Beschäftigung in der SSBL und hat nur lobende Worte für ihre Mitarbeiterin übrig. «Sie hat trotz ihrer schweren Geschichte ein sonniges Gemüt.» Nicht ein Mal habe sie Franziska Bodul klagen gehört. «Das spricht für sie und ihre unglaubliche Stärke.» Auch fachlich sei die Quereinsteigerin immer interessiert und bestrebt, Neues zu lernen. Auch im Umgang mit den Bewohnern und den Tagesbeschäftigten überzeugt Bodul durch ihre offene und zuvorkommende Art. «Sie nimmt jeden Menschen so, wie er ist. Genau solche Leute braucht es für diese Arbeit.»

Es sind Sätze, über die sich Franziska Bodul freut. Sie war vor dem Unfall spontan und lebensfroh und sei dies glücklicherweise auch bis heute geblieben, sagt sie im Gespräch. In gewissen Situationen reagiere sie heute jedoch vorsichtiger als früher. «Der Unfall hat mich wahrscheinlich schon etwas verändert.» Ganz sicher aber hat das Ereignis diese junge Frau (noch) stärker gemacht.

Daniel Schriber

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